Dichter mit "Neigung zum Extrem"

Gedenkjahr zu Ehren von Heinrich von Kleist beginnt mit Festakt in Frankfurt (Oder)

Heinrich von Kleist (1777-1811), Kreidezeichnung, unbekannter Künstler um 1831 (Archiv Kleist-Museum)
Heinrich von Kleist (1777-1811), Kreidezeichnung, unbekannter Künstler um 1831 (Archiv Kleist-Museum)

In Frankfurt (Oder) wird heute das Heinrich-von-Kleist-Gedenkjahr eingeläutet. Der Todestag des Dichters jährt sich im November 2011 zum 200. Mal. Das Jubiläum wird in den kommenden Monaten bundesweit mit zahlreichen Veranstaltungen begangen.

Heinrich von Kleist (1777-1811) war zu seiner Lebzeit ein literarischer Außenseiter. Sein Werk ließ sich keiner Epoche zweifelsfrei zuordnen. Kleist scheiterte mit mehreren Zeitungsprojekten und starb mittellos. Heute gilt er als Dichter, der seiner Zeit voraus war.

Im Schulunterricht werden vor allem seine Erzählungen (zum Beispiel "Das Erdbeben von Chili") behandelt. Kleist war aber als Dramatiker und Epiker gleichermaßen begabt. Zu den bekanntesten Werken gehören "Der zerbrochne Krug", "Das Käthchen von Heilbronn" und "Michael Kohlhaas".

Was die Menschen an Kleists Werken begeistert, seien die "enormen Emotionen", die die Menschen heute gar nicht mehr erleben können, sagte Armin Petras, Intendant am Maxim Gorki Theater in Berlin, im Deutschlandradio Kultur. Er plant anlässlich des Kleist-Jahres ein Festival.

Kleist-Biograf Jens Bisky fasziniert an dem Dichter vor allem die Sprache: "Es ist eine ungeheuer dichte, widerspruchsreiche, farbige, plastische Sprache. Zum Teil sind die Sätze zum Bersten gespannt und scheinen zu zerbrechen, in den ganz späten Erzählungen misslingen sogar Anschlüsse, weil die Sätze zu viel mitteilen wollen", sagte er im Deutschlandfunk.

Kleists Leben sei von einer "Neigung zum Extrem" gekennzeichnet gewesen, so Bisky weiter. Dazu passt auch das Ende des Dichters: Heinrich von Kleist wählte im Herbst 1811 den Freitod. Am Wannsee, wo sich heute sein Grab befindet, erschoss er zunächst seine Bekannte Henriette Vogel und anschließend sich selbst.

Am heutigen Festakt in Frankfurt (Oder) zu Ehren Kleists nahmen Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) und Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) teil. Vor der Veranstaltung erfolgte der erste Spatenstich für einen Erweiterungsbau des Kleist-Museums.

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:40 Uhr