Doping-Trainer im deutschen Olympia-Team

Verstöße gegen die Antidoping-Ehrenerklärung des DOSB

Von Thomas Purschke

Ist in den deutschen Sportverbänden die Moral auf der Strecke geblieben? (Stock.XCHNG / Sasha Dubovski)
Ist in den deutschen Sportverbänden die Moral auf der Strecke geblieben? (Stock.XCHNG / Sasha Dubovski)

Nach Recherchen des ZDF gibt es neben Leichathletik-Trainer Werner Goldmann im deutschen Olympia-Team von Peking mindestens drei weitere Trainer, die gegen die verbindliche Ehrenerklärung des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) gegen Doping verstoßen haben. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble sagte dem ZDF in Peking, man werde mit den Verantwortlichen im deutschen Sport Konsequenzen aus den Vorwürfen ziehen.

Norbert Warnatzsch, der Trainer der Doppel-Olympiasiegerin von Peking im Schwimmen, Britta Steffen, hat sich laut vorliegender Stasi-Unterlagen 1977 an einem Großversuch mit dem Anabolikum Turinabol beteiligt, bei dem auch minderjährige Athleten gedopt wurden. In der Anweisung für den Doping-Großversuch, an dem die "Trainingsgruppe Warnatzsch" des DDR-Sportclubs Dynamo Berlin mit sieben männlichen Sportlern teilnahm, heißt es: "Bei Sportlern unter 18 Jahren wird die Legende Verabreichung von Vitaminen angewendet, das heißt alles geschieht ohne Wissen der Betreffenden. Sportler über 18 Jahren werden in die Problematik einbezogen und vom Trainer mündlich zum Schweigen verpflichtet." Einer der damals Minderjährigen bestätigte dem ZDF, dass er von Warnatzsch das Anabolikum Turinabol erhalten hatte.

Klaus Schneider aus Magdeburg, Kugelstoß-Frauen-Trainer des Deutschen Leichtathletikverbandes, der in Peking die Athletin Nadine Kleinert betreute, habe in den achtziger Jahren die Leichtathletin Kathrin Neimke ebenfalls mit Turinabol gedopt. Dies hatte Neimke, die Kugelstoß-Olympiazweite von Seoul 1988, bei den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen zum DDR-Staatsdoping, Ende der 90er Jahre gegenüber der Polizei ausgesagt.

Auch Klaus Baarck, der Bundestrainer der deutschen Siebenkämpferinnen, hat laut vorliegender Stasi-Unterlagen zu DDR-Zeiten an einem Dopingprogramm beim Sportclub Neubrandenburg teilgenommen.

Die drei Trainer Baarck, Schneider und Warnatzsch durften, aus öffentlichen Fördermitteln finanziert, nach Peking fahren, weil sie gegenüber dem Deutschen Olympischen Sportbund in einer sogenannten Ehrenerklärung versicherten, sie hätten - Zitat- "zu keinem Zeitpunkt Sportlerinnen oder Sportlern Substanzen weitergegeben, zugänglich gemacht, rezeptiert oder appliziert oder Methoden angewandt, die gegen die jeweils gültigen nationalen oder internationalen Anti-Doping-Bestimmungen verstoßen haben."

Anfragen des ZDF an alle drei Trainer blieben unbeantwortet. Der Chef der Mission der deutschen Olympiamannschaft und DOSB-Generaldirektor, Michael Vesper sagte, man werde die neuerlichen Vorwürfe gegen die drei Trainer prüfen, doch dies sei erst nach Peking möglich. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble sagte dem ZDF in Peking, man werde mit den Verantwortlichen im deutschen Sport die Konsequenzen aus den aktuellen Vorwürfen daraus ziehen.

Der Heidelberger Dopingaufklärer Werner Franke erklärte dazu, die Fakten zu den DDR-Doping-Trainern seien seit Jahren bekannt, die Dokumente lägen längst einsehbar auf dem Tisch. Dass die einstigen Täter dennoch bei Olympia dabei sind, belege, dass in den deutschen Sportverbänden die Moral sei auf der Strecke geblieben sei.

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:30 Uhr