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Einmarsch deutscher Truppen

Juni 40 - Der Revanchekrieg gegen Frankreich, Teil 6

Von Jörg Hafkemeyer

Hitlers Hakenkreuzfahne flatterte vom Eiffelturm. (AP-Archiv)
Hitlers Hakenkreuzfahne flatterte vom Eiffelturm. (AP-Archiv)

"Die Kirchenglocken läuteten heute wieder. Sie läuteten anlässlich der Meldung vom Einmarsch deutscher Truppen in Paris", berichtet der CBS-Radiokorrespondent William Shirer.

Großdeutscher Rundfunk: "Der Franzose ist nicht mehr in der Lage dem vorwärts stürmenden deutschen Heer eine wirkungsvolle Abwehr entgegen zu stellen. Die Panzer-Korps marschieren in einfacher Kolonne auf der Landstraße vor. Das Tempo des Vormarsches hat sich jetzt verdreifacht. An einem Tag gelangen die Panzer von der Marne bis zur Seine."

Frankreich. Der Raum von Paris. Mitte 1940. Der Großdeutsche Rundfunk berichtet über den Vormarsch Richtung französische Hauptstadt. Der CBS-Radiokorrespondent William Shirer meldet sich für seine Hörer:

"”Hello America, this is Berlin.”"

Shirer: "”Die Kirchenglocken läuteten heute wieder. Sie läuteten anlässlich der Meldung vom Einmarsch deutscher Truppen in Paris. Und die Hakenkreuzfahne von Adolf Hitlers Drittem Reich flattert heute Abend vom Eiffelturm über der Seine und über jenem Paris, das so viele von uns kannten oder kennen zu lernen hofften oder sehen wollten, bevor wir sterben. Deutsche Truppen in grauer Kluft stampfen durch die Straßen, über die Champs- Elysees, den Grand Boulevard, durch die Avenue de l`Opera, über die Place de la Concorde.""

Paris an diesem Tag, dem 14. Juni 1940. Sofka Zinovieff ist noch immer in der Stadt. Nicht geflohen. Schreibt alles auf, was sie sieht, hört: Die Deutschen marschieren ein.

Sofka Zinovieff: "Ging zum Boulevard, um sie mir anzuschauen - sie sehen jung und stark aus, nicht verzagt und erschöpft, wie die Unseren – Sie lächelten und warfen Kusshände in die Menge. Einige Leute zeigten sich empfänglich und wechselten sogar ein paar Worte mit ihnen, wenn sie anhielten; die meisten aber starrten die Soldaten schweigend und feindselig an. Hier und da brach eine Frau in Tränen aus."

OKW-Meldung: "Der vollständige Zusammenbruch der ganzen französischen Front zwischen dem Ärmelkanal und der Maginot-Linie bei Montmedy hat die ursprüngliche Absicht der französischen Führung, die Hauptstadt Frankreichs zu verteidigen, zunichte gemacht. Paris ist infolgedessen zur offenen Stadt erklärt worden. Soeben findet der Einmarsch der siegreichen deutschen Truppen in Paris statt."

Berlin. Das Hotel Adlon. Der Innenhof. William Shirer, der amerikanische Radiokorrespondent, isst zu Mittag, erzählt später seinen Zuhörern was er erlebt.

Shirer: "Die meisten der Gäste drängelten sich um den Lautsprecher, um die Nachrichten zu hören. Mit einem zufriedenen Lächeln, jedoch ohne übermäßige Aufregung kehrten sie dann aber an ihre Tische zurück, und jeder beschäftigte sich wieder mit seinem Essen. Tatsächlich nahm Berlin die Einnahme von Paris genauso phlegmatisch hin wie alles andere in diesem Krieg. Später am Nachmittag ging ich in ein beliebtes Strandbad. Es war gut besucht, aber ich hörte niemanden über die Nachrichten sprechen, und von 500 Leuten haben nur drei ein Extrablatt gekauft."

Der gleiche Nachmittag. Die junge Sofka Zinovieff in Paris läuft zur Champs Elysees. Später schreibt sie auf.

Sofka Zinovieff: "Die Deutschen spazierten auf und ab oder saßen in den wenigen geöffneten Kaffeehäusern, als ob sie die Hausherren wären- und sprachen Mädchen an. Die Hakenkreuzfahne wehte vom Eiffelturm, vom Arc de Triomphe. Von der Admiralität vom Hotel Crillon."

Anders als Sofka Zinovieff ist der Kaufmann Karl Reichenbach aus Paris wie viele andere Einhundertausende vor der Wehrmacht geflüchtet. Er ist auf dem Weg nach Poitiers, kommt nur langsam voran.

Karl Reichenbach: "Heute Morgen zitterte der Boden unter unseren Füßen durch die heftigen Explosionen von Hunderten von Bomben. Offensichtlich fielen sie näher von uns und schwerer als je. Es besteht kein Zweifel, dass es sich um Poitiers handelt, welches so massiv angegriffen wird.

Das höllische Feuer, das sich über die kleine Stadt ganz nahe vor unserer Unterkunft ergossen hat, muss erhebliche Teile von ihr eingeäschert haben. Diese Vorstellung ist entsetzlich, grauenvoll; der Mensch ist ein Raubtier."

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:36 Uhr