Die ganze Woche Warnstreiks im öffentlichen Dienst

Mehr als 20.000 Beschäftigte in Niedersachsen und Bremen im Ausstand

Warnstreiks im öffentlichen Dienst legen den Nahverkehr lahm. (picture alliance / dpa / Holger Hollemann)
Warnstreiks im öffentlichen Dienst legen den Nahverkehr lahm. (picture alliance / dpa / Holger Hollemann)

Am Dienstag soll der Schwerpunkt der Streiks in Bayern, Teilen von Baden-Württemberg und Hessen liegen, am Mittwoch in Nordrhein-Westfalen und Berlin und am Donnerstag in Brandenburg und Sachsen. Die Gewerkschaften wollen damit vor der nächsten Verhandlungsrunde den Druck erhöhen.

An den neuen Warnstreiks beteiligten sich nach Angaben der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di am Montag mehr als 20.000 Beschäftigte des öffentlichen Dienst in Niedersachsen und Bremen. Ämter blieben geschlossen, Mülltonnen ungeleert, Busse und Straßenbahnen fuhren nicht. Die Verkehrsbetriebe in Hannover hatten die Beförderung komplett eingestellt. Auf dem Opernplatz fand eine zentrale Kundgebung der Gewerkschaft statt. In Bremen beteiligten sich die Mitarbeiter des Klinikverbunds und der Universität am Streik.

Nach dem Auftakt zur bundesweiten Streikswoche in Niedersachsen und Bremen sind am Dienstag Bayern, Teile von Baden-Württemberg und Hessen an der Reihe. Auch hier sollen die Arbeitsniederlegungen gegenüber der ersten Streikwelle ausgeweitet werden. Am Mittwoch wird in Nordrhein-Westfalen und Berlin gestreikt, am Donnerstag in Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Die Beschäftigten des öffentlichen Diensts in Rheinland-Pfalz wollen nächste Woche am 27. März die Arbeit niederlegen, einen Tag vor den erneuten Verhandlungen zwischen den Tarifparteien.

Auch für Mittwoch hat Verdi zu Warnstreiks aufgerufen (picture alliance / dpa / Bernd Wüstneck)Die Gewerkschaft ver.di ruft wieder zu Warnstreiks auf. (picture alliance / dpa / Bernd Wüstneck)

Ver.di-Chef Bsirske droht mit großem Arbeitskampf

Die Tarifauseinandersetzungen könnten sich danach noch verschärfen. Es sei jetzt wichtig deutlich zu machen, wie die Stimmung in den Betrieben aussehe, sagte ver.di-Chef Frank Bsirske im ZDF-Morgenmagazin. Er hoffe, dass die Signale bei den Arbeitgebern ankommen:

"Ansonsten bewegen wir uns, wenn die Arbeitgeber ihre Haltung nicht ändern, auf einen großen Arbeitskampf mit Hunderttausenden von Kolleginnen und Kollegen im öffentlichen Dienst zu."

Sollten die Verhandlungen Ende März scheitern, haben die Gewerkschaften angekündigt, eine Urabstimmung einzuleiten. Das könnte dann einen unbefristeten Streik zur Folge haben.

Angebot der Arbeitgeber überzeugt ver.di nicht

Die zweite Warnstreikwelle hatte ver.di vergangene Woche angekündigt, nachdem die ersten Arbeitsniederlegungen und die Verhandlungen mit Bund und Kommunen zu keinem Ergebnis geführt hatten. Ver.di fordert 6,5 Prozent mehr Lohn für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen, mindestens aber 200 Euro mehr pro Monat. Die Arbeitgeber hatten vergangene Woche ein Angebot vorgelegt, das ver.di aber nicht für akzeptabel hält. Das vorgeschlagene Stufenmodell mit einer Laufzeit von zwei Jahren würde nach Rechnung der Arbeitgeber im zweiten Jahr auf ein Lohnplus von 3,3 Prozent hinauslaufen.

Ulf Birch, der Sprecher von ver.di-Niedersachsen, sagte:

"Das ist schön gerechnet mit den 3,3 Prozent, die einige da addiert haben. Wenn man die zwei Jahre nimmt und überlegt, welche Erhöhung bleibt pro Monat im Portemonnaie übrig, dann kommen Sie auf einen Betrag von 1,77 Prozent."

Das liege noch unter dem Inflationsausgleich und sei daher zu wenig. Die Arbeitgeberseite sieht das anders. Goslars Oberbürgermeister Oliver Jung etwa verweist auf die Rekordverschuldung der Kommunen. Der Verhandlungsführer für den Bund im Tarifstreit, Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), hatte das Verhalten der Gewerkschaften vergangene Woche als "unverständlich und vollkommen übertrieben" bezeichnet. Die Arbeitgeber hätten ein verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt.

Ver.di-Informationen zu den Warnstreiks morgen:

Hessen
Bayern
Baden-Württemberg

Mehr zum Thema auf dradio.de:

Interview mit ver.di-Chef Frank Bsirske: "Wir brauchen Korrekturen"
Kommentar: Wenn Busse und Mülltonnen stehen bleiben

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:49 Uhr