Deutschland - Einwanderungsland

Gut Qualifizierte aus EU-Ländern zieht es in die Bundesrepublik

Deutschland hat sich längst zu einem Einwanderungsland entwickelt. (dpa / Armin Weigel)
Deutschland hat sich längst zu einem Einwanderungsland entwickelt. (dpa / Armin Weigel)

Sie sind jung, besser qualifiziert als der bundesdeutsche Durchschnitt und kommen zu zwei Dritteln aus einem EU-Land: So sieht das Profil der neuen Einwanderer aus. Ein Sachverständigenrat sieht aber weiter Integrationshemmnisse für die Immigranten in Deutschland.

Der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR), getragen von verschiedenen privaten Stiftungen, fordert einen Nationalen Aktionsplan Migration. Bislang würden Fragen der Migration "weitgehend unverbunden nebeneinander diskutiert", so die Vorsitzende des Rates, Christine Langenfeld. Es sei Zeit für eine Integrationspolitik "aus einem Guss". Die Bundesrepublik solle einheitliche Mechanismen entwickeln, um zuverlässig den eigenen Bedarf an Zuwanderern einzuschätzen. Als demografisch alterndes Land brauche Deutschland in Zukunft Fachkräfte aus anderen Ländern. Auch der Flüchtlingsschutz dürfe nicht zu kurz kommen.

Deutschland profitiert von Freizügigkeit

Ausländische Mitbürger holen auf der Ausländerbehörde in Stuttgart Rechtsauskünfte ein. (AP)Der SVR fordert Vereinfachungen für Einwanderer (AP)Das Jahresgutachten des SVR, das heute in Berlin Bundespräsident Joachim Gauck überreicht wurde, macht deutlich: Die Bundesrepublik profitiert von der Freizügigkeit in der EU. Fast zwei Drittel der Zuwanderer, die nach Deutschland zögen, stammten aus einem EU-Mitgliedstaat. Sei seien durchschnittlich jünger und besser ausgebildet als die Mehrheitsbevölkerung in Deutschland. "Deutschland muss aktiv einen Imagewandel vorantreiben, der eine Offenheit für Zuwanderung signalisiert", so Langenfeld. Dass Deutschland sich unzweifelhaft zu einem Einwanderungsland entwickelt hat, belegen die Zahlen des SVR: Insgesamt kamen 400.000 Menschen mehr nach Deutschland, als auswanderten.

Das Jahresgutachten des SVR befragte ebenfalls die deutsche Bevölkerung nach ihrer Haltung zur Einwanderung. Insgesamt sei ein hohes Maß auch an "sozialer Solidarität" feststellbar. Eine deutliche Mehrheit befürworte staatliche Leistungen für Einwanderer, wenn sie vorher hier gearbeitet hätten. Auch sähen vier von fünf Deutschen mehr Vorteile als Nachteile in der EU-Freizügigkeit.

Bundespräsident Gauck: Angstfreie Debatte

Kinder und Jugendliche im Roma-Wohnprojekt in Berlin-Neukölln (picture alliance / dpa - Britta Pedersen)Armutseinwanderung nach Deutschland wird überschätzt (picture alliance / dpa - Britta Pedersen)Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), erklärte, Zuwanderung sei angesichts des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels ein "großer Gewinn" für Deutschland. Bundespräsident Joachim Gauck forderte bei der Präsentation des Jahresberichtes, eine "rationale, auf Fakten gestützte Debatte zur Norm" zu machen. Zuwanderung, vor allem Armutszuwanderung, sei ein Thema, das "mit Ängsten verbunden" sei. "Wir wissen aber auch, wie schlecht es ist, wenn wir den Ängsten zu viel Raum geben", sagte Gauck.

Auch das Jahresgutachten thematisierte die sogenannte Armutsmigration aus Rumänien und Bulgarien. Einerseits werde das Ausmaß der Einwanderung überschätzt, so die Vorsitzende Langenfeld, anderseits werde "übersehen, dass jeder Fünfte aus diesen Ländern einen Hochschulabschluss hat". Außerdem verdienten 75 Prozent der 25- bis 44-Jährigen ihren Lebensunterhalt selbst.

Im SVR haben sich acht große deutsche Stiftungen zusammengeschlossen. Der mit neun Wissenschaftlern besetzte Rat legt einen jährlichen Bericht zu den Themen Integration, Migration, Integrations- und Migrationspolitik vor. Hinter dem Gremium stehen die Stiftung Mercator, die Volkswagen-Stiftung, die Bertelsmann-Stiftung, die Freudenberg Stiftung, die Hertie-Stiftung, die Körber-Stiftung, die Vodafone-Stiftung und die "Zeit"-Stiftung.


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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:09 Uhr