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Dalai Lama ruft zur Gewaltfreiheit auf

Mehrere tausend Menschen bekunden in Berlin ihre Solidarität mit Tibet

Zum Abschluss seines Deutschlandbesuchs spricht der Dalai Lama am Brandenburger Tor in Berlin vor Tausenden von Zuschauern. (AP)
Zum Abschluss seines Deutschlandbesuchs spricht der Dalai Lama am Brandenburger Tor in Berlin vor Tausenden von Zuschauern. (AP)

Der Dalai Lama hat zum Abschluss seines Besuchs in Deutschland zur Gewaltfreiheit aufgerufen. Nur im Dialog ließen sich Konflikte wie in Tibet lösen, sagte er vor rund 20.000 Menschen am Brandenburger Tor in Berlin.

Der Dalai Lama erklärte erneut, keine Loslösung von China anzustreben, sondern eine Autonomie für die tibetische Kultur, Religion und Sprache. Er betonte, Tibet brauche die materielle und wirtschaftliche Unterstützung Chinas. Umgekehrt könnten die Chinesen von dem kulturellen Erbe Tibets profitieren, dessen Religion und Sprache es in einer echten Autonomie zu bewahren gelte. Das Oberhaupt der Tibeter mahnte, religiöse Freiheit müsse in allen Teilen der Welt herrschen. Das 21. Jahrhundert solle zu einem Jahrhundert des Dialogs werden.

Wieczorek-Zeul sagt Dalai Lama Unterstützung zu


Zuvor war der Friedensnobelpreisträger mit Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul zusammengekommen. Die SPD-Politikerin versprach dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter Hilfe für Tibets Bestrebungen nach kultureller Autonomie.

Das Gespräch mit dem Dalai Lama sei "sehr gut" und "fruchtbar" gewesen, sagte Wieczorek-Zeul. Sie befürwortete die Bemühungen des Dalai Lamas, eine friedliche Lösung der Tibet-Frage zu suchen. "Die Welt braucht Persönlichkeiten, die den Gedanken von Frieden und Gerechtigkeit verkörpern und dafür einstehen", sagte Wieczorek-Zeul. Die SPD-Politikerin ist das einzige Regierungsmitglied, das sich mit dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter trifft.

Außerdem führte der Dalai Lama Gespräche mit Mitgliedern des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages und Vertretern von Grünen und FDP. Die chinesische Führung hatte gegen die Treffen protestiert.

Bei der Solidaritätskundgebung für das tibetische Volk am Brandenburger Tor kritisierte der Generalsekretär der Gesellschaft für bedrohte Völker, Tilman Zülch, die Politik des Dialogs mit der chinesischen Regierung. Das traurige Schicksal der Tibeter mit bis zu zwei Millionen Häftlingen dürfe nicht verschwiegen werde. In einer schriftlichen Grußbotschaft sicherte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) dem Dalai Lama die Unterstützung des Senates beim Streben der Tibeter nach größtmöglicher kultureller und religiöser Autonomie zu.

Wieczorek-Zeul war für ihr Treffen mit dem Dalai Lama in ihrer eigenen Partei kritisiert worden. Die SPD-Spitze erklärte den parteiinternen Streit jedoch am Montag für erledigt. "Ich habe den Eindruck, dass die SPD-interne Diskussion damit beendet ist", sagte Generalsekretär Hubertus Heil nach einer Präsidiumssitzung am Montag. Jeder habe das Recht, seine eigenen Termine zu machen, in Zukunft werde man sich jedoch besser abstimmen. SPD-Parteichef Kurt Beck und Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatten kritisiert, über das Vorgehen Wieczorek-Zeuls nicht rechtzeitig informiert gewesen zu sein.

Wieczorek-Zeul hatte ihr Treffen mit dem Dalai Lama mehrfach verteidigt und sich gegen Versuche gewehrt, den Termin parteipolitisch zu bewerten. Sie stehe als Ministerin für den Dialog mit allen Beteiligten, hatte Wieczorek-Zeul bereits am Sonntag im Deutschlandfunk gesagt. In dieser Verantwortung nehme sie das Gespräch auch wahr. Die SPD-Politikerin wies Vermutungen zurück, sie treffe das geistliche Oberhaupt der Tibeter im Auftrag von Bundeskanzlerin Merkel. Sie führe ihre Gespräche immer auf eigene Initiative, betonte sie. (Text / MP3-Audio)

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:29 Uhr