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Deutscher Turner holt sensationell Silber

Münchner Marcel Nguyen wird Zweiter im Mehrkampf - erste Medaille seit 1936

Marcel Nguyen holt Silber im Mehrkampf (picture alliance / dpa/Friso Gentsch)
Marcel Nguyen holt Silber im Mehrkampf (picture alliance / dpa/Friso Gentsch)

Über 75 Jahre war es her, dass ein deutscher Turner eine Medaille im Mehrkampf gewonnen hatte - die Silbermedaille für Marcel Nguyen gleicht daher einer kleinen Sensation. Außerdem gab es am fünften Wettkampftag Gold für den deutschen Ruder-Achter sowie fünf weitere Medaillen aus Silber und Bronze.

Der Münchner Marcel Nguyen hat im Mehrkampf der Turner sensationell die Silbermedaille gewonnen. Der 24 Jahre alte Barren-Europameister sammelte 91.031 Punkte. Olympiasieger wurde der Japaner Kohei Uchimura (92.690). Bronze ging an den Amerikaner Danell Leyva (90.432). Marcel Nguyen errang die erste deutsche Mehrkampf-Medaille seit 1936.

Deutschland-Achter schafft ersten Olympiasieg seit 1988

Um 13.30 Uhr hatte das Flagschiff des Deutschen Ruderverbandes vor 25.000 Zuschauern auf dem Dorney Lake zunächst seine Erfolgsserie fortgesetzt: ungeschlagen in 35 Rennen, zuletzt dreimal hintereinander Weltmeister, folgte am Mittwoch nun auch der Olympiasieg für den Deutschland-Achter.

Beim Finale über die 2000-Meter-Distanz kontrollierte der von Ralf Holtmeyer trainierte Achter die ganze Zeit über das Rennen. Auf den letzten 500 Metern zog das deutsche Boot uneinholbar davon und hatte im Ziel eine halbe Länge Vorsprung auf Kanada, den Olympiasieger von Peking. Dahinter kam das britische Team auf Platz drei.

Völlig ausgepumpt schafften es die deutschen Ruderer so gerade noch, die Arme zum Jubeln hochzureißen. Für Schlagmann Kristof Wilke und Florian Mennigen war es nach Peking 2008 die zweite Olympia-Teilnahme. Erstmals bei olympischen Spielen waren Filip Adamski, Andreas Kuffner, Eric Johannesen, Maximilian Reinelt, Richard Schmidt und Lukas Müller dabei.

Für Holtmeyer war es ein besonderer Triumph, denn der 56-Jährige war bereits 1988 in Seoul Trainer des Gold-Achters gewesen. Nach der Niederlage in Peking 2008, als der Deutschland-Achter nach internen Streitigkeiten und kurzfristigen Umbesetzungen Letzter wurde, übernahm Holtmeyer wieder das Kommando - und die Siegesserie begann.

Silber für Doppelvierer der Frauen

Kurz vor dem Sieg der Männer waren die deutschen Ruder-Frauen schon erfolgreich gewesen und hatten Silber gewonnen. Dabei musste sich der Doppelvierer nur dem favorisierten Boot aus der Ukraine geschlagen geben, Bronze gewannen die USA.

Das Weltmeisterboot mit Julia Richter, Carina Bär, Annekatrin Thiele und Britta Oppelt hängte die Amerikanerinnen mit einem energischen Schlussspurt noch deutlich ab. Die Ukrainerinnen, die in dieser Saison zumeist sogar deutlich gewonnen hatten, lagen von Beginn an vorn und waren zu stark. Bei den Olympischen Spielen in Peking 2008 hatte der deutsche Frauen-Doppelvierer den dritten Platz belegt.

Nur knapp geschlagen: Zeitfahrspezialist Tony Martin (picture alliance / dpa - Christophe Karaba)Nur knapp geschlagen: Zeitfahrspezialist Tony Martin (picture alliance / dpa - Christophe Karaba)

Deutschland holt im Medaillenspiegel auf

Grund zur Freude hatten die deutschen Athleten heute aber nicht nur auf dem Wasser, sondern auch auf dem Rad. Beim Einzelzeitfahren der Frauen über 29 Kilometer sicherte sich die amtierende Weltmeisterin Judith Arndt hinter Kristin Armstrong aus den USA die Silbermedaille.

Kurz darauf fuhr auch Tony Martin im Zeitfahren der Männer über 44 Kilometer auf den zweiten Platz - wie Arndt war auch Martin als amtierender Weltmeister ins Rennen gegangen. Olympiasieger wurde der Brite Bradley Wiggins, der vor kurzem als erster Brite die Tour de France gewonnen hatte. Bronze holte sich Christopher Froome, ebenfalls Großbritannien.

Kerstin Thiele (re.) sorgt für Überraschungserfolg im Judo (picture alliance / dpa - Michael Kappeler)Kerstin Thiele (re.) sorgt für Überraschungserfolg im Judo (picture alliance / dpa - Michael Kappeler)

Überraschung im Judo

Für eine faustdicke Überraschung sorgte die 25-Jährige Kerstin Thiele. In der Gewichtsklasse bis 70 Kilogramm schaffte es die Judoka aus Leipzig bis ins Finale. Dort musste sie sich der französischen Weltmeisterin Lucie Decosse beugen und verpasste nur knapp den zweiten Olympiasieg einer deutschen Judoka nach Yvonne Bönisch 2004 in Athen. Auf dem Weg in den Endkampf hatte Thiele Chinas Jungstar Chen Fei, die niederländische Mitfavoritin Edith Bosch sowie die zweimalige Vize-Weltmeisterin Anett Meszaros aus Ungarn ausgeschaltet.

Für die vorerst letzte Medaille am fünften Wettkampftag sorgte der Kanute Hannes Aigner. Im Wildwasser-Kanal von White Water kam Aigner im Einer-Kajak auf den dritten Platz und sicherte den Slalom-Spezialisten damit bereits die zweite Medaille, nachdem Seridis Tasiadis am Dienstag bereits Silber im Einer-Canadier geholt hatte.

"Das wird die Stimmung in der deutschen Mannschaft noch weiter anfeuern - so weit das möglich ist. Das ist ein positives Signal an die anderen", sagte DOSB-Präsident Thomas Bach.


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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:56 Uhr