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Die Kronjuwelen der CIA

Geheime Unterlagen der Agency veröffentlicht

Von Siegfried Buschschlüter

Der Begriff "secret" ist durchgestrichen: Blick in die geheimen Unterlagen über die illegalen Aktivitäten des US-Geheimdienstes (AP)
Der Begriff "secret" ist durchgestrichen: Blick in die geheimen Unterlagen über die illegalen Aktivitäten des US-Geheimdienstes (AP)

Als CIA-Chef, Michael Hayden, letzte Woche die Veröffentlichung von geheimen Unterlagen über die illegalen Aktivitäten des Geheimdienstes ankündigte, versprach er einen Einblick in eine ganz andere Zeit und eine ganz andere CIA.

Die gestern freigegebenen 700 Seiten bieten in der Tat einen faszinierenden Blick auf das, was die Agency als ihren "Familienschmuck” bezeichnet: Lauschangriffe in den USA, gescheiterte Attentatsversuche, Experimente mit Psychopharmaka sowie Überwachung von Journalisten. Das alles aus den frühen Jahren der CIA. Durch die Bank illegal. Für Auslandsspionage war die Central Agency of Intelligence zuständig, nicht für Operationen im Inland.

Doch dieser feine Unterschied hielt eine ganze Reihe von Präsidenten, von Kennedy über Johnson und Nixon nicht davon ab, ihre Schlapphüte auf mutmaßliche Staatsfeinde im eigenen Land anzusetzen, vor allem dann, wenn Kommunisten aus dem Ausland hinter Studentenunruhen und Vietnamkriegsprotesten in den USA vermutet wurden.

So aufschlussreich die freigegebenen Dokumente aus jenen Tagen auch sein mögen - wann lässt die CIA schon jemanden durchs Schlüsselloch gucken - so offenbart der Blick auf das Sündenregister der Spione durch umfangreiche Streichungen und Schwärzungen nur einen Ausschnitt und wirft damit neue Fragen auf.

Dass Namen geschwärzt sind, mag bei noch lebenden Personen noch verständlich sein, auch der Ort von vermutlich noch existierenden Geheimgefängnissen für nicht vertrauenswürdige Überläufer, doch dass ganze Absätze im Kapitel Überwachung von Dissidenten wegradiert wurden, lässt vermuten, dass diese Vergangenheit der CIA noch nicht bewältigt ist.

Nicht überraschend also, dass Skeptiker mutmaßen, der CIA-Chef wolle mit dieser Teilveröffentlichung nur von den akuten Sünden seiner Agency, wie Foltermethoden und Kidnapping ablenken.

Vieles aus den freigegebenen Unterlagen war schon bekannt, wie die Mordpläne gegen Fidel Castro, und dass die Mafia damit beauftragt wurde. Bisher nicht bekannt war, dass das Komplott von CIA-Direktor Allen Dulles persönlich abgesegnet wurde.

Bekannt waren auch die Drogenexperimente an nichts ahnenden US-Bürgern sowie die Lauschangriffe und Überwachungsaktionen gegen Gewerkschafter und Enthüllungsjournalisten, wie Jack Anderson oder Hanson Baldwin. Was zu Watergate-Zeiten von Richard Nixon praktiziert wurde, die Telefonüberwachung von missliebigen Journalisten, war nach den CIA-Unterlagen auch schon in der Amtszeit John F. Kennedys üblich.

Mitwisser der illegalen Aktionen 1963, 1971 und 1972 waren Justizminister Robert Kennedy, Verteidigungsminister Robert McNamara sowie der damalige Chef des militärischen Geheimdienstes, General Joseph Carroll.

Bestätigt wird durch die Dokumente die Auffassung der Historiker, dass die CIA in der Regel nicht eigenmächtig gehandelt hat, sondern stets den jeweiligen Präsidenten zu Diensten war. So wies Lyndon Johnson CIA-Direktor Richard Helms 1967 an, ihm Beweise dafür zu liefern, dass die Antivietnamkriegsbewegung in den USA von kommunistischen Staaten gesteuert und finanziert wurde. Helms' Einwand, die CIA dürfe laut Gesetz keine amerikanischen Staatsbürger ausspionieren, konnte Johnson nicht umstimmen.

Die jetzt veröffentlichten Unterlagen, so erklärte Michael Hayden gestern, erinnerten an einiges, was die CIA nicht hätte tun sollen. Es wäre überraschend, wenn bei einer vergleichbaren Freigabe von Dokumenten aus der Amtszeit von George W. Bush ein CIA-Direktor in einigen Jahren
nicht ein längeres Sündenregister offenbaren müsste. Gemessen am Familienschmuck der CIA im Kalten Krieg, so meinen Kritiker der Agency, handele es sich bei den Übergriffen im Krieg gegen den Terror um echte Kronjuwelen.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:23 Uhr

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