Der Hafen, die Schiffe und das Meer

Schwerpunkt: Wahlen in Hamburg, Teil 3

Von Verena Herb

In Hamburg ist Wirtschaft gleich Hafen und Hafen gleich Hamburg.  (AP)
In Hamburg ist Wirtschaft gleich Hafen und Hafen gleich Hamburg. (AP)

Der Hafen ist die wirtschaftliche Schlagader Hamburgs. Das Thema Hafenentwicklung steht daher ganz oben auf den Agenden der Parteien. Brisantester Aspekt dabei: Die Fahrrinnenanpassung.

Das Gelände der BUSS Group, Steinwerder, Hamburger Hafen. Ein Transporter prescht über den Asphalt zu den aufgestapelten Containern. Schutzhelm und grellgelbe Weste sind Pflicht, wenn man zwischen LKW und Maschinen den Weg zum Wasser sucht. Lars Nennhaus leitet das Terminal von BUSS – und führt den Besucher über das Betriebsgrundstück:

"Das ist die Wasserseite. Wo sich die Liegeplätze befinden und unsere Schiffe abfertigen. Also direkt die Kaikante."

Wenige Meter entfernt hat ein leuchtend rotes Containerschiff angelegt. Spezielle Kräne erfassen die Ladung und bringen die einzelnen Container zu den Sammelplätzen, wo sie auf die LKW verladen werden.

"Das ist einer unserer Hauptreeder. Containerships. Wöchentliche Anläufe. Das ist so ein Anderthalbtausend-TEU-Schiff."

Auch BUSS hat die Krise getroffen in den letzten zwei Jahren: Jetzt geht es zum Glück wieder aufwärts. Und anders als bei anderen mittelständischen Hafenbetrieben konnte das Traditionsunternehmen BUSS, was seit immerhin 90 Jahren besteht, die Verluste recht schnell kompensieren:

"Weil wir nicht nur Container haben, sondern auch Projektladungen, Massengüter, Ro-Ro-Verkehre."

Der Hafen ist maßgeblich für die Wirtschaftskraft der Hansestadt. Kein Wunder, dass er auch allen Parteien am Herzen liegt. Wer bei den Hamburger Bürgern mit wirtschaftspolitischer Kompetenz im Wahlkampf punkten will, kommt nicht umhin, sich mit dem Leben am Elbufer zwischen Hafencity und Finkenwerder auseinanderzusetzen.

"Als größter deutscher Universalhafen ist Hamburg auch nach der Krise einer der bedeutendsten Häfen weltweit. Das soll so bleiben. Und das soll sich noch weiter ausbauen. Und das ist das erklärte Ziel Hamburger Senatspolitik."

Erklärt denn auch Hamburgs Erster Bürgermeister Christoph Ahlhaus, CDU auf der Jahrespressekonferenz vom Hamburg Hafen Marketing. Eher selten spricht ein Bürgermeister bei dieser Veranstaltung, doch Ahlhaus nutzt jede Gelegenheit, gerade im Wahlkampf, um zu zeigen: Er setzt sich für das Wohl der Stadt und vor allem für den Hafen ein. Das zentrale Thema für die Wirtschaftlichkeit des Hamburger Hafens ist die Fahrrinnenanpassung. Stichwort: Elbvertiefung.

"Die Anpassung der Fahrrinne der Elbe ist für Hamburg eine Existenzfrage."

Weiß Wirtschaftssenator Ian Karan. Derzeit können Schiffe mit einem Tiefgang von bis zu maximal 13 Meter 50, je nach Tide, den Hamburger Hafen anfahren. Die großen Containerschiffe, die zwischenzeitlich vermehrt von den Reedereien eingesetzt werden, haben häufig aber einen Tiefgang von mindestens 14 Meter 50 und können die Hansestadt deshalb gar nicht oder nur teilweise beladen anfahren. Ein großer Wettbewerbsnachteil im Vergleich zu den Häfen Rotterdam und Antwerpen. Deshalb sind sich fast alle einig – Es gibt keine Alternative zur Anpassung der Fahrrinne. Olaf Scholz:

"Die Elbvertiefung muss kommen. Für die wirtschaftliche Zukunft des Hafens und der Stadt Hamburg. Übrigens auch Deutschlands. Denn der Hamburger Hafen hat eine nationale Bedeutung."

Ahlhaus: "Hafenpolitik hat nationale Bedeutung und ist damit auch eine nationale Aufgabe. In die sich, lassen sie mich das auch sehr deutlich sagen, der Bund stärker einbringen muss."

Und das tut er auch – zumindest hat Christoph Ahlhaus das nach seinem letzten Gespräch mit Bundesverkehrsminister Ramsauer verkündet. Der Bund gibt mehr Geld, und Ende des Jahres könne mit den Baggerarbeiten begonnen werden. Die Grünen freut das nicht. Doch längst haben sie sich damit abgefunden: In Hamburg ist Wirtschaft gleich Hafen und Hafen gleich Hamburg. Anders als im Wahlkampf vor drei Jahren versuchen sie nicht mehr, die Elbvertiefung zu verhindern. Anja Hajduk, Spitzenkandidatin der Grünen Alternativen Liste, GAL:

"Wir sind aus ökologischen Gründen nicht von der Elbvertiefung überzeugt, aber sagen sehr klar, und das war ja in der Koalition 2008 so, wir können nicht die Erwartungen wecken, ihn zu verhindern. Er ist auch vom Bund zugesichert."

Die Grünen sind nicht unbedingt die favorisierte Partei der Hafenarbeiter. Doch so richtig weiß man das auch nicht. Denn niemand will sich öffentlich äußern, zur Politik zumindest nicht. Doch ist es durchaus Thema bei der Belegschaft, die ja traditionell im Hafen stark gewerkschaftlich organisiert ist, sagt BUSS-Geschäftsführer Heinz Wasser:

"Der Hafen ist ja auch einer der wichtigsten Arbeitgeber in Hamburg. Und die Leute denken auch darüber nach, na, wer macht sich denn stark für den Hafen in der Politik."

Doch für meisten steht die Entscheidung wohl fest: Schwarz-Grün, das war's irgendwie nicht. Die SPD, die wird es jetzt richten.

"Wenn der Vorgesehene kommt, sind wir nicht schlecht bedient."

Übersicht zur Serie im Deutschlandfunk:

Vor der Bürgerschaftswahl in Hamburg

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:40 Uhr