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Das Tor zur Hölle

Hassprediger Terry Jones und die christliche Gemeinde Köln

Von Brigitte Baetz

Terry Jones ruft zur Koranverbrennung auf
Terry Jones ruft zur Koranverbrennung auf

Der christliche Fundamentalist Terry Jones war 20 Jahre der Leiter einer Erweckungsbewegung in Köln und hetzte dort gegen den Islam. Jetzt geriet er in die Schlagzeilen, weil er am 11. September in Florida Korane verbrennen will.

"Wenn Du Teil dieser Kirche bist, kannst Du Deinen Job verlieren. Deine Kinder können Dir weggenommen werden."

Terry Jones liebte es schon als Leiter der "Christlichen Gemeinde Köln", die Welt in Gut und Böse aufzuteilen. Der deutsche Staat, der der Sekte die Steuerbefreiung verweigerte, war ein Teil dieses Bösen – und Terry Jones wurde nicht müde, es bevorzugt amerikanischen Medien mitzuteilen. Gemeinsam mit dem Superstar John Travolta, der für Scientology auftrat, war er sogar Zeuge bei einer Kongressanhörung in Washington, die sich mit der religiösen Toleranz in Europa beschäftigte.

Über 20 Jahre lang schaffte es der Mann aus Gainesville in Florida, eine Kölner Gemeinde von zeitweise bis zu 1000 Menschen in seinen Bann zu ziehen. Die sich selbst als charismatisch bezeichnende Sekte galt auch innerhalb der Vielzahl christlicher Erweckungsbewegungen als besonders extrem und schottete sich nach außen ab. Als Jones in den 80er-Jahren in die Stadt am Rhein kam, so will es die Gründungslegende, sah er in der Nähe des Doms ein Graffito mit dem Text: "This could be a place of historical importance". Dieser Platz von historischer Bedeutung war das sinnenfrohe Köln, laut Jones und seinen Anhängern das Tor zur Hölle.

Mit einer sehr amerikanischen Mischung aus charismatischer Frömmigkeit und der beständig geschürten Angst vor dem Teufel gelang es Jones, gemeinsam mit einer kleinen Gruppe anderer Amerikaner, Menschen aus den unterschiedlichsten Schichten dazu zu bringen, für Gotteslohn für ihn tätig zu werden. Sie gaben teilweise ihre Arbeit auf, um im Namen der Gemeinde Lebensmittel und Kleidung für Bedürftige zur Verfügung zu stellen - und Möbel einzusammeln, um sie dann auf Ebay zu versteigern.

Die Gläubigen wurden beständig geschäftig gehalten, Faulheit, so hieß es, sei die Versuchung des Teufels. Die Christliche Gemeinde wurde mit über 75.000 Versteigerungen pro Jahr, so die Eigenauskunft, zum Powerseller bei dem Online-Anbieter – reich aber nicht. Leere Kassen führten unter anderem dazu, dass sich die Gemeinde aus eigener Kraft von Terry Jones befreien konnte. Wo war das Geld geblieben?, fragte sie. Von Missbrauch, zumindest geistigem, war die Rede. Die Gemeinde unterzog sich einer Art Therapie.

Quasi über Nacht verschwanden Terry Jones und seine Frau 2008 aus Köln und gingen zurück in die USA, wo Jones nun wieder eine Gemeinde aufzubauen versucht – nun mit dem Feindbild Islam. Die Christliche Gemeinde Köln, die – stark geschrumpft und wesentlich gemäßigter auftretend – weiter existiert, distanziert sich heute von ihrem Gründer und seiner angekündigten Koranverbrennung. Die seelischen Verletzungen scheinen allerdings tief zu sein, Aussteiger waren bislang nicht bereit, vor Mikrofonen Auskunft zu geben.

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:37 Uhr