Deutsche Fregatte soll US-Kriegsschiffe schützen

Die "Hamburg" und der US-Flugzeugträgerverband

Von Marcus Pindur

Die Fregatte "Hamburg" (AP Archiv)
Die Fregatte "Hamburg" (AP Archiv)

Sie ist schnell, verfügt über ein starkes Radarsystem und kann unterschiedliche Ziele bekämpfen: Die Fregatte "Hamburg" ist ein echtes Allroundtalent und seit Kurzem sogar in den US-Flugzeugträgerverband USS Truman integriert.

Obermaat Steven Haag führt durch den Maschinenraum der Fregatte Hamburg. Die beiden 10-Zylinder-Diesel bringen je 10.000 PS auf die Welle, die zuschaltbare Gasturbine noch mal 30.000 PS. Ein schnelles Schiff, bis zu 30 Knoten. Im Vergleich zu den amerikanischen Schiffen im Flugzeugträgerverband verbraucht die Hamburg jedoch extrem wenig Sprit – wie Fregattenkapitän Ralph Kuchler nicht ganz ohne Schmunzeln feststellt.

"Das was die Amerikaner besonders beeindruckt, ist: Die amerikanischen Schiffe gehen alle vier Tage an den Tanker und nehmen Kraftstoffmengen, die sich ungefähr im zwei- bis dreifachen dessen bewegen, was die Fregatte Hamburg verbraucht."

Doch das ist nicht der Grund, warum die Hamburg an gemeinsamen Manövern mit amerikanischen Flugzeugträgerverbänden teilnimmt. Sie kann viele unterschiedliche Ziele bekämpfen, feindliche Flugzeuge ebenso wie Raketen, sie verfügt über ein starkes Radarsystem und sie kann die Luftabwehr für den gesamten Verband koordinieren.

"Das macht uns besonders attraktiv für die Amerikaner, die Klasse F 124, und die Hamburg gehört dazu, ist spezialisiert auf Verbandsluftverteidigung. Wir verfügen über ein Überwachungsradar das in der Lage ist, ein Luftlagebild mit einem Radius von ungefähr 400 Kilometern bereitzustellen. Und wir verfügen über zahlreiche Waffensysteme, die uns in die Lage versetzen, Bedrohungen aus der Luft abgestuft, also in verschiedenen Abständen zum Schiff hin zu begegnen."

Es ist das erste Mal, dass ein Schiff der deutschen Marine so eng in einen amerikanischen Flugzeugträgerverband integriert wurde. Es könnte durchaus sein, dass dies in Zukunft öfter passiert – der Etat der amerikanischen Marine wird aufgrund der angespannten Haushaltssituation sinken. Und da liegt es nahe, Unterstützung der Verbündeten zu suchen.

Es ist heiß und laut auf dem Deck des Flugzeugträgers Harry S. Truman, pro Minute startet ein Jet. Von der Brücke aus wird die Übung beobachtet.

Kommandant des Flugzeugträgerverbandes ist Kevin Sweeney. Die Zusammenarbeit mit der deutschen Marine sei zwar in NATO-Verbänden selbstverständlich, aber in einem rein amerikanischen Flugzeugträgerverband eher ungewöhnlich. Die "Hamburg" bringe Fähigkeiten mit, die genau in einen Flugzeugträgerverband passten, so Konteradmiral Sweeney.

"Die Hamburg ist eine schnelle Fregatte, sie ist eine Luftabwehrplattform. Sie haben ein sehr effektives Radar, mit dem sie Flugzeuge und Raketen entdecken können. Und sie haben die SM2 Rakete zur Abwehr. Das ist eine sehr gute Plattform, ähnlich unseren Zerstörern der Aegis-Klasse."

Wichtiger als die Technologie sei aber die stete Zusammenarbeit, die Routine im Umgang schaffe und Vertrauen stifte. Wird es nach seiner Einschätzung weitere Einsätze mit deutschen Schiffen in amerikanischen Flugzeugträgerverbänden geben?

"Oh, das hoffe ich doch. Ich weiß jetzt nicht im Einzelnen, wie sich die Dinge auf der deutschen Seite entwickeln, aber wir begrüßen das. Ich hoffe, dass die Deutschen weiter dabei sind, und ich bin auch sicher, dass Sie´s sein werden."

Auch der Historiker Bernard Cole von der National Defense University in Washington, D.C. hält es für wahrscheinlich, dass in Zukunft multi-nationale Marineverbände die Regel, nicht die Ausnahme sein werden.

"Ich glaube in Zukunft werden wir uns mehr und mehr auf unsere Verbündeten verlassen müssen. Vielleicht sogar nicht nur auf Begleitschiffe, sondern auch in Form von britischen oder französischen Flugzeugträgern. Die Quintessenz ist: Die USA werden immer mehr das Bedürfnis haben, mit den Marinestreitkräften der Verbündeten zusammenzuarbeiten."

Dabei geht es nicht nur um effiziente Kooperation bei den technischen Abläufen, es geht im Kern um Bündnisfähigkeit, so Fregattenkommandant Kuchler:

"Der Einsatz der Hamburg jetzt zeigt, die deutsche Marine ist darauf vorbereitet. Die Art und Weise, mit der wir jetzt entsandt wurden aus Deutschland, und die Vorbereitungen, die für dieses Schiff getroffen wurden, zeigen ganz deutlich erstens das Interesse auch Deutschlands, dort einen Beitrag zu leisten und es unterstreicht auch die Fähigkeit Deutschlands, in so einem Verband einen sichtbaren Beitrag zu leisten."

Die "Hamburg" wird zunächst die Straße von Gibraltar durchqueren, dann den Suezkanal und dann in den Persischen Golf einlaufen. Ein Krisengebiet. Nicht unproblematisch, weil der Konflikt mit dem Iran über sein Atomwaffenprogramm sich in den nächsten Monaten auch militärisch zuspitzen könnte.

An einem Angriff auf den Iran würde sich die "Hamburg" nicht beteiligen, dazu bedürfe es eines Bundestagsmandates, so Fregattenkapitän Kuchler.

"Die Frage, ob sich die Fregatte Hamburg an bewaffneten Konflikten der Amerikaner beteiligt, die stellt sich überhaupt nicht, denn mit diesem Auftrag ist das Schiff nicht entsandt worden. Und sollte es dazu kommen, dann wird dieses Schiff entweder aus dem Verband herausgelöst werden, oder aber es kommt in Deutschland zu einer politischen Befassung, die zu einem Mandat führt und letztlich dazu, dass das Schiff im Verband bleibt. Aber nach derzeitigem Stand stell sich diese Frage nicht."

Die Frage könnte sich allerdings schneller stellen, als der Bundestag sich damit befassen kann. Denn: Würde die "Hamburg" im Persischen Golf angegriffen, etwa von iranischen Schnellbooten oder Kurzstreckenraketen, dann dürfte sie sich auch verteidigen. Und das, so bestätigt es auch Kapitän Kuchler, schließt die Verteidigung der Schiffe des Bündnispartners USA selbstverständlich mit ein.

Marcus Pindur (Deutschlandradio - Bettina Straub)Marcus Pindur (Deutschlandradio - Bettina Straub)Marcus Pindur ist Deutschlandradio-Korrespondent in Washington DC.
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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:06 Uhr