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Designerdrogen weiter auf dem Vormarsch

Diesjähriger Drogenbericht warnt vor Höhenflug neuartiger Substanzen

Päckchen der Modedroge "Spice", die seit vier Jahren hierzulande verboten ist. (AP)
Päckchen der Modedroge "Spice", die seit vier Jahren hierzulande verboten ist. (AP)

Jugendliche greifen immer seltener zu Kippe, Joint und Flasche, Designerdrogen sind jedoch bei vielen jungen Leuten gefragt. Das ist das Fazit des aktuellen Drogen- und Suchtberichts, den die Bundesdrogenbeauftragte Mechthild Dyckmans (FDP) heute in Berlin vorstellte. Außerdem gibt es so wenig Drogentote wie seit 1988 nicht.

Während die Zahl der Drogentoten im Jahr 2012 um vier Prozent auf 944 und damit auf den tiefsten Stand seit einem Vierteljahrhundert sank, setzt sich der Trend der letzten Jahre fort: Neuartige Designerdrogen stehen besonders bei jungen Leuten hoch im Kurs. Dafür greifen Minderjährige und junge Erwachsene immer seltener zu leichten Drogen wie Zigaretten, Cannabis oder Alkohol.

Der Anteil der Raucher unter Jugendlichen hat sich seit 2001 von 27,5 Prozent auf 11,7 Prozent mehr als halbiert. Problematisch bleibt hingegen das absichtliche Rauschtrinken ("Komasaufen") vorwiegend unter männlichen Jugendlichen. Mittlerweile konsumieren lediglich noch 14,2 Prozent der 12- bis 17-Jährigen regelmäßig Alkohol, 2001 waren es noch 17,9 Prozent. Im gleichen Zeitraum sank auch der Anteil der jugendlichen Cannabis-Raucher von 9,2 auf 4,6 Prozent. Dyckmans führte die Zahlen auf "gute Präventionsangebote und ein sehr gutes Suchthilfesystem" zurück.

Dyckmans: Riskanter Drogengenuss in allen Altersgruppen

Eine Zigarette glimmt in einem Aschenbecher. (AP)Nach wie vor raucht fast jeder dritte Deutsche. (AP)Die Bundesdrogenbeauftragte stellte klar, der Konsum leichter Drogen sei keineswegs auf Jugendliche beschränkt, sondern finde sich in allen Altersgruppen. Übermäßiger Alkoholgenuss dominiere dabei in der Gruppe der 18- bis 29-Jährigen. Aber: "Rauschtrinken wird in allen Schichten betrieben", sagte Dyckmans, "unabhängig von Bildung".

Auch der Tabakkonsum Erwachsener sei nach wie vor hoch. Fast drei von zehn Bürgern zwischen 18 und 79 Jahren rauchten, Männer (32,6 Prozent) dabei etwas häufiger als Frauen (27 Prozent). Etwa ein Viertel dieser Gruppe greife sogar täglich zum Glimmstengel, weshalb sich Dyckmans erneut dafür aussprach, Außenwerbung für Zigaretten generell zu verbieten.

Ferner wies die Drogenbeauftragte darauf hin, Computerspiel- und Internetabhängigkeit stellten eine ernstzunehmende Sucht dar, von der ersten Schätzung zufolge hierzulande rund 560.000 Menschen betroffen seien. Derzeit laufen Forschungsstudien zur Anerkennung der Phänomene als Krankheit.

Nach wie vor sind mehr Menschen von den Gesundheitsrisiken legaler Suchtmittel wie Alkohol und Tabak betroffen als von jenen illegaler. Die Polizei registrierte 2012 genau 19.559 Konsumenten harter Drogen – acht Prozent weniger als im Vorjahr. Allerdings stieg die Zahl der im gleichen Zeitraum erwischten Erstkonsumenten von "Crystal", einem kristallinen Amphetamin, auf 2556 und damit mehr als bei Heroin. Erhebungen des BKA zufolge tritt die Droge vor allem im Grenzgebiet zu Tschechien auf.

Bundeskabinett nimmt psychoaktive Substanzen ins Visier

Im Vorfeld der Präsentation des Drogenberichts hatte SPD-Drogenexpertin Angelika Graf an die Bundesregierung appelliert, härter gegen die explodierende Zahl neuer psychoaktiver Substanzen vorzugehen. Auch BKA-Präsident Jörg Ziercke sprach bereits im letzten Monat von steigenden Umsatzzahlen auf dem Markt für Designerdrogen.

Unlängst hatte das Bundeskabinett ein Verbot von 26 psychoaktiven Substanzen auf den Weg gebracht, die als Kräutermischungen, Badesalz oder Duftkissen deklariert und vorwiegend über das Internet vertrieben werden. Damit es in Kraft tritt, muss der Bundesrat noch zustimmen.

Verbote hinken chemischen Abwandlungen hinterher

Da die Designerdrogen, die häufig wohlklingende Namen wie "Extreme Summer", "Fly Cherry" oder "Manga XXL" tragen, bisher seitens der Produzenten regelmäßig chemisch variiert wurden, Verbote sich aber nur gegen spezifische chemische Stoffe richten, hinken die Behörden dem Drogenmarkt immer einen Schritt hinterher. Vor vier Jahren brachte das Verbot der Modedroge "Spice" die Szene erstmals in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Inzwischen bieten einschlägige Online-Shops zahlreiche Nachfolger-Produkte in buntbedruckten Tütchen an.

Laut des aktuellen Jahresberichts der Europäischen Drogenbeobachtungsstelle in Lissabon wird Europa von neuartigen Designerdrogen regelrecht überflutet: 73 solcher Substanzen entdeckten die EU-Länder 2012. Obwohl der Vertrieb zunächst oft legal sei, berge der Konsum Risiken: Die Substanzen seien in der Regel wenig erforscht. Für den Siegeszug der Designerdrogen machen die EU-Beobachter in ihrem Bericht die Globalisierung nebst der Online-Vertriebswege verantwortlich. "Es handelt sich um einen schnell wachsenden Markt mit niedrigen Risiken und hohen Profiten, an dem das organisierte Verbrechen beteiligt ist", so Europol-Direktor Rob Wainwright.

Weitere Informationen:

Auflistung einzelner Designerdrogen

Strategiepapier zur Drogen- und Suchtpolitik der Bundesdrogenbeauftragten

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:12 Uhr

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