Bundesweiter Protest gegen Gesundheitsreform

Gesundheitsministerin Schmidt weist Kritik zurück

Demonstrierende Apotheker halten in Wiesbaden Protestplakate in die Höhe. (AP)
Demonstrierende Apotheker halten in Wiesbaden Protestplakate in die Höhe. (AP)

Ärzte, Apotheker und Krankenhaus-Mitarbeiter haben mit einem bundesweiten Protesttag gegen die geplante Gesundheitsreform mobil gemacht. Zehntausende Praxen blieben am Montag geschlossen. Laut Ärztekammer war jede dritte Praxis in Deutschland dicht, bis zu zwei Drittel der Apotheken blieben in einzelnen Ländern nach Verbandsangaben geschlossen.

In vielen Krankenhäusern war der Betrieb auf eine Notversorgung reduziert. In Duisburg, Dresden und anderen Städten wurden Protestmärsche veranstaltet.

Zu den Aktionen unter dem Motto "Patienten in Not - diese Reform schadet allen" hatten rund 40 Organisationen aus dem Gesundheitsbereich aufgerufen. Sie wollten nach eigenen Angaben den Patienten klar machen, welche Einschränkungen nach der Reform dauerhaft zu erwarten sind. Durch die Gesundheitsreform drohten eine Verschlechterung des ambulanten Versorgungssystems, die Einschränkung der freien Arztwahl und eine Zunahme der Bürokratie.

Hoppe fordert Neustart

Der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, forderte die Bundesregierung dazu auf, die Reformpläne zurückzunehmen. Die Reform schade dem Gesundheitswesen und damit den Patienten, sagte Hoppe in Berlin. Die Unterfinanzierung werde weiter verschärft und Versorgungsstrukturen würden abgebaut.

Der Chef der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, Frank Ulrich Montgomery nannte die Reformpläne einen "riesigen politischen Irrtum". Die Große Koalition zementiere die Zwei-Klassen-Medizin.

Schmidt: Patienten werden in Geiselhaft genommen

Bundesministerin Ulla Schmidt übte angesichts des Protesttages scharfe Kritik an den unterschiedlichen Interessenvertretungen. Keiner von denen, die zu dem Protest aufgerufen hatten, habe einen Vorschlag gemacht, wie Geld in ihrem Bereich eingespart werden könne, sagte Schmidt im Deutschlandfunk.

Den Vorwurf, die Grundzüge der Reform ohne Beteiligung der Betroffenen entwickelt zu haben, wies sie zurück. Sie habe immer das Gespräch gesucht und sei nach wie vor gesprächsbereit. Zu den Schließungen von Arztpraxen und Apotheken sagte die SPD-Politikerin, es ärgere sie, dass Hilfesuchende in Geiselhaft genommen würden.



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Schmidt: Patienten in Geiselhaft

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:20 Uhr