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Die griechische Staatspleite abwenden

EU-Gipfel berät über weitere Finanzhilfen

In Brüssel geht es um weitere Finanzhilfen für Griechenland. (picture alliance / dpa / Arno Burgi)
In Brüssel geht es um weitere Finanzhilfen für Griechenland. (picture alliance / dpa / Arno Burgi)

In Brüssel sind am Donnerstagabend die Staats- und Regierungschefs der EU zusammen gekommen, unter anderem, um über die Schuldenkrise in Griechenland zu sprechen. US-Notenbankchef Bernanke hat unterdessen zu einer gemeinsamen Lösung für das Krisenland aufgerufen.

Um der Staatspleite zu entgehen, sind die Hellenen auf den Kredit der EU und des Internationalen Währungsfonds angewiesen. Den erhalten sie aber nur, wenn die die Regierung um Ministerpräsident Giorgos Papandreou ihr rigides Sparprogramm durch das Parlament bringt. Am Mittwoch hatte Papandreou eine Vertrauensabstimmung gewonnen. Anschließend hatte das Kabinett seinem Sparpaket für die kommenden drei Jahren zugestimmt. Bereits Ende Juni soll das Gesetz durch das Parlament verabschiedet werden, dies ist die Voraussetzung für die Zahlung weiterer Hilfsgelder.

Schulden in Höhe von 330 Milliarden Euro

Nach dem Willen der Euro-Gruppe soll auch die Opposition in Griechenland dem Sparprogramm von Papandreou zustimmen. Vor dem Gipfel kommen deshalb die Spitzen der Europäischen Volkspartei (EVP) zusammen, in der sich die konservativen Parteien Europas zusammengeschlossen haben. Sie wollen Druck auf den griechischen Oppositionsführer Antonis Samaras ausüben, der bislang auf ein Scheitern des Regierungsprogramms setzte.

Griechenlands Schulden belaufen sich derzeit auf rund 330 Milliarden Euro, Tendenz steigend. Die griechische Regierung hat deshalb ein umfangreiches Sparpaket beschlossen, das neben Kürzung von Gehältern der Staatsbediensteten, Einsparungen bei den Renten und Verkauf von staatlichem Besitz vorsieht.

Ben Bernanke (AP)Ben Bernanke plädiert für eine Rettung Griechenlands. (AP)US-Notenbankchef Ben Bernanke forderte unterdessen zu einer gemeinsamen Lösung für das Krisenland auf. Er warnte in Washington davor, Griechenland Pleite gehen zu lassen. Sollte die Rettung scheitern, sei auch das globale Finanzsystem bedroht.

"Ende der Währungsunion als Stabilitätsgemeinschaft"

Der Finanzexperte Markus C. Kerber sieht indes durch die Gewährung weiterer Kredite für Griechenland die Stabilität der europäischen Währungsunion in Gefahr. Es sei dringend notwendig, den Konkurs Griechenlands geordnet abzuwickeln. Die Konsequenzen müssten dann die Länder in Kauf nehmen, "deren Banken dort wie wild investiert haben", sagte Kerber im Deutschlandradio Kultur.

Der FDP-Europaparlamentarier Wolf Klinz rechnet bei einem möglichen Zusammenbruch Griechenlands mit einer großen "Ansteckungsgefahr" für das globale Finanzsystem. Zudem forderte er im Deutschlandfunk, neue Sanktionsmechanismen zu entwickeln, die "quasi automatisch" greifen müssten bei Verletzungen des Stabilitätspaktes.

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:43 Uhr