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"Danke Leipzig!"

Nachtflugurteil wird in Rhein-Main positiv aufgenommen

Von Ludger Fittkau

Ruhe kehrt ein in Rhein-Main (dpa / Boris Roessler)
Ruhe kehrt ein in Rhein-Main (dpa / Boris Roessler)

Um den Frankfurter Rhein-Main-Flughafen herrscht dank des Nachtflugverbots künftig Ruhe zwischen 23 und 5 Uhr. Lärmgeplagte Anwohner freuen sich auf besseren Schlaf - die Lufthansa rechnet dagegen Milliardenverluste durch das Wegfallen der Nachtflüge vor.

Sechs Stunden am Stück zwischen 23 Uhr abends und 5 Uhr morgens sollen künftig die Menschen in der Rhein-Main-Region schlafen können, ohne durch einen startenden oder landenden Jet gestört zu werden. Danke Leipzig – so überschrieben nicht nur die Grünen eine Pressemitteilung zur Bestätigung des Nachtflugverbotes durch das Bundesverwaltungsgericht in der sächsischen Metropole – sondern dankbar angesichts des Urteils zeigen sich auch viele Bürger in den Orten rund um den Flughafen Frankfurt am Main:

"Ich bin heilfroh, dass das durchgekommen ist. Denn selbst wir in Darmstadt-Arheiligen haben ja drunter zu leiden."

"Ich denke, es ist ein Kompromiss zwischen denen, die fliegen wollen und denen die schlafen wollen, machen wir auch."

"Für mich heißt das sehr viel, wollen wir hoffen dass, das eingehalten wird, weil ich direkt über dem Haus die Abflugschneise habe."

Hessens CDU-Ministerpräsident Volker Bouffier sichert zu, das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig umzusetzen:

"Es ist ein gutes Urteil für unser Land, für unsere Region und wir haben jetzt Rechtsklarheit und das ist das, was wir brauchten. Der entscheidende Streit drehte sich ja bei all diesen Revisionen und der Klagen der Städte und mancher Privatpersonen um die Frage, ob dieser Ausbau des Flughafens rechtmäßig war."

Das sei mit dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes bestätigt, so Bouffier. Weniger zufrieden als viele Bürger und der hessische Regierungschef zeigen sich die Vertreter der Wirtschaft am Frankfurter Flughafen. 40 Millionen Euro Verlust befürchtet die Lufthansa allein im Cargobereich durch das Nachflugverbot. Immerhin rund 50 Flüge seien durch das Leipziger Urteil zwischen 22 Uhr und 6 Uhr morgens, also in der sogenannten "Mediationsnacht" sowie den Nachtrandstunden nicht mehr möglich, beklagt der Lufthansa-Vorstandsvorsitzende Christopf Franz. Damit werde eines der größten Luftdrehkreuze Europas im internationalen Wettbewerb zurückfallen:

"Für Frankfurt bedeutet dieses Urteil, dass wir uns hier heute an einer Weichenstellung befinden, von der aus sich die Entwicklungslinien des Flughafens langsam in eine andere Richtung entwickeln als ohne eine derartige Einschränkung. Denn eine Milliardeninvestition, ein Produktionsmittel wie den Flughafen Frankfurt für ein Viertel des Tages vollständig stillzulegen, das gibt es an keinem anderen der Top-Ten-Flughäfen dieser Welt, zu denen Frankfurt immer noch gehört. Und wir müssen leider befürchten, dass sich diese Position von Frankfurt in einem Weltwachstumsmarkt langsam verschlechtern wird."

Der Lufthansa-Chef kündigt an, mit Mitarbeitern und Kunden darüber nachzudenken, ob der Konzern unter den neuen Rahmenbedingungen wirklich noch langfristig am Rhein-Main-Flughafen investieren kann. Bei aller Freude über die Nachtruhe werden in der Bevölkerung des Rhein-Main-Gebietes die möglichen ökonomischen Auswirkungen des Leipziger Nachtflugurteils durchaus auch mit Sorge betrachtet:

"Ich finde, man sollte beide Seiten sehen, es sind mit dem Flughafen unglaublich viele Arbeitsplätze verbunden und ja, dann ist die Frage, wie viel da wegfällt und wie attraktiv der Flughafen dann noch für die Logistik ist."

"Es geht hier um ganz andere Kapazitäten, nämlich um den einfachen guten Menschen, den vergisst man nämlich total."

"Das ist immer so ein Abwägen, ich bin froh, dass ich die Entscheidung nicht treffen muss."

Das haben nun die Leipziger Richter getan. Und wie es aussieht, will auch die Politik in der Region nicht mehr an dem Nachtflugverbot rütteln. So sehr das die Lufthansa und andere Airlines am Flughafen auch ärgert – das Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes hat das Zeug dazu, den größten politischen Dauerkonflikt im Rhein-Main-Gebiet zu entschärfen.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:50 Uhr

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