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Der letzte Wagner unter Wagner

"Parsifal" eröffnet die 97. Festspiele in Bayreuth

Wolfgang Wagner, in der Mitte Tochter Katharina und Ehefrau Gudrun vor der Eröffnung der Wagner-Festspiele 2007 in Bayreuth (AP)
Wolfgang Wagner, in der Mitte Tochter Katharina und Ehefrau Gudrun vor der Eröffnung der Wagner-Festspiele 2007 in Bayreuth (AP)

Zum letzten Mal werden heute die Bayreuther Richard-Wagner-Festspiele unter der Führung von Wolfgang Wagner eröffnet. Nach 59 Jahren an der Spitze des Opernspektakels endet die Ära des 88-Jährigen. Er hatte im April angekündigt, die Festspielleitung zum 31. August niederzulegen.

Seine 30-jährige Tochter Katharina Wagner aus seiner zweiten Ehe mit der verstorbenen Gudrun Wagner und deren 63 Jahre alte Halbschwester Eva Wagner-Pasquier aus Wagners erster Ehe werden voraussichtlich als Duo die Leitung der Festspiele übernehmen.

Um die Leitung hatte sich auch die Nichte Richard Wagners, Nike Wagner, beworben. Wenn man einen Wagner-Nachkommen wolle, dann habe sie bestimmte Eignungsnachweise, betonte sie im letzten Jahr, als die Kandidatur Katharina Wagners bekannt wurde.

Der britische Tenor Christopher Ventris als Parsifal, links, und der Südkoreaner Kwangchul Youn als Gurnemanz singen während einer Probe zur Oper "Parsifal" im Festspielhaus in Bayreuth. (AP)Der britische Tenor Christopher Ventris als Parsifal, links, und der Südkoreaner Kwangchul Youn als Gurnemanz singen während einer Probe zur Oper "Parsifal" im Festspielhaus in Bayreuth. (AP)Eröffnet werden die diesjährigen 97. Festspiele (MP3-Audio) mit der Neuinszenierung der Oper "Parsifal". Zur Premiere unter der Regie von Stefan Herheim werden wie jedes Jahr wieder zahlreiche Prominente auf dem Grünen Hügel erwartet, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundeswirtschaftsminister Michael Glos und der bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein, wie die Stadt Bayreuth mitteilte.

Wagners Enkel regelt seine Nachfolge

Wolfgang Wagner hatte bereits im April dieses Jahres seinen Rücktritt für Ende August angekündigt. Es sei an der Zeit, die Verantwortung für die Richard-Wagner-Festspiele abzugeben, schreibt der 88-Jährige in einem Brief an den Stiftungsrat.

Er begründete seine Entscheidung damit, dass sich für die Zukunft der Festspiele eine einvernehmliche Lösung abzeichne. Wagner hatte dem Stiftungsrat vorgeschlagen, seine Töchter Eva Wagner-Pasquier und Katharina sollten gemeinsam die Leitung übernehmen.

Der Stiftungsrat der Festspiele, eine Art Aufsichtsrat der Richard-Wagner-Stiftung, besteht aus Vertretern des Bundes, des Landes Bayern, der Familie Wagner sowie aus den Mäzenen "Gesellschaft der Freunde von Bayreuth" und weiteren Zuschussgebern.

Wolfgang Wagner, Enkel von Richard Wagner (AP)Wolfgang Wagner, Enkel von Richard Wagner (AP)

Der große, alte Herr der Festspiele

Der 88-jährige Wolfgang Wagner ist der Enkel des Komponisten und Festspielgründers Richard Wagner und leitet seit 1951, bis 1966 gemeinsam mit seinem Bruder Wieland Wagner, die Bayreuther Festspiele. Für Gastinszenierungen holte er bekannte Regisseure wie Patrice Chéreau, Götz Friedrich und Christoph Schlingensief auf den Grünen Hügel. Unter seiner Leitung entstanden rund 1600 Aufführungen im Festspielhaus, davon 12 in eigener Regie.

Der Stiftungssatzung zufolge begann im April eine viermonatige Frist, in der nicht nur die Nachkommen Richard Wagners ihre Bewerbung um die Festspielleitung einreichen können. Bayerns Kunstminister Thomas Goppel erwartete eine Entscheidung über die neue Festspielleitung bis zum Herbst.

Der Musikexperte Wolf-Dieter Peter nannte die Fortsetzung der Familiendynastie ein "unschätzbares Markenzeichen für die Weltgeltung" und sagte im Radiofeuilleton von Deutschlandradio Kultur: "Diese Frist läuft bis Ende August. Das ist auch das Ende der kommenden Festspiele. Man kann sich also vorstellen, der dann 89-jährige Wolfgang Wagner wird mit Brimborium und Tamtam und Wagner-Fanfaren ehrenvoll verabschiedet."

Hören Sie dazu das ganze Gespräch (MP3-Audio) mit dem Musikexperten Wolf-Dieter Peter.

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:30 Uhr