Ehemalige Heimkinder sollen nach Einzelfallprüfung entschädigt werden

Runder Tisch Heimerziehung stellt Empfehlungen vor

Von Claudia van Laak

Ehemalige Heimkinder erinnern bei einer Demonstration mit einer "Prügel-Nonne" an die Misshandlungen in kirchlichen Einrichtungen.
Ehemalige Heimkinder erinnern bei einer Demonstration mit einer "Prügel-Nonne" an die Misshandlungen in kirchlichen Einrichtungen.

Demütigungen, Gewalt, sexueller Missbrauch, Arbeit ohne Bezahlung. Das, was Heimkinder in den 50er- und 60er-Jahren erleiden mussten, der Abschlussberichtes des Runden Tisches nennt es "Unrecht im Rechtsstaat".

Nicht nur die Erzieher und die Träger der Heime hätten versagt, auch Heimaufsicht, Vormünder und Gerichte. Der Runde Tisch schlägt dem Bundestag einen Entschädigungs- und Hilfsfonds in Form einer Stiftung vor. Bund, Länder und Kirchen sollen jeweils 40 Millionen Euro in diesen Fonds einzahlen. Mit dem Geld soll denjenigen Heimkindern geholfen werden, die noch heute unter psychischen und oder physischen Folgeschäden leiden, auch ein Rentenausgleich ist vorgesehen.

Die Kirchen haben sich bereits zur Zahlung ihres Anteils bereit erklärt, eine Zusage von Bund und Ländern steht noch aus. Besonders unionsregierte Bundesländer zögern noch.

Experten rechnen damit, das etwa 30.000 bis 50.000 ehemalige Heimkinder heute noch unter den Folgen ihres damaligen Aufenthalts leiden - sollte der Bundestag dem Votum des Runden Tisches folgen und ein entsprechendes Gesetz verabschieden, werden diese Betroffenen nach einer entsprechender Einzelfallprüfung entschädigt.

Die Vertreter der ehemaligen Heimkinder am Runden Tisch haben dieser Regelung zugestimmt, der Verein ehemaliger Heimkinder dagegen lehnt ihn ab. Er hält den Abschlussbericht des Runden Tisches für eine Farce und verlangt eine pauschale Entschädigung von 300 Euro monatlich beziehungsweise eine Einmalzahlung von 54.000 Euro. Zur Not werde man bis vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ziehen, kündigte die Vereinsvorsitzende Monika Tschapek-Günter an.

Interview: EKD-Kirchenamtspräsident Anke erkennt Verantwortung für erfahrenes Leid an (DLF)



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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:39 Uhr