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Chemie-Nobelpreis geht an den US-Forscher Roger Kornberg

Der US-Wissenschaftler Roger Kornberg (AP)
Der US-Wissenschaftler Roger Kornberg (AP)

Den Nobelpreis für Chemie erhält in diesem Jahr der US-Wissenschaftler Roger Kornberg. Dies gab das Karolinska Institut in Stockholm bekannt. Der Preis ist in diesem Jahr mit umgerechnet 1,1 Millionen Euro dotiert. Kornberg erhält den Preis für die Beschreibung des Vorgangs, mit dem Gene von höheren Organismen in Proteine umgesetzt werden.

Aussichtsreiche Kandidaten Chemie waren:

Dieter Seebach, emeritierter Professor für Organische Chemie der ETH Zürich. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf der Entwicklung neuer Synthesemethoden, der Produktion von beta-Peptiden und der Synthese von chiralen Dendrimeren.

George M. Whitesides, einer der weltweit anerkenanten Vorreiter für die Nutzung der nanotechnischen Forschung. Bestimmte Metalle sind in der Lage, Kohle leicht zu oxidieren. Die Forscher schlämmten Kohlepulver in Schwefelsäure auf und gaben dreifach positiv geladene Eisenionen zu. Die Eisenionen reagieren mit der Kohle, dabei entstehen Kohlendioxid und eine reduzierte Form der Eisenionen. Die Eisenionen, jetzt nur noch zweifach geladen, geben ihr zusätzliches Elektron über eine Elektrode, die Anode, an den Stromkreis ab und stehen dann wieder zur Verfügung. Fertig ist die anodische Halbzelle einer prototypischen Kohle-Brennstoffzelle. Ein lösliches System, das auf Vanadiumionen basiert, diente den Forschern als zugehörige kathodische Halbzelle. Bei 100 Grad Celsius lieferte dieser Prototyp tausend Stunden lang Strom ohne einen Leistungsabfall.

Akira Suzuki von der Hokkaido Universität in Japan. Nach ihm ist die neue Klasse von Reagenzien für Suzuki-Kupplungen benannt, hochselektive Reagenzien für Reduktionen und Hydroborierungen sowie Katalysatoren für die asymmetrische Synthese. Sie ermöglicht es die Anzahl der Verfahrensschritte reduziert und bessere Ergebnisse im Vergleich zur klassischen Methode erzielt zu können.

Kyriacos Nicolaou Er versteht sich nicht nur als Wissenschaftler, sondern genauso als Künstler, und das verrät schon seine Internet-Seite: statt Uni-Emblem und endloser Link-Leiste eine vielfarbige Collage, darin der Meister selbst, schnauzbärtig und mit Horst-Tappert-Brille, in einem Kosmos komplexer organischer Moleküle. Ursuppe und Schöpfung kommen dem Betrachter in den Sinn. Und das soll wohl auch so sein. Kyriacos Nicolaou ist Naturstoff-Chemiker, einer der begabtesten zumal, und im Scripps-Forschungsinstitut in Kalifornien lässt er die Welt neu entstehen.

Physik-Nobelpreis für Astrophysiker

Der Physik-Nobelpreisträger George Smoot (AP)George Smoot (AP)Der Nobelpreis für Physik geht in diesem Jahr an zwei Physiker aus den USA. John C. Mather und George F. Smoot erhalten die Auszeichnung für die Untersuchung der so genannten kosmischen Hintergrundstrahlung, die als "Echo des Urknalls" seit Anbeginn des Universums das All durchzieht. Das teilte die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm mit. Die höchste Auszeichnung für Physiker ist in diesem Jahr mit umgerechnet 1,1 Millionen Euro dotiert.

Der Physik-Nobelpreisträger John Mather (AP)John Mather (AP)Mather und Smoot hatten mit dem Satelliten COBE feine Temperaturschwankungen im Urknall-Echo entdeckt, die als Saat der ersten Galaxien gelten können. Inzwischen ist dieses Phänomen mit moderneren Experimenten detaillierter vermessen worden. Das Alter des Alls ließ sich so auf rund 13 Milliarden Jahre bestimmen.

Favorit in der Abstimmung bei dradio.de war mit 38 Prozent der österreichische Quantenphysiker Anton Zeilinger. Auch Peter Grünberg vom Forschungszentrum Jülich (20 Prozent) wurden gute Chancen auf den Preis eingeräumt. Im vergangenen Jahr war der Deutsche Theodor Hänsch gemeinsam mit seinen US-Kollegen John Hall und Roy Glauber für grundlegende
Beiträge zum Verständnis der Natur des Lichtes ausgezeichnet worden.

Aussichtsreiche Kandidaten Physik waren:

Der Quantenpapst: Anton Zeilinger, Universität Wien.
Dem österreichischen Quantenphysiker gelang 1997 etwas Spektakuläres: Er "beamte" völlig ohne Zeitverzug ein Lichtteilchen (oder genauer gesagt dessen Eigenschaften) von einer Ecke seines Labortisches in die andere. Dabei nutzte er eine ominöse spukhafte Fernwirkung, die einst Albert Einstein für völlig absurd gehalten hatte. Heute beherrscht Anton Zeilinger das Spielchen par excellence: Er beamt Licht durch einen Abwasserkanal von einem Donau-Ufer zum anderen. IT-Experten gilt diese Quantenteleportation als vielversprechende Möglichkeit zur absolut sicheren Übertragung geheimer Daten.

Der Magnet-Prophet: Peter Grünberg, Forschungszentrum Jülich.
1986 untersuchte Peter Grünberg magnetische Schichten, die wie ein Sandwich aufgebaut sind: zwei Eisenfilme getrennt durch eine hauchdünne Chromschicht. Er stieß auf einen ungewöhnlichen physikalischen Effekt, die "riesenmagnetische Resonanz". Das Phänomen trat eine Revolution in der Speichertechnik los und ist mit verantwortlich für die respektable Kapazität heutiger Festplatten. Mit seiner Entdeckung begründete Grünberg einen neuen Forschungszweig, Spintronik genannt. Sie verspricht unter anderem Computer, die auch beim Totalabsturz ihr digitales Gedächtnis nicht verlieren.

Der Nano-Pionier: Sumio Iijima, NEC, Japan.
Es war ein purer Zufall: 1991 stieß Sumio Iijima bei Experimenten mit einem Spezialmikroskop auf eine neue Form von Kohlenstoff - weder Graphit noch Diamant noch Fußballmolekül. Das, was Iijima entdeckte, waren winzige Röhren aus purem Kohlenstoff, Nanotubes genannt. Sie ähneln einer Makkaroni, nur sind sie eine Million Mal kleiner. Mittlerweile gelten die Winzlinge als potenzielle Alleskönner der Nanotechnologie: Forscher basteln an Prototypen für ultraschnelle Computerchips, extrem reißfeste Werkstoffe und gestochen scharfe Flachbildschirme.

Der Geisterjäger: Yoji Totsuka, Teilchenforschungszentrum KEK, Tsukuba, Japan.
1998 drang eine physikalische Sensation aus den Tiefen der japanischen Alpen. Dort hatte der riesige, mit Sensoren gespickte Wassertank Superkamiokande entdeckt, dass ein Elementarteilchen namens Neutrino tatsächlich Masse besitzt. Eine spektakuläre Entdeckung für die Theoretiker unter den Teilchenphysikern - sie hatten das Geisterteilchen Neutrino lange Zeit für ebenso masselos gehalten wie das Photon, das Lichtteilchen. Yoji Totsuka war einer der maßgeblichen Strippenzieher hinter einem Experiment, das die Teilchenphysik nachhaltig veränderte.

Auszeichnung für Medizin geht an Genforscher

Den Nobelpreis für Medizin teilen sich in diesem Jahr die Forscher Craig C. Mello (rechts) und Andrew Z. Fire. (AP)Craig C. Mello (rechts) und Andrew Z. Fire. (AP)Den Nobelpreis für Medizin teilen sich in diesem Jahr die Forscher Andrew Z. Fire und Craig C. Mello. Die US-Wissenschaftler werden für ihre Arbeiten zur RNA-Interferenz ausgezeichnet. Fire und Mello entwickelten ein Verfahren, mit dem sich einzelne Gene gezielt stumm schalten lassen. Anhand der Auswirkungen dieser so genannten RNA-Interferenz kann dann abgelesen werden, wofür das ausgeschaltete Gen zuständig ist. Der Preis wird er traditionsgemäß am 10. Dezember, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel, überreicht.

Bei unserem Voting zum Medizin-Preisträger hatten die meisten Besucher auf Luc Montagnier getippt. 27 Prozent meinten, der französische Aids-Forscher sei in diesem Jahr an der Reihe. Gefolgt wurde er von dem Genforscher Thomas Tuschl (22 Prozent), der im gleichen Bereich wie die nun Ausgezeichneten forschte, und von dem Molekularbiologen Rudolf Jaenisch.

Aussichtsreiche Kandidaten Physiologie / Medizin waren:

Ian Wilmut ist Embryologe und Leiter des Forschungsteams am Roslin Institute, das im Juli 1996 Dolly aus den Zellen eines erwachsenen Schafs klonte.

Rudolf Jaenisch hat mit seinen Arbeiten fundamentale Aspekte der Stammzell- und Molekularbiologie aufgeklärt. Er forscht und lehrt am renommierten Whitehead Institute for Medical Research am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge, USA, und gilt als Mitbegründer der Technologie zur Herstellung transgener Tiermodelle. Diese Technik gehört heute zu den wichtigsten Methoden, mit denen die Funktionen von Biomolekülen in ihrem physiologischen Umfeld erforscht werden können. Außerdem sind transgene Tiermodelle in der Entwicklung neuer Arzneimittel unverzichtbar.

Luc Montagnier ist Frankreichs bekanntester Aids-Forscher, und nachdem im Mai 1991 der Prioritätsstreit über die Entdeckung des AIDS-Virus beendet wurde gilt er als sein alleiniger Entdecker. Die Verbreitung des Virus und seine biologischen Eigenschaften sind mittlerweile bekannt.

Thomas Tuschl entwickelte als Leiter der Arbeitsgruppe Kombinatorische Biochemie des Max-Planck-Instituts (MPI) in Göttingen zusammen mit seinem Team eine Methode, die Funktion einzelner Gene zu identifizieren. Es entstand eine Technik namens RNA-Interferenz (RNAi).

Judah Folkman ist ein Forschungspionier bei der Entwicklung von Angiogenesehemmern. Seine Arbeiten bilden eine wichtige Grundlage zur Krebstherapie.

Täglich berichtet der Deutschlandfunk in den Sendungen "Forschung aktuell", "Informationen am Mittag" und "Das war der Tag" ausführlich über die Forscher und ihre Forschungsarbeiten.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:18 Uhr

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