“Eine andere Welt ist möglich”

Weltsozialforum in Tunis eröffnet

Tunis, erster arabischer Gastgeber eines Weltsozialforums (picture alliance / dpa / Mundil Stanislav)
Tunis, erster arabischer Gastgeber eines Weltsozialforums (picture alliance / dpa / Mundil Stanislav)

Das größte Treffen von Alternativen und Aktivisten ist zum ersten Mal in einem arabischen Land zu Gast. In der tunesischen Hauptstadt wollen rund 30.000 Teilnehmer über Alternativen zum Kapitalismus beraten - und auch die "Jasminrevolution" in Tunesien wiederbeleben.

Zum Auftakt des Weltsozialforums zogen Frauen zu einem Protestmarsch durch Tunis, um auf die Gefährdung ihrer Rechte aufmerksam zu machen. "Wir wollen im neuen Tunesien eine Stimme der Revolution sein und nicht der unterdrückten Freiheit", teilten die Organisatorinnen mit. Man wende sich gegen "jede Form von Fundamentalismus", der Frauen zu beherrschen trachte.

Eine Debatte über Frauenrechte stand auch im Mittelpunkt des ersten Veranstaltungstages. Viele Delegierte beklagen Diskriminierungen in ihren Ländern, unter anderem in Tunesien und Ägypten. An dem fünftägigen Treffen nehmen Aktivisten aus aller Welt teil. Das Spektrum reicht von Menschenrechtsvertretern und Umweltschützern bis hin zu Studenten und Ureinwohnergruppen. Der Gipfel steht diesmal unter dem Motto "Würde", ein Kernbegriff aus dem politischen Umbruch seit 2011 in mehreren arabischen Ländern. 2001 wurde das Weltsozialforum als Gegenveranstaltung zum Wirtschaftsforum in Davos aus der Taufe gehoben.

Gastgeber Tunesien im Fokus

Die Gewerkschaften im Gastgeberland Tunesien hoffen auf einen neuen Aufbruch durch den Gipfel. Der Generalsekretär des Dachverbandes UGTT sagte, man werde nicht zurückkehren zu "Unterdrückung und Diktatur". In Tunesien läuft der Demokratisierungsprozess langsamer als gedacht. Die neue, seit März amtierende Regierung unter Ali Larayedh plant, noch in diesem Jahr die neue Verfassung fertigzustellen und Wahlen abzuhalten – was ursprünglich für 2012 geplant gewesen war.

Moheddine Cherbib, einer der Organisatoren des Gipfels, ist voller Zuversicht für die kommende Woche: "Das Forum ist eine großartige Chance, unsere politischen und gesellschaftlichen Fragen in Tunesien mit Menschen aus der ganzen Welt zu diskutieren und diese Revolution in einen größeren Zusammenhang zu stellen." Ein solcher Austausch wäre dort noch vor einigen Jahren völlig undenkbar gewesen, sagte Cherbib im Interview mit unserem Korrespondenten Alexander Göbel.

Deutschland unterstützt den Wandel in Tunesien mit einer Transformationspartnerschaft, die mehr als 100 Projekte umfasst, etwa zur Berufsausbildung junger Leute. 2012 summierte sich die deutsche Unterstützung einschließlich einer Schuldenumwandlung laut Auswärtigem Amt auf 267 Millionen Euro.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:08 Uhr