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Ein Handschlag für den Neuen

Merkel und Hollande streben gute Kooperation an

Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident François Hollande (picture alliance / dpa)
Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident François Hollande (picture alliance / dpa)

Der gute Wille ist vorhanden: Bei ihrem ersten Treffen haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und der neue französische Präsident François Hollande die gemeinsame Verantwortung ihrer Länder für Europa betont. Dass man verschiedenen Parteifamilien angehöre, stehe einer guten Zusammenarbeit nicht im Weg, betonte die deutsche Regierungschefin.

<p>Während Nicolas Sarkozy die deutsche Regierungschefin stets mit Wangenküssen begrüßt hatte, gab es zwischen Hollande und Merkel zum Auftakt der militärischen Ehren nur einen nüchternen Handschlag. Beide präsentierten sich nach dem gut einstündigem Gespräch aber demonstrativ gut gelaunt den Journalisten im Kanzleramt. Man zeigte sich versöhnlich: Hollande sagte, es gehe um Vertrauen und die Kontinuität der deutsch-französischen Beziehungen. Beide Politiker kündigten an, auf dem EU-Sondergipfel am 23. Mai Vorschläge für eine europäische Wachstumsstrategie zu machen: "Es wird sehr wichtig sein, dass Deutschland und Frankreich dann gemeinsame Ideen präsentieren", so Merkel. Beide sprachen sich zudem für einen Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone aus. <br /><br />Hollande betonte aber auch die Differenzen. So ließ er offen, ob er der Ratifizierung des Fiskalpakts für eine straffere Haushaltsdisziplin zustimmen werde. Erst müssten alle Vorschläge für Wachstum in Europa auf den Tisch gelegt und ihre rechtliche Umsetzung geprüft werden. Der Sozialist forderte als ein Element einer <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="205505" text="europäischen Wachstumsstrategie" alternative_text="europäischen Wachstumsstrategie" /> erneut die von Deutschland abgelehnten Eurobonds, also die gemeinschaftliche Ausgabe von Staatsanleihen der Euro-Staaten.<br /><br />Hollande war erst wenige Stunden vor dem Treffen in Paris in sein Amt eingeführt worden. Dort wird er heute unter anderem die Zusammensetzung der künftigen französischen Regierung bekanntgeben. Es wird erwartet, dass sie zur Hälfte aus Frauen bestehen wird. Zuvor hatte er in Paris von seinem Vorgänger Nicolas Sarkozy die Staatsgeschäfte übernommen und den ehemaligen Deutschlehrer Jean-Marc Ayrault zum Regierungschef ernannt - ein Signal auch an die Bundeskanzlerin.<br /><br /></p><p><strong>Merkel will keine teuren Konjunkturprogramme</strong></p><p>Bei seiner Antrittsrede als neuer Präsident Frankreichs hatte Hollande erneut seine Forderung nach neuen Wachstumsimpulsen für Europa bekräftigt. Er werde die europäischen Partner drängen, die Ziele der Haushaltskonsolidierung mit wirtschaftlichen Anreizen zu kombinieren. Sein Mandat bestehe darin, ein unter seiner Schuldenlast ächzendes Frankreich wirtschaftlich wieder aufzurichten und in Europa einen neuen Weg aufzuzeigen, sagte er anschließend. Solche Worte dürften Angela Merkel gar nicht gefallen. Schon während des französischen Präsidentschaftswahlkampfs waren Differenzen zwischen ihr und Hollande aufgebrochen. Hollande hatte gefordert, angesichts der Euro-Krise den europäischen Fiskalpakt mit seinen harten Sparauflagen neu zu verhandeln und um eine Wachstumsinitiative ergänzen. Zwar ist Merkel grundsätzlich zum Verhandeln bereit - teure Konjunkturprogramme auflegen will sie aber keinesfalls.

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:52 Uhr