"Die Todesstrafe ist weltweit auf dem Rückzug"

Zahl der Hinrichtungen im Nahen Osten trotzdem stark gestiegen

Die umstrittene Hinrichtung von Troy Davis ließ 2011 auch Befürworter der Todesstrafe in den USA zweifeln. (picture alliance / dpa / juliette Robert/wostok Press)
Die umstrittene Hinrichtung von Troy Davis ließ 2011 auch Befürworter der Todesstrafe in den USA zweifeln. (picture alliance / dpa / juliette Robert/wostok Press)

Nur noch wenige Länder vollstrecken nach Angaben von Amnesty International weiterhin die Todesstrafe. Die Zahl der Hinrichtungen in diesen Staaten würde allerdings steigen, teilte die Organisation heute mit.

In lediglich 20 Ländern werden laut Amnesty International weiterhin Exekutionen vollzogen. Trotzdem würden im Iran, Irak und Saudi-Arabien immer mehr Menschen hingerichtet, so die Organisation heute in einem aktuellen Bericht. Die Zahl der Exekutionen im Nahen Osten sei im vergangenen Jahr um 50 Prozent gestiegen. Dies betreffe vor allem die Länder Iran, Irak und Saudi-Arabien, wo mehr als 500 Todesurteile vollstreckt worden seien. Außer für Gewaltverbrechen wurde die Todesstrafe laut Amnesty in einigen Ländern auch für Straftatbestände wie Ehebruch und Homosexualität, Gotteslästerung, Hexerei und Drogendelikte verhängt oder vollstreckt.

Höchste Zahl der Hinrichtungen vermutlich in China

Wie die Menschenrechtsorganisation mitteilte, werden die meisten Verurteilten vermutlich noch immer in China hingerichtet. Da Angaben zur Todesstrafe dort als Staatsgeheimnis behandelt werden, gibt es seit Jahren keine nachprüfbaren Zahlen mehr. Laut Amnesty muss jedoch von tausenden Exekutionen ausgegangen werden.

Todesstrafe weltweit auf dem Rückzug

Trotzdem spricht Amnesty heute von einem deutlichen Trend hin zur Abschaffung der Todesstrafe. Weltweit sei die Zahl der Länder, die die Todesstrafe vollstrecken, von 31 auf 20 geschrumpft. "Die Todesstrafe ist weltweit auf dem Rückzug", so Oliver Hendrich, Experte zur Todesstrafe von Amnesty International in Deutschland. Auch Wolfgang Heinz vom Deutschen Institut für Menschenrechte sprach Anfang des Jahres im Deutschlandradio Kultur bereits von entscheidenden Fortschritten in der internationalen Menschenrechtsbewegung.

Fortschritte auch in den USA

Fortschritte gebe es laut Amnesty auch in den Ländern, die weiterhin an Hinrichtungen festhalten. So schaffte in den USA 2011 Illinois als 16. Bundesstaat die Todesstrafe ab, während Oregon einen Hinrichtungsstopp verhängte. Noch im September vergangenen Jahres hatte die umstrittene Hinrichtung des US-Amerikaners Troy Davis sogar Befürworter an der Todesstrafe zweifeln lassen. Bis zuletzt hatte es keine stichhaltigen Beweise für Davis' Schuld gegeben.

"Grundgedanke von Menschlichkeit" fehlt im US-Recht

Weltweit hatte es Proteste gegen die Exekution von Davis gegeben. Auch der emeritierte Direktor des Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Strafrecht Albin Eser reagierte letztes Jahr mit Unverständnis auf die Hinrichtung. Die Todesstrafe sei im Rechtsverständnis der USA verankert, erklärte der Strafrechtler. Die Chance für jeden Verurteilten, wieder in die menschliche Gemeinschaft zurückzukehren, dieser Grundgedanke von Menschlichkeit sei im amerikanischen Recht noch nicht weit genug durchgedrungen, sagte Eser.

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:49 Uhr