Ein Toter nach Explosion in französischer Atomanlage

Atomsicherheitsbehörde erklärt Unfall für beendet

Feuerwehr und Polizei stehen vor einem Gebäude der Atomanlage im französischen Marcoule. (picture alliance / dpa / Jacques Willocq)
Feuerwehr und Polizei stehen vor einem Gebäude der Atomanlage im französischen Marcoule. (picture alliance / dpa / Jacques Willocq)

Bei der Explosion eines Ofens im Atomanlagen-Komplex Marcoule in Südfrankreich ist ein Arbeiter getötet worden. Vier weitere Menschen wurden verletzt. In der Anlage werden abgebrannte Brennstäbe aufbereitet und schwach radioaktive Abfälle verbrannt und eingeschmolzen.

Vier Stunden nach dem Vorfall erklärte die französische Atomsicherheitsbehörde ASN den Unfall für abgeschlossen, berichtete Johannes Duchrow im Deutschlandradio Kultur. Es habe keine radioaktive Verseuchung gegeben, weder innerhalb noch außerhalb der Anlage. Insgesamt habe es eine Stunde gedauert, bis die Feuerwehr den Brand unter Kontrolle bringen konnte, der wegen der Explosion eines Schmelzofens entstanden sei. Ein Arbeiter wurde bei dem Unfall getötet, vier weitere Menschen sind verletzt worden.

Es sollten vier Tonnen sehr schwach radioaktiver, metallischer Abfälle in dem Ofen geschmolzen werden, berichtete Wissenschaftsjournalistin Dagmar Röhrlich im Deutschlandfunk.

Die Behörden hatten nach dem Vorfall eine Sicherheitszone um die Anlage eingerichtet. "Es handelt sich um einen Industrieunfall, nicht um einen Atomunfall", sagte ein Sprecher des staatlichen Stromkonzerns EDF, dessen Tochterunternehmen Socodei die Anlage betreibt.

Standort zur Brennstäbe-Aufbereitung

Atomkraftwerk MarcouleDie Anlage in Marcoule wird für die Aufbereitung abgebrannter Brennstäbe genutzt. Sie ist der wichtigste Produktionsort für das hoch gefährliche Uran-Plutonium-Gemisch MOX, das aus abgebrannten Uran-Brennstäben hergestellt wird.

Frankreich ist der größte Atomstromproduzent in Europa und unterhält 58 Reaktoren. Die konservative Regierung von Präsident Nicolas Sarkozy hält auch nach dem Unfall von Fukushima an der Atomkraft fest und verweist auf die angebliche Sicherheit französischer Atomkraftwerke.

Jahrzehnte stand Marcoule, 140 Hektar Gelände, besiedelt mit strikt bewachten Kernreaktoren, Labors, Forschungseinrichtungen, im Dienst der Atombombe. Inmitten einer 50 Meter hohen Betonhalle thront der G2 genannte Graphit-Gas-Reaktor, kreisrund, gigantisch. Er produzierte das Plutonium für die ersten Atombomben.

2009 kam es in der südfranzösischen Atomanlage Tricastin zu einer
Serie von Störfällen. Doch während in Deutschland vergleichbare Zwischenfälle heftige Diskussionen auslösen, ging man in Frankreich schnell zur Tagesordnung über.

Mehr zum Thema auf dradio.de:
Sammelportal - Atomkraft

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:44 Uhr