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Die Hilfe kommt langsam an

Deutschland gibt 1,5 Millionen Euro für Taifunopfer auf den Philippinen

Ein Bild der Verwüstung: Tacloban  (picture alliance / dpa / Francis R. Malasig)
Ein Bild der Verwüstung: Tacloban (picture alliance / dpa / Francis R. Malasig)

Auch vier Tage nach der Zerstörung durch Taifun "Haiyan" hat die Hilfe die Bewohner in den verwüsteten Gebieten kaum erreicht. Immerhin landeten zwei Transportflugzeuge auf dem zerstörten Flughafen von Tacloban. Die deutsche Katastrophenhilfe wurde um eine Million Euro aufgestockt.

Weil es vor allem an Wasser, Lebensmitteln und Medizin fehlt, versuchen Tausende aus den Katastrophengebieten zu fliehen. Zahlreiche Menschen strömten zum Flughafen der Stadt Tacloban auf der Insel Leyte - einer der am stärksten betroffenen Regionen. Sie wollten sich ausfliegen lassen, doch nur einigen hundert gelang es, einen Platz zu bekommen.

Erste internationale Helfer erreichten mit zwei US-Transportflugzeugen Tacloban. Sie berichteten von apokalyptischen Zuständen: "Alles ist zerstört, die Straßen unpassierbar, es gibt keinen Strom", sagte US-Brigadegeneral Paul Kennedy. Einwohner der Stadt riefen verzweifelt nach Lebensmitteln und nach Schutz vor Gewalt und Plünderungen, berichtet unsere Korrespondentin Nicolas Glass.

Mitarbeiter der Hilfsorganisation CARE Deutschland waren nach ihrer Ankunft in Tacloban entsetzt über die Zustände, sagt Pressesprecherin Sabine Wilke im Deutschlandfunk. Sie seien in Tränen ausgebrochen, als sie in die Stadt einfuhren. "Da liegen nach wie vor die Leichen auf den Straßen, der Verwesungsgeruch liegt in der Luft. Das ist selbst für den erfahrensten Nothelfer schwer zu ertragen."

Mehr als 500 philippinische Soldaten und Polizisten trafen in Tacloban ein, um die Gewalt einzudämmen, wie ein Militärsprecher bekanntgab. Die Regierung verhängte zudem eine nächtliche Ausgangssperre und richtete Kontrollpunkte in der Stadt ein.

Flugzeugträge sind unterwegs

Zur Unterstützung der Hilfsaktionen schickten die USA ihren Flugzeugträger "USS George Washington" und fünf weitere Schiffe in die Region. Die "USS George Washington" mit 5000 Marinesoldaten und mehr als 80 Flugzeugen lag im Hafen von Hong Kong. Das Schiff ist nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums in der Nacht "mit Volldampf" in Richtung Philippinen gestartet.

Der Taifun "Haiyan" hat auf den Philippinen schwere Verwüstungen hinterlassen. (picture alliance / dpa / MAXPPP)Verzweifelte Lage auf den Philippinen (picture alliance / dpa / MAXPPP)Zudem machte sich ein britisches Kriegsschiff aus dem nahe gelegenen Singapur auf den Weg in die Krisenregion, wie Großbritanniens Premierminister David Cameron ankündigte. Kanadische Rettungskräfte brachen am Montagabend an Bord einer Militärmaschine auf, um die Bergungsarbeiten zu unterstützen.

Der Taifun hat möglicherweise deutlich weniger Todesopfer gefordert als befürchtet. Präsident Benigno Aquino sprach im amerikanischen Fernsehsender CNN von bis zu 2.500 Toten. Die anfänglichen Schätzungen von 10.000 Getöteten scheinen zu hoch gewesen zu sein, sagte der Präsident. Offiziell wird die Zahl der Todesopfer inzwischen mit rund 1.800 angegeben. Wie die Katastrophenschutzbehörde weiter mitteilte, werden noch mindestens 80 Menschen vermisst. Nach Angaben der Vereinten Nationen benötigen die Philippinen Hilfen im Umfang von etwa 300 Millionen US-Dollar.

Weitere Unterstützung der Bundesregierung

Das UN-Kinderhilfswerk UNICEF kündigte an, Dienstag ein Transportflugzeug mit 60 Tonnen an Zelten und Medikamenten zu schicken; Ausrüstung für Sanitäreinrichtungen und zur Aufbereitung von Wasser sollen folgen. Ein Team des Technischen Hilfswerks (THW) nahm in Manila die Arbeit auf. Die Bundesregierung hat bisher 1,5 Millionen Euro zugesagt. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, der Bedarf werde geprüft, ein erstes Team sei vor Ort. "Dann sehen wir weiter. Das Land soll wissen, dass Deutschland an seiner Seite steht."

Ralf Südhoff vom Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen schilderte im Deutschlandfunk, dass die Voraussetzungen für eine direkte Unterstützung der Menschen auf den Philippinen noch gar nicht bestehen. Es gehe zunächst darum, die zerstörten Häfen wieder anlaufbar zu machen, damit bereitliegende Hilfsschiffe sie anlaufen können, die Straßen zwischen dem Flughafen und der Stadt zu räumen und Stromgeneratoren und Sendemasten in die Stadt zu bringen, damit die Grundlagen für Hilfsleistungen gegeben sind.

Unterdessen braut sich ein neuer tropischer Sturm vor der Westküste der Philippinen zusammen. Die Ausläufer waren im Katastrophengebiet bereits heute teilweise mit heftigem Regen zu spüren. Taifun "Haiyan" hat derweil im Süden Chinas mindestens acht Menschen in den Tod gerissen. Dort richtete der Wirbelsturm Schäden im Umfang von bis zu 700 Millionen Dollar (rund 523 Millionen Euro) an.


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Letzte Änderung: 13.11.2013 23:12 Uhr