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Zwischen Palästina-Solidarität und Antizionismus – Israel, die DDR und die deutsche Linke

Das Verhältnis zu Israel ist seit Jahrzehnten eines der schwierigsten und heikelsten Themen im linken politischen Spektrum Deutschlands. Bei einer Diskussion am 13. März, 15.00 Uhr, im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig, ging es um die Frage, welche Beziehungen zwischen Israel, der DDR und der deutschen Linken bestanden. Sie wurde auch in unserem Ereignisstream "Dokumente und Debatten" übertragen.

Es diskutierten:

Fawas Abu Sitta, Wirtschaftswissenschaftler, Berlin

Angelika Timm, Leiterin des Regionalbüros der Rosa-Luxemburg-Stiftung Tel Aviv (2009-2015)

Frank Stern, Historiker, Universität Wien

Konrad Weiß, Publizist, Berlin

Moderation: Winfried Sträter, Deutschlandfunk Kultur, Berlin

In der westdeutschen Bundesrepublik war die Unterstützung Israels zunächst fester Bestandteil linksbürgerlichen Engagements, als Konsequenz aus dem Holocaust und als Kampf gegen den immer noch verbreiteten Antisemitismus. Mit der Entstehung der Neuen Linken Ende der 60er Jahre änderte sich das: Solidarität mit den Palästinensern wurde zu einem Leitmotiv, Antizionismus eine starke linke Strömung – Israel rückte auf die Anklagebank wegen seines Umgangs mit den Palästinensern. In Teilen der radikalen Linken vermischten sich Antizionismus mit Antisemitismus.

Die offizielle Politik der DDR entsprach dem antizionistischen Grundmuster, das auch vom Kalten Krieg geprägt wurde: Freundschaft mit den arabischen Staaten, ablehnende Haltung zur Politik Israels als Verbündeten der USA. Aufgrund ihres Selbstverständnisses als antifaschistischer Staat sah die politische Führung der DDR keine Mitverantwortung und Mithaftung ihres Staates für den Holocaust.

Der Kalte Krieg und die DDR sind Geschichte – die Prägungen aber sind geblieben. Zionismus, der zuweilen Züge eines Antisemitismus annimmt, ist in linken Milieus bis heute verbreitet. Vor diesem Hintergrund soll das Verhältnis der deutschen Linken zu Israel in Geschichte und Gegenwart diskutiert werden.

Im Kern geht es um das moralische Dilemma, das von Deutschen nicht ignoriert werden kann: Die Existenz – und damit das Existenzrecht – des Staates Israel ist eine Konsequenz des Holocaust; das bedeutet zugleich Mitverantwortung für das Schicksal der Palästinenser in ihrer angestammten Heimat.

Diese doppelte Verantwortung ist eine Herausforderung für alle politischen Lager in Deutschland, nicht zuletzt für das Spektrum von Linken und Bürgerrechtlern. Die DDR hat sich ebenso wie ein Teil der radikalen Linken in Westdeutschland dieser Herausforderung nicht gestellt, indem lediglich Solidarität mit den Palästinensern bekundet wurde. Heute stellt sich die Frage: Welche Lehren werden daraus gezogen?

Sendung des Mitschnitts:
Deutschlandfunk Kultur: 25. März 2015 ab 19.07 Uhr in den Zeitfragen