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DFB prüft chaotisches Relegationsspiel

Innenminister fordert mehr Sicherheit bei Fußballspielen

Unruhen beim Relegationsrückspiel Fortuna Düsseldorf gegen Hertha BSC (dpa / Revierfoto)
Unruhen beim Relegationsrückspiel Fortuna Düsseldorf gegen Hertha BSC (dpa / Revierfoto)

Erst Feuerwerkskörper, dann Fans auf dem Spielfeld: Nach dem Chaos beim Relegationsspiel in Düsseldorf hat der Fußball-Bundesligist Hertha BSC Einspruch gegen die Wertung eingelegt. Das DFB-Sportgericht will am Freitag entscheiden, ob Fortuna Düsseldorf nach dem 2:2 in die Bundesliga aufsteigen darf.

<p>Ein derartiges Chaos hat der deutsche Profi-Fußball noch nie erlebt wie bei dem geladenen, hart umkämpften Relegationsrückspiel zwischen <papaya:link href="http://www.herthabsc.de/" text="Hertha BSC" title="Hertha BSC" target="_blank" /> und <papaya:link href="http://www.f95.de/" text="Fortuna Düsseldorf" title="Fortuna Düsseldorf" target="_blank" />: Enttäuschte Hertha-Anhänger werfen - den Abstieg vor Augen - Feuerwerkskörper auf Spielfeld und auch auf Spieler; das Echo folgt aus dem Fortuna-Block. Auf dem Platz und an den Werbebanden brennt es lichterloh; die erste Unterbrechung. Ungeduldige Düsseldorfer Anhänger stürmen schließlich eine Minute vor dem Abpfiff den Rasen und jubeln. Deshalb unterbricht Schiedsrichter Wolfgang Stark das Spiel für rund 20 Minuten. "Das ist ja schon auch ungeheuerlich, dass eine Minderheits von Fans den Platz stürmt", sagte Bundestrainer Joachim Löw, nachdem er die Szenen sah.<br /><br /><object style="height: 390px; width: 640px"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/zFf0SqCRo3Y?version=3&feature=player_detailpage"><param name="allowFullScreen" value="true"><param name="allowScriptAccess" value="always"><embed src="http://www.youtube.com/v/zFf0SqCRo3Y?version=3&feature=player_detailpage" type="application/x-shockwave-flash" allowfullscreen="allowfullscreen"="true" allowScriptAccess="always" width="462" height="360"></object><br /><br />Nach diesem Chaos versucht Hertha BSC nun mit einem Gang vor das Sportgericht des <papaya:link href="http://www.dfb.de" text="Deutschen Fußball-Bundes (DFB)" title="Deutscher Fußballbund" target="_blank" /> den Abstieg zu vermeiden. Die Sicherheit der Spieler sei in der Schlussphase nicht mehr gewährleistet gewesen, reklamierten die Berliner. Die Spielwertung sei "irregulär" zustande gekommen, sagte Hertha-Manager Michael Preetz. "Ein regulärer Spielbetrieb war für uns nicht mehr möglich; mit einem sportlichen Geschehen hatte dies nichts mehr zu tun." Die Mannschaft werde nun weitertrainieren.<br /><br /></p><p><strong>Hertha-Anwalt pocht auf Wiederholung</strong></p><p><papaya:media src="750e0629b5bb81cb8d18133e7097707e" rspace="5" bspace="5" width="144" height="108" align="left" resize="abs" subtitle="Blick in das Rhein-Energie-Stadion beim Relegationsspiel" popup="yes" />Bei dem Relegationsspiel sei es nicht mehr um sportlichen Wettkampf gegangen, sagte der Anwalt des Berliner Fußballvereins, Christoph Schickhardt. "In der DFB-Satzung steht, dass ein Spiel unter diesen Umständen nicht gewertet, sondern wiederholt wird", sagte Schickhardt. "Die Spieler saßen mit Todesangst leichenblass in der Kabine. Im Gesetz steht: Wenn Einflüsse von außen auf ein Spiel treffen, die nichts mit dem Spiel zu tun haben, muss wiederholt werden." <br /><br />Nachdem Schiedsrichter Stark die Partie wieder anpfiff, aber eine halbe Minute früher als über den Stadionsprecher angekündigt - eine halbe Minute länger als angezeigt - beendet hatte, gingen mit Herthas Christian Lell und Lewan Kobiaschwili die Emotionen durch. Beide gingen noch in den Katakomben auf Stark los.<br /><br />Zuvor hatte sich Lell bereits eine Rauferei mit Düsseldorfs Assani Lukimya geleistet und soll den Abwehrspieler dabei angespuckt haben. Lell war nur schwer zu beruhigen, fing sich dann aber wieder: "Wir sind maßlos enttäuscht. Wir suchen jetzt aber keinen Sündenbock, wir waren in der Saison leider nicht immer erstligareif." Hertha-Coach Otto Rehhagel sagte: "Die Begleitumstände waren eine Katastrophe: Das habe ich noch nie erlebt und hätte es nie für möglich gehalten".<br /><br /></p><p><strong>Fortuna gelassen</strong></p><p>Die Düsseldorfer gehen davon aus, dass das Spiel "ordnungsgemäß abgepfiffen wurde und das Spielergebnis Bestand hat", sagte Präsident Peter Frymuth dem Sport-Informations-Dienst. "Ich finde es doch verwunderlich, die nicht genutzten Chancen in zwei Spielen nun an zwei Minuten festzumachen. Wir haben bisher nicht darüber geredet, dass nach dem 2:1 für uns massiv Sachen aus dem Hertha-Block geflogen sind und die Partie vor dem Abbruch stand. Wir haben uns bisher nicht an dem Schwarzer-Peter-Spiel beteiligt. Hertha macht das nun."<br /><br /></p><p><strong>Entscheidung am grünen Tisch</strong></p><p>Bereits am Freitag will das Sportgericht über den Einspruch entscheiden. Unwahrscheinlich ist, dass der Vorfall folgenlos bleibt. Möglich sind Geldstrafen, Punkteabzug und Fortuna den Aufstieg zu verwehren.<br /><br /><papaya:media src="a7dfa7e545e325c9b363ec175c31f60a" rspace="5" bspace="5" width="144" height="108" align="left" resize="abs" subtitle="Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich, CSU" popup="yes" />Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) betonte, er sei sich mit dem DFB einig, solche "Ausschreitungen" seien "nicht hinnehmbar". Er rief die Fußballvereine zu konsequentem Handeln auf. Die Klubs müssten in den Stadien ihr Hausrecht auch zu gebrauchen. Der Minister appellierte an die Vereine, die Kontrollen in den Stadien zu verschärfen. Zudem müsse sichergestellt werden, dass Stadionverbote ausgesprochen und diese auch bundesweit durchgesetzt würden. Allerdings: Verletzt wurde in Düsseldorf im Stadion und auch während der folgenden Jubelnacht niemand.<br /><br />DFB und Ligaverband wollen entschlossen gegen solche Tumulte vorgehen. "Mit Bestürzung und Sorge haben wir die Vorkommnisse zur Kenntnis genommen. DFB und Ligaverband sind sich einig, dass solche unverantwortlichen und die Gesundheit der vielen friedlichen Fans gefährdenden Szenen in einem Fußballstadion nicht tolerierbar sind und konsequent geahndet werden müssen", schrieben DFB-Präsident Wolfgang Niersbach und Liga-Boss Reinhard Rauball in einer gemeinsamen Erklärung. Der DFB-Kontrollausschuss habe bereits Ermittlungen aufgenommen.</p>


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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:52 Uhr

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