Druck auf Bundesregierung wächst

Kanzlerin sagt rasche Aufklärung des Luftangriffs in Kundus zu

Afghanische Polizisten sichern den ausgebrannten Tankwagen in Kundus. (AP)
Afghanische Polizisten sichern den ausgebrannten Tankwagen in Kundus. (AP)

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat für Dienstag eine Regierungserklärung zum Luftangriff der Nato auf einen von Taliban entführten Tankwagen in Afghanistan angekündigt. Bei dem von der Bundeswehr angeforderten Einsatz sollen auch Zivilisten getötet worden sein.

Merkel sicherte eine schnelle Aufklärung der Vorfälle zu. Man werde der NATO-Untersuchungskommission alle Informationen bereitstellen, erklärte Merkel in Berlin.

Falls es bei der Bombardierung der zwei Tanklastwagen auch zivile Opfer gegeben habe, bedauere sie das zutiefst. Sie kündigte ihre Unterstützung für eine internationale Afghanistan-Konferenz noch in diesem Jahr an.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier sagte, entscheidend sei, dass der Vorfall schnellstmöglich und rückhaltlos aufgeklärt werde. Es müsse deutlich gemacht werden, dass alles getan werde, um zivile Opfer zu vermeiden. Die "Washington Post" hatte unter Berufung auf NATO-Ermittler berichtet, dass bei dem Luftangriff in der Region Kundus am Donnerstag 125 Personen getötet worden seien, darunter mindestens 20 Zivilisten.

Vor allem Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung steht wegen seiner Informationspolitik in der Kritik. Der Verteidigungsexperte der Grünen, Winfried Nachtwei, warf Jung absolutes Versagen vor. Dieser unterschätze völlig die politisch-psychologische Wirkung des verheerenden Luftangriffs in Kundus, sagte Nachtwei der "Frankfurter Rundschau". Die Partei Die Linke fordert Jung zum Rücktritt auf. Dies lehnte er ab.

Die SPD drängt mit Blick auf die für morgen geplante Aktuelle Stunde im Bundestag auf detaillierte Auskunft durch den Verteidigungsminister. Dessen Informationspolitik sei bislang mehr als zurückhaltend gewesen, sagte die Vorsitzende des Bundestagsverteidigungsausschusses, Ulrike Merten, im Deutschlandfunk.

General a.D. Klaus Naumann hingegen wies die Kritik am Vorgehen der Bundeswehr in Afghanistan zurück. "Ohne irgendeinen Fakt zu kennen", habe es "an Dümmlichkeit kaum noch zu übertreffende Äußerungen" zum dem Luftangriff auf zwei Tankwagen gegeben, sagte Naumann im Deutschlandfunk. (MP3-Audio)

Jung wies die Kritik erneut zurück. Der Vorfall werde sachgerecht aufgeklärt. Er bedauere, dass auch Zivilisten verletzt oder gar getötet worden seien. Den verantwortlichen Kommandeur nahm er in Schutz. Es habe eine klare Bedrohung durch die Taliban gegeben.



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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:34 Uhr