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Deutscher Buchpreis für Ursula Krechel

Roman über das Verdrängen und Vergessen in den frühen Jahren der Bundesrepublik

Die Schriftstellerin Ursula Krechel (picture alliance / dpa / Uwe Zucchi)
Die Schriftstellerin Ursula Krechel (picture alliance / dpa / Uwe Zucchi)

Ursula Krechel ist für ihren Roman "Landgericht" mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet worden. Die 1947 in Trier geborene Schriftstellerin setzte sich mit einer Mischung aus Fiktion und Dokumentation gegen fünf männliche Mitstreiter durch.

Sie war die einzige Frau unter den sechs Favoriten der Endrunde. Ursula Krechels Roman "Landgericht" spielt in den Gründungsjahren der Bundesrepublik. Der jüdische Richter Kornitzer, der von den Nazis flüchten musste, kehrt zurück in ein Land, das so schnell wie möglich in die Normalität zurückfinden will und in dem er erneut nicht erwünscht ist. Er trifft auf Gleichgültigkeit und Abwehr und lehnt sich auf.

Schon in ihrem ersten Roman "Shanghai fern von wo" hat Krechel das Sujet des Exils aufgegriffen. Es sei ihrer Ansicht nach ein "Menschheitsthema", sagte sie im Deutschlandradio Kultur. Sie interessiere sich für die "Härte des Ausgestoßenseins".

Der Deutsche Buchpreis wird seit 2005 vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels vergeben. Er kürt "den besten Roman in deutscher Sprache". Verlage aus Deutschland, Österreich und der Schweiz dürfen Titel einreichen. Eine siebenköpfige Jury, deren Besetzung jährlich wechselt, wählt zunächst 20 Titel für die Longlist aus. Später wird die Auswahl auf eine Shortlist von sechs Titeln verkürzt. Der Gewinner erhält 25.000 Euro, die anderen fünf Finalisten bekommen jeweils 2500 Euro. Traditionell findet die Preisverleihung am Vorabend der Eröffnung der Buchmesse im Kaisersaal des Frankfurter Römers statt.

Auf der Shortlist standen in diesem Jahr neben Krechel auch:

"Robinsons blaues Haus" von Ernst Augustin,
"Sand" von Wolfgang Herrndorf,
"Indigo" von Clemens J. Setz,
"Fliehkräfte" von Stephan Thome sowie
"Nichts Weißes" von Ulf Erdmann Ziegler.

Die Jury bestand in diesem Jahr aus Andreas Isenschmid ("Neue Zürcher Zeitung am Sonntag"), Dirk Knipphals ("die tageszeitung"), Stephan Lohr (NDR), den freien Kritikern Jutta Person und Oliver Jungen, der Lektorin Christiane Schmidt sowie der Buchhändlerin Silke Grundmann-Schleicher.

Der Deutsche Buchpreis gilt als stark verkaufsfördernd. So war Eugen Ruge 2011 für seine DDR-Familiensaga "In Zeiten des abnehmenden Lichts" ausgezeichnet worden - danach stand der Roman monatelang auf den Bestsellerlisten. Weitere Gewinner der Auszeichnung waren:

2010: Melinda Nadj Abonji mit "Tauben fliegen auf"
2009: Kathrin Schmidt mit "Du stirbst nicht"
2008: Uwe Tellkamp mit "Der Turm"
2007: Julia Franck mit "Die Mittagsfrau"
2006: Katharina Hacker mit "Die Habenichtse"
2005: Arno Geiger mit "Es geht uns gut"

Weitere Informationen auf Deutschlandradio.de:

Ursula Krechel: "Landgericht"

Deutscher Buchpreis hilft "in erster Linie dem Buchhandel"
Literaturkritiker Steinert über Sinn und Unsinn des Long- und Shortlist-Prinzips



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"Das Exil ist ein Menschheitsthema"

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:59 Uhr