Duell mit Favorit

Die französische Präsidentschaftswahl beginnt heute in den Überseegebieten

Die Plakate der Kandidaten zur bevorstehenden Präsidentschaftswahl in Frankreich, aufgenommen am 17.04.2012 in Nancy (picture alliance / dpa / /ncy A Marchi)
Die Plakate der Kandidaten zur bevorstehenden Präsidentschaftswahl in Frankreich, aufgenommen am 17.04.2012 in Nancy (picture alliance / dpa / /ncy A Marchi)

Mit der Öffnung der Wahllokale in den Überseegebieten wie Martinique und Guadeloupe startet heute die erste Runde der französischen Präsidentschaftswahl. Zehn Kandidaten stehen zur Auswahl, der Favorit heißt François Hollande. Morgen wählen die europäischen Franzosen.

900.000 Wähler in dem Überseegebieten Guadeloupe, Französisch-Guayana, Martinique und Französisch-Polynesien dürfen einen Tag früher ihre Stimme abgeben als die übrigen 44 Millionen Franzosen. Hintergrund dieser Regelung ist die große Zeitdifferenz zwischen manchen Überseegebieten und dem europäischen Kernland. Ohne die vorgezogenen Öffnungszeiten der Wahllokale würde mancherorts noch gewählt, während in Paris schon längst die Ergebnisse vorliegen.

Bei Stichwahl bleibt Hollande Favorit

Die Wähler sind dazu aufgerufen, sich zwischen den zehn Kandidaten für das Präsidentenamt zu entscheiden. Als großer Favorit der Wahl gilt der Sozialist François Hollande. Er liegt seit Monaten in allen Umfragen klar vor dem um eine zweite Amtszeit kämpfenden Präsidenten Nicolas Sarkozy.

Die endgültige Entscheidung wird voraussichtlich allerdings erst am 6. Mai in einer Stichwahl fallen, da der Wahlsieger die absolute Mehrheit der Stimmen benötigt. Für die Stichwahl wird Hollande ein klarer Sieg vorausgesagt.

Meinungsforscher sind sich mehrheitlich einig

Francois Hollande - Herausforderer von Nicolas Sarkozy beim Rennen um Frankreichs Präsidentschaft (picture alliance / dpa / Christophe Petit Tesson)François Hollande - Herausforderer von Amtsinhaber Nicolas Sarkozy beim Rennen um Frankreichs Präsidentschaft (picture alliance / dpa / Christophe Petit Tesson)Der Herausforderer geht damit mit klarem Rückenwind in die erste Runde. Mehrere Meinungsforschungsinstitute sagten am Freitag einen Vorsprung Hollandes von gut drei Prozentpunkten vor dem konservativen Nicolas Sarkozy voraus. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Ipsos kann Hollande in der ersten Runde mit 29 Prozent der Stimmen rechnen.

Auf den konservativen Präsidenten Nicolas Sarkozy entfallen demnach 25,5 Prozent der Stimmen. Auch zwei andere Institute sehen einen Vorsprung von mehreren Prozentpunkten für Hollande, nur eines geht von einem Gleichstand der beiden Spitzenkandidaten aus.

Sarkozy-Wahlkämpfer: "Nichts ist entschieden"

Die Wahlkampfsprecherin des Präsidenten, Nathalie Kosciusko-Morizet, zweifelte die Umfrageergebnisse für Sarkozy an. "Ich glaube nicht eine Sekunde daran", sagte die frühere Umweltministerin. Im Wahlkampf habe Sarkozy die Säle bis zum Bersten gefüllt und "eine höllische Dynamik" entfacht. "Nichts ist entschieden", betonte auch Sarkozys Experte für Umfragen, Guillaume Peltier. Immerhin zwölf Millionen der insgesamt knapp 45 Millionen Wahlberechtigten seien noch unentschlossen. Der Präsident kündigte im Fernsehsender RTL an, er werde im Falle seiner Wiederwahl bis zum Jahresende drei bis vier «starke Reformmaßnahmen» umsetzen.

Auch Hollande positionierte sich bereits für den Fall seiner Wahl. In einem Radiointerview forderte er einen niedrigeren Zinssatz der Europäischen Zentralbank (EZB), um das Wachstum anzukurbeln. Außerdem sprach sich der Sozialist für eine Beteiligung Frankreichs an einem möglichen UN-Militäreinsatz in Syrien aus.

Rechts oder links auf dem 3. Platz

Eng dürfte laut Umfragen das Rennen um den dritten Platz zwischen der Rechtsextremen Marine Le Pen und dem Linkskandidaten Jean-Luc Mélenchon werden. Le Pen, die die Meinungsforscher zuletzt mit rund 16 Prozent vor dem Linkspolitiker mit 14 Prozent sahen, sprach am Freitag direkt die Sarkozy-Anhänger an. Sarkozy zu wählen bedeute, «für jemanden zu stimmen, der praktisch schon weg ist», sagte die 43-Jährige im Fernsehsender BFMTV-RMC.

Mélenchon forderte bei seiner letzten Kundgebung in Paris eine möglichst große Mobilisierung seiner Anhänger, um sich vor der Chefin der Front National zu positionieren. Den fünften Platz sagen die Umfragen dem Zentrumskandidaten François Bayrou voraus. Er dürfte etwa zehn Prozent der Stimmen erhalten. Mit lediglich rund zwei Prozent kann die Grünen-Kandidatin Eva Joly rechnen.

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:50 Uhr