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Der lange Schatten der Treuhand

Schulden statt Gewinne

Von Axel Flemming

Nach dem Mauerfall wurde die Trauhand gegründet. (AP)
Nach dem Mauerfall wurde die Trauhand gegründet. (AP)

Die Treuhandanstalt gehört bis heute zu den umstrittenen Kapiteln der deutschen Einheit. Vor 20 Jahren wurde sie gegründet, um die volkseigenen Betriebe der untergehenden DDR in die Privatisierung zu führen. Statt eines Gewinns hinterließ sie einen Schuldenberg.

Der Unterschied zwischen Erwartung und Realität macht 850 Milliarden D-Mark aus. 600 Milliarden sollten die mehr als 8000 volkseigenen Betriebe der DDR wert sein - über 250 Milliarden Verlust machte die Treuhand, als sie Ende Dezember 1994 wieder aufgelöst wurde. Anfangs, also zum Ende der DDR, erhofften sich nicht nur Bürgerrechtler, dass das volkseigene Vermögen dem Volk zurückgegeben werden könnte. Detlef Karsten Rohwedder, der erste Präsident der Treuhandanstalt sah das etwas anders, vermutlich auch etwas realistischer.

"Das Wesentliche ist, das volkseigene, staatseigene industrielle Vermögen der DDR, das heißt also die Kombinate, die VEBs zu privatisieren, wo eben möglich, zu sanieren, in Ordnung zu bringen, wo eben möglich, und stillzulegen oder zu liquidieren, wo unabweisbar."

Der Bestand von anfangs 8490 Unternehmen erhöhte sich durch Firmenentflechtungen auf über 12.000. Davon wurden fast 7000 privatisiert, 1500 reprivatisiert, 310 kommunalisiert und gut 3700 abgewickelt. Denn die westdeutschen Konzerne waren nicht geneigt, eine Konkurrenz aus dem Osten zuzulassen. Beispiel: die Textilindustrie in Forst und Spremberg.

"Es gab eine Konkurrenz-Ausschluss-Klausel. Das heißt, es konnte sich ein Unternehmen bei uns in der alten Textilfabrik gar nicht niederlassen, diese ehemalige Belegschaft musste ein neues Unternehmen gründen, weil die das einfach nicht durften und die durften nichts übernehmen von diesen modernen Maschinen, die durchaus in diesem alten Unternehmen noch da waren. Also damit zeigte sich bei uns in der Region ganz eindeutig, dass das nicht gerade ein glückliches Händchen im Agieren der Treuhand gewesen ist."

Die Landtagsabgeordnete der Linken Birgit Wöllert hat ihren Wahlkreis in Spremberg. Ihre Fraktionschefin Kerstin Kaiser geht noch einen Schritt weiter.

"In meiner sehr allgemeinen Bilanz ist das Wirken der Treuhand auch hinsichtlich der Wirtschaftsentwicklung in Brandenburg, einer selbst tragenden Entwicklung in diesem Land, ja auch der Weiterführung von wirtschaftlichen Strukturen, die durchaus wettbewerbsfähig gewesen wären, eher in der Bilanz negativ. Fest steht das Handeln der Treuhand war weder förderlich für die Übergabe von Volksvermögen an die Bevölkerung in den ostdeutschen Ländern, noch im Hinblick auf Wirtschaftsentwicklung irgendwie positiv."

Nicht nur im Nachhinein bemängeln Kritiker die schnelle Einführung der D-Mark. Einige sagen sogar, das gesamte Industriekapital der DDR wurde dadurch mit einem Schlag vernichtet. Saskia Ludwig, Partei- und Fraktionschefin der CDU in Brandenburg:

"Dass das Vermögen oder der Wert des Vermögens massiv überschätzt wurde, ist glaube ich eine Tatsache. Warum aber eine Bitterkeit übrig bleibt,und auch zurecht bei den Leuten, ist das Versuche der eigenen Belegschaft ihre Unternehmen zu halten, auch mit Kreativität und neuen Ideen, dass die nicht von der Treuhand unterstützt wurden."

Es gab keinen Plan für den Übergang von der Planwirtschaft in den realexistierenden Kapitalismus. Aber es gab Fehler bei der Treuhand, die zu schnell auf Privatisierung drängte, Käufer nicht kritisch untersuchte und das vorhandene Vermögen unter Wert weggab:

"Also ich kann keine konkreten Beispiele dort benennen, aber jedes Mal ist natürlich ein unangenehmer Beigeschmack geblieben, wenn bestimmte Unternehmen, die man als werthaltig betrachtet hat, für einen Euro veräußert wurden."

Was man inzwischen aber auch weiß: Statt der proklamierten zehntstärksten Wirtschaftsmacht der Welt war die DDR fast insolvent, ein Teil der maroden Betriebe glich eher einem Industriemuseum und für die Umwelt erwies sich das Dichtmachen der größten Dreckschleudern als wahrer Segen.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:38 Uhr

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