Eine umstrittene Entscheidung und eine undichte Stelle in Oslo

EU erhält Friedensnobelpreis

Von Tim Krohn, ARD-Studio Stockholm

Die EU ist jetzt Friedensnobelpreisträger. (AP)
Die EU ist jetzt Friedensnobelpreisträger. (AP)

Es sei ein einstimmiger Beschluss und unterm Strich sei die Entscheidung auch überhaupt nicht schwer gewesen. Das sagte der Vorsitzende des Nobelkomitees, der frühere norwegische Ministerpräsident Thorbjörn Jagland, noch heute morgen in einem Interview.

Kurz danach sickerte dann bereits durch, dass die Europäische Union den Friedensnobelpreis 2012 erhalten wird.

Die Jury begründet ihre Entscheidung mit sechs Jahrzehnten Demokratie, Versöhnung und Menschenrechten. Europa sei heute ein Kontinent des Friedens. Besonders die Aussöhnung zwischen Deutschland und Frankreich nach dem Zweiten Weltkrieg erwähnte Jagland immer wieder. Er wies auch auf den Beitritt und die Integration osteuropäischer Länder nach dem Fall der Mauer hin.

Die EU – so Jagland – kämpfe derzeit mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten und sozialen Unruhen. Man wolle trotzdem den Blick auf den wichtigsten Erfolg der Union lenken: den erfolgreichen Kampf für den Frieden und die Demokratie.

Das Osloer Nobelkomitee hat mit ihrer Entscheidung in diesem Jahr viele Beobachter überrascht, obwohl die EU schon seit Jahren immer wieder als möglicher Preiskandidat gehandelt wurde.

Heute muss da obendrein noch in den letzten Stunden vor der Bekanntgabe etwas richtig schief gegangen sein: Das norwegische Fernsehen meldete schon eine Stunde VOR der Bekanntgabe, dass die EU den Preis erhält. So etwas hat es in der über einhundertjährigen Geschichte der Nobelpreise in dieser Form noch nicht gegeben.

Eine umstrittene Entscheidung und eine undichte Quelle in Oslo – es wird sicher einiges zu diskutieren geben heute.

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:59 Uhr