Startseite > zu klären > Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts > Beitrag vom 27.09.2012

Einsatz gegen Gewalt an Mensch und Umwelt geehrt

"Right Livelihood Award" geht an Preisträger in Türkei, USA, Großbritannien und Afghanistan

Das undatierte Foto zeigt Sima Simar im Gespräch mit afghanischen Frauen (Right Livelihood Award Foundation / Pressefoto)
Das undatierte Foto zeigt Sima Simar im Gespräch mit afghanischen Frauen (Right Livelihood Award Foundation / Pressefoto)

Die afghanische Ärztin Sima Samar gehört zu den vier Trägern des Alternativen Nobelpreises 2012. Sie wird für ihren Mut und ihre Entschlossenheit in einer der instabilsten Regionen der Welt geehrt.

Eine weitere Auszeichnung erhält der US-Wissenschaftler Gene Sharp, der Strategien für den gewaltlosen Widerstand entwickelt hat, und die britische Kampagne CAAT gegen Waffenhandel. Der Ehrenpreis geht an den türkischen Umweltschützer und Mitgründer der Umweltbewegung Hayrettin Karaca. Die Preisverleihung findet im Dezember in Stockholm statt.

"Preis für die richtige Lebensführung"

Der als Alternativer Nobelpreis bekannte "Right Livelihood Award" ("Preis für richtige Lebensführung") soll Menschen und Organisationen ehren, die "praktische und beispielhafte Antworten zu den dringendsten Herausforderungen unserer Zeit" gefunden haben.

Die nach dem Preis benannte Stockholmer Stiftung zeichnet Leistungen aus den Bereichen Umweltschutz, Menschenrechte, Frieden, Armutsbekämpfung, Kultur sowie nachhaltige Technologien und Wirtschaftsmodelle aus.

Die Preisträger im Einzelnen:

Sima Simar gilt als "Ärztin der Armen", Vorkämpferin für die Ausbildung von Menschen am Rand der Gesellschaft, Verfechterin der Gleichberechtigung von Frauen und Verteidigerin der Menschenrechte für alle. Die 1957 geborene Afghanin hat die Shuhada-Organisation gegründet, die über hundert Schulen sowie 15 Krankenhäuser und Ambulanzen betreibt. Samar war Ministerin in der Übergangsregierung Afghanistans 2001. Seit 2002 ist sie Vorsitzende der unabhängigen Menschenrechtskommission von Afghanistan. Dies sei "ein Engagement, das sie ständiger Lebensgefahr aussetzt", schreibt die Stockholmer Preisstiftung.

Als Machiavelli der Gewaltlosigkeit feiern die Stockholmer Preisjuroren den 84 Jahre alten US-Politikwissenschaftler Gene Sharp. Seine Studien zum gewaltfreien Widerstand seien im Dschungel von Burma genauso angewandt worden wie auf dem Kairoer Tahrir-Platz. Als 25-Jähriger ging Sharp für Kriegsdienstverweigerung während des Korea-Krieges ins Gefängnis. 1983 gründete er in Boston das Albert-Einstein-Institut zur Erforschung gewaltfreier Aktions- und Widerstandsformen. Er hat auch Regierungen darüber beraten, wie man gewaltlosen Widerstand bei einer militärischen Invasion organisieren könnte.

Die Organisation Kampagne gegen Waffenhandel (CAAT) setzt sich seit ihrer Gründung 1974 für einen Stopp von Großbritanniens Waffenexporten ein. Dank CAAT habe "das öffentliche Bewusstsein für den Waffenhandel zugenommen", meinen die Stockholmer Juroren für den Alternativen Nobelpreis. Die Gruppe habe erreicht, dass britische Exportsubventionen für Waffenfirmen zurückgegangen seien, und sie habe erfolgreich Druck auf Institutionen ausgeübt, die in Waffen exportierende Unternehmen investieren.

Der türkische Umweltaktivist Hayrettin Karaca (Right Livelihood Award Foundation / Pressefoto)Der türkische Umweltaktivist Hayrettin Karaca (Right Livelihood Award Foundation / Pressefoto)Hayrettin Karaca gilt als "der Großvater der türkischen Umweltbewegung". Der 90-Jährige wurde als erfolgreicher Geschäftsmann zum führenden Pädagogen und Aktivisten für Umweltschutz in der Türkei, nachdem er erfolgreich ein Textilunternehmen aufgebaut hatte. Sein Umweltengagement begann in der 1970er Jahren, als Karaca immer mehr Alarmsignale wie die Bodenerosion mit eigenen Augen sah. "Karaca wollte dies nicht schweigend hinnehmen und begann, die Situation zu dokumentieren und Behörden und Öffentlichkeit vor der Bedrohung der Natur zu warnen", schreibt die Stockholmer Stiftung. Karaca hat zwei nationale Fernsehprogramme und diskutiert besonders gern mit Kindern über Umweltprobleme.

Kritik am traditionellen Nobelpreis

Schwedisches Parlament in Stockholm: Hier werden im Dezember die Alternativen Nobelpreise verliehen (picture alliance / dpa / Kay Nietfeld)Schwedisches Parlament in Stockholm: Hier werden im Dezember die Alternativen Nobelpreise verliehen (picture alliance / dpa / Kay Nietfeld)Die Alternativen Nobelpreise werden seit 1980 jeweils kurz vor der Bekanntgabe der traditionellen Nobelpreise vergeben. Sie sind entweder mit jeweils 50.000 Euro dotiert oder undotierte Ehrenpreise. Bisher wurden 149 Preisträger aus 62 Ländern ausgezeichnet.

Die Stiftung Right Livelihood Award Foundation wurde vom deutsch-schwedischen Publizisten Jakob von Uexküll gegründet und gilt als den Grünen nahestehend. Von Uexküll wollte eine Alternative zu den traditionellen Nobelpreisen schaffen, die nach seiner Meinung zu sehr die Interessen der reichen Welt widerspiegeln und deren Vergabepraxis immer wieder in die Kritik gerät. Zur Startfinanzierung setzte der heute 68-Jährige den Erlös aus dem Verkauf seiner Briefmarkensammlung ein.



Mehr bei deutschlandradio.de

Links bei dradio.de:

Gedenke zu leben

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:58 Uhr