Deutsche Banken sollen ihr Testament schreiben

Finanzaufsicht definiert systemrelevante Geldhäuser

Bafin-Chefin Elke König hält 36 deutsche Banken für systemrelevant (picture alliance / dpa /Oliver Berg)
Bafin-Chefin Elke König hält 36 deutsche Banken für systemrelevant (picture alliance / dpa /Oliver Berg)

Ihr Zusammenbruch gilt als Gefahr für das gesamte Finanzsystem: Mehr als ein Dutzend Banken in Deutschland sollen ein Konzept erarbeiten, wie sie im Falle einer Pleite abgewickelt werden können. Im Notfall muss aber auch der Steuerzahler einspringen.

Die Finanzaufsicht Bafin will 36 deutsche Banken in Zukunft schärfer beobachten. Das geht aus einer Antwort des Bundesfinanzministeriums an den Grünen-Bundestagsabgeordneten Gerhard Schick hervor, aus der zunächst die "Süddeutsche Zeitung" zitierte. Die Institute gelten als systemrelevant und könnten im Falle einer Pleite hierzulande den kompletten Finanzsektor beeinträchtigen.

Banken sollen ihr Testament schreiben

Um diese Gefahr zu begrenzen, gelten besonders harte Auflagen. So müssen einzelne Banken bis Ende 2013 bei der Behörde einen Plan vorlegen, wie sie im Fall einer Schieflage möglichst aus eigener Kraft saniert werden können. Auf dieser Basis will die Aufsicht ein sogenanntes Testament erstellen, in dem die Abwicklung im Krisenfall festgeschrieben wird.

Den Bericht der "Süddeutschen Zeitung", dem zufolge alle 36 als systemrelevant eingestuften Banken auch einen Abwicklungsplan vorlegen müssen, wies die Bafin zurück. Es handele sich um ein gutes Dutzend Institute, berichtet unsere Frankfurter Korrespondentin Brigitte Scholtes.

Bafin sieht sich als Vorreiter unter den Finanzaufsichten

Die Namen der 36 systemrelevanten Banken veröffentlichte die Bafin nicht. So soll verhindert werden, dass Spekulanten diese Informationen für ihre Geschäfte nutzen. Als sicher gilt, dass die Deutsche Bank, die Commerzbank, die HypoVereinsbank, das genossenschaftliche Spitzeninstitut DZ Bank sowie die großen Landesbanken auf der Liste stehen. Die Deutsche Bank, die in den letzten Tagen wegen ihrer zweifelhaften Geschäfte mit CO2-Emissionszertifikaten in die Schlagzeilen geraten war, gilt auch international als systemrelevant.

Mit der Forderung nach einem solchen Notfallkatalog sieht sich die Bafin als Vorreiter unter den nationalen Aufsichtsbehörden in Europa. In den USA hatten neun Großbanken auf Anweisung der dortigen Behörden im Juli solche Testamente ausgearbeitet - auch die Deutsche Bank musste sich Gedanken machen, wie sie im Falle eigenen Versagens möglichst schnell und schonend abgewickelt werden könnte.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:03 Uhr