Einigkeit gegen Antisemitismus

Westerwelle ruft zum Kampf gegen Judenhass auf - Dieter Graumann zum Vizepräsidenten gewählt

Guido Westerwelle und Dieter Graumann (picture alliance / dpa / Laszlo Beliczay)
Guido Westerwelle und Dieter Graumann (picture alliance / dpa / Laszlo Beliczay)

Alle Redner vor dem Jüdischen Weltkongress in Budapest sprechen sich gegen Antisemitismus aus - in ihrer Deutlichkeit unterscheiden sie sich allerdings sehr. Enttäuschung hat vor allem Ungarns Regierungschef ausgelöst.

Mit der Wahl des Versammlungsortes wollte der Jüdische Weltkongress ein Zeichen setzen – gegen erstarkenden Judenhass. Der Dachverband der jüdischen Gemeinden und Organisationen außerhalb Israels tagt derzeit in Ungarns Hauptstadt Budapest. In dem Land wurden zuletzt immer wieder antisemitische Stimmen laut.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sprach in seiner Gastrede ausdrücklich die rassistische Stimmung in Ungarn an. Er rief zum Kampf gegen Judenfeindlichkeit auf: "Antisemitismus hat keinen Platz, weder in Berlin, noch in Budapest, noch sonst wo in Europa oder der Welt." Europa sei mehr als ein gemeinsamer Markt, Europa sei eine Wertegemeinschaft, sagte Westerwelle. Nach seiner Rede erhoben sich die Mitglieder des Weltkongresses zum Applaus.

Enttäuschung über Orban

Westerwelle plädierte für bessere rechtliche Möglichkeiten der Europäischen Union, um Rassismus in den Mitgliedsstaaten zu bekämpfen. Es gebe kein Werkzeug, das wir benutzen könnten, wenn besorgniserregende Entwicklungen in einer Regierung oder einem Land beginnen.

Der ungarische Regierungschef Viktor Orban hatte vor dem Jüdischen Weltkongress gesagt, Judenfeindlichkeit sei untragbar und nicht hinnehmbar. Dennoch enttäuschte er viele der Anwesenden. Sie hatten erwartet, dass Orban ausdrücklich die rechtsextremen Partei Jobbik verurteilen würde. Das jedoch tat er nicht.

"Wir bedauern, dass Herr Orban keine der jüngsten antisemitischen oder rassistischen Vorfälle in dem Land thematisiert hat", hieß es vom Jüdischen Weltkongress. Außerdem habe er keine klare Grenze zwischen seiner Regierung und dem ganz rechten Rand gezogen.

Am Wochenende waren Hunderte Menschen in Budapest einem Aufruf der Jobbik-Partei gefolgt und hatten gegen das Treffen des WJC-Plenums in Ungarn protestiert. Dabei waren erneut hetzerische Sprüche zu hören. Die rechtsextreme und offen antisemitische Partei Jobbik kam bei der Wahl 2010 auf 17 Prozent der Stimmen. Sie ist mit 43 von 386 Sitzen drittstärkste Kraft im Parlament.

Graumann wird Vizepräsident

Am zweiten Versammlungstag des Jüdischen Weltkongresses (WJC) haben die Delegierten heute unter anderem ihre Führungsgremien bestimmt. Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, wurde dabei zum Vizepräsidenten gewählt. Graumann sagte, er sei sich der Verantwortung sehr bewusst. Die weltweite Vernetzung und Zusammenarbeit sei besonders wichtig und der Zusammenhalt über Landesgrenzen hinweg eine jahrtausendealte jüdische Tradition.

Als Präsidenten bestätigten die mehr als 300 Delegierten aus 100 Staaten den US-Amerikaner Ronald S. Lauder in seinem Amt. Das WJC-Plenum findet alle vier Jahre statt. Das aktuelle Treffen endet am morgigen Dienstag.


Mehr zum Thema:

Regierung Orban distanziert sich zögerlich von Antisemiten- Vor dem Jüdischen Weltkongress in Budapest
Jung, jüdisch, ungarisch - Neue Generation lässt Ungarns jüdisches Leben aufblühen
Die Idee eines jüdischen Staates- Der Zionismus von den Anfängen bis zur Gegenwart

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:10 Uhr