Startseite > _Archiv > Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts > Beitrag vom 13.04.2006

El Baradei hofft auf diplomatische Lösung im Atomkonflikt

China entsendet Diplomaten in den Iran

IAEA-Chef Mohammed el Baradei in Teheran (AP)
IAEA-Chef Mohammed el Baradei in Teheran (AP)

Der Chef der Internationalen Atomenergie-Behörde, Mohamed el Baradei, hat in Teheran erste Verhandlungen mit Regierungsvertretern geführt. Nach einem Treffen mit dem Vorsitzenden der iranischen Atomenergiebehörde äußerte sich dessen Sprecher zufrieden mit dem Verlauf der Verhandlungen. El Baradei will das Regime nach eigenen Angaben dazu bringen, die Forderungen der internationalen Gemeinschaft zu erfüllen und vertrauensbildende Maßnahmen zu ergreifen.

Bis Ende April soll seine Behörde dem UNO-Sicherheitsrat einen Bericht über das Nuklearprogramm der Islamischen Republik vorlegen. Das Gremium hatte Ende März in einer nicht bindenden Erklärung einen Stopp des iranischen Atomprogramms verlangt.

Unterdessen kündigte ein Sprecher der chinesischen Regierung in Peking an, bereits am Donnerstag einen Diplomaten nach Teheran zu entsenden. Sein Land hoffe, dass keine der Konfliktparteien die Situation durch ihr Verhalten eskalieren lasse.

Iran will Uran-Anreicherung ausweiten


Die iranische Führung hatte am Mittwoch angekündigt, die gerade begonnene Uran-Anreicherung auszuweiten. Derzeit werde nur mit 164 Zentrifugen gearbeitet, sagte der stellvertretende Leiter der iranischen Atombehörde, Mohammad Saidi, im staatlichen Fernsehen. In Kürze würden 54.000 eingesetzt.

Die USA forderten den Sicherheitsrat zu weiteren Schritten auf. Falls der Iran nicht einlenke, werde sich Washington für eine Resolution einsetzen, in der Teheran eine Bedrohung des Friedens vorgeworfen werde, erklärte der amerikanische UNO-Botschafter John Bolton in New York.

Konfliktforscherin: Teheran als Verhandlungspartner annehmen


Der Präsident des Iran, Mahmud Ahmadinedschad, spricht in Mashhad, eine der sieben heiligen Stätten des schiitischen Islams. (AP)"Ich gebe offiziell bekannt, dass Iran der Gruppe der Länder beigetreten ist, die Nukleartechnologie haben" - der iranische Präsident Mahmud Ahmadinejad. (AP)Die Rüstungsexpertin der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, Annette Schaper, warnte davor, die iranische Regierung mit Waffengewalt zum Einlenken im Atomstreit zwingen zu wollen. Dies hätte einen jahrzentelangen Krieg in der Region zur Folge. Wer ernsthaft verhandeln wolle, müsse das Regime in Teheran als Verhandlungspartner akzeptieren, "so schlimm es auch ist", sagte Schaper im Deutschlandfunk.

Unionspolitiker hoffen auf diplomatische Lösung


Der außenpolitische Sprecher der Unions-Fraktion, Eckart von Klaeden, setzt weiter auf eine diplomatische Lösung des Streits über die iranische Atompolitik. Allerdings sei die Lage sehr ernst, und die internationale Gemeinschaft müsse den Druck auf Teheran aufrechterhalten, sagte von Klaeden im Deutschlandfunk.

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:16 Uhr