Camerons Provinz-Schlappe

Großbritanniens Konservative nur Dritte bei Nachwahl

Seine Parteifreunde kamen nur auf Platz Drei: David Cameron (picture alliance / dpa / Olivier Hoslet)
Seine Parteifreunde kamen nur auf Platz Drei: David Cameron (picture alliance / dpa / Olivier Hoslet)

Stimmungstest für den Premierminister missglückt: Mehrmals war David Cameron in die kleine südenglische Stadt Eastleigh gereist, die das ganze Land wochenlang mit ihrem Wahlkampf in Atem hielt. Am Ende stand eine Pleite für die Konservativen - und ein Rekord für die populistische UKIP.

Ins Kuriositätenkabinett abschieben ließen sie sich nicht. "Spinner, Bekloppte, verkappte Rassisten", das sei das Personal, aus dem die UKIP besteht, hatte David Cameron einmal zu Protokoll gegeben. Allerdings sieht die Protestpartei eine wachsende Wählerschaft hinter sich und schaffte es, Camerons Kollegen in Eastleigh, einer Eisenbahnerstadt nahe Southampton, zu übertölpeln. Dort holte die UKIP in einer landesweit mit großer Spannung verfolgten Nachwahl 27,8 Prozent der Stimmen - ein historischer Rekord. Die United Kingdom Independence Party macht sich für einen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union stark.

Die europakritischen Wähler der UKIP hatte der Premierminister ebenfalls zu gewinnen versucht. In Eastleigh scheiterte er damit: Den Wahlsieg holten hier, trotz massiver Verluste, die Liberaldemokraten. Camerons Konservative landeten nur auf Platz drei. Beide Parteien, die im Londoner Unterhaus in einer Koalition regieren, verloren je rund 14 Prozentpunkte im Vergleich zur vorigen Wahl. Sie ermöglichten damit den starken Zuwachs der UKIP, die quasi aus dem Nichts gestartet war.

Unzufriedenheit bei den Tories

Cameron erklärte am Freitag, das Ergebnis sei für seine Partei enttäuschend. "Aber bei Nachwahlen mitten in der Legislaturperiode ist auch klar, dass die Leute ihren Protest kundtun wollen. Ich bin zuversichtlich, dass wir sie bei der nächsten Unterhauswahl zurückgewinnen können." Der stellvertretende Tory-Vorsitzende Michael Fabricant kritisierte über den Nachrichtendienst Twitter: "Die Stimme der Konservativen ist verhalten und nicht klar. Sie stellt nicht deutlich genug unsere Themen dar." Bildungsminister Michael Gove, ebenfalls ein Konservativer, sagte, die Wähler seien enttäuscht und verärgert über die eingesessenen Politiker und die schlechte wirtschaftliche Lage Großbritanniens.

Der Vorsitzende der UKIP, Nigel Farage, sprach von einem "Erdbeben" in der britischen Politik. Man habe es geschafft, Nichtwähler zu mobilisieren. Die Menschen hätten genug von "drei sozialdemokratischen Parteien" - ein Seitenhieb auf Labour, in Eastleigh nur auf dem vierten Platz, aber auch auf die Tories und die Liberalen. Neben dem strikt anti-europäischen Kurs grenzte sich die UKIP auch auf anderen Feldern von der Londoner Regierungskoalition ab, etwa bei der Zuwanderung, der Anerkennung gleichgeschlechtlicher Ehen und in der Energiepolitik.

"Wir wollen, dass Großbritannien Großbritannien bleibt", drückte es Irene Cook, eine 66-jährige UKIP-Wählerin aus. "Wir wollen nicht, dass mehr Menschen aus anderen Ländern auf unsere kleine Insel kommen, das muss aufhören. Wir haben UKIP gewählt, und mir gefällt deren Ergebnis sehr, sehr gut."

Großbritannien wählt im Frühling 2015 ein neues Parlament. Der Bezirk Eastleigh mit rund 78.000 Wahlberechtigten hatte außerplanmäßig abstimmen müssen, weil der bisherige Abgeordnete Chris Huhne (Liberaldemokraten) nach einer Anklage wegen Justiztäuschung sein Mandat niederlegen musste.

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:07 Uhr