"Enttäuschend, ernüchternd und entlarvend"

Klima-Konferenz von Durban endet ohne eine Festlegung auf Reduktionsziele

Klimakonferenz in Durban (dpa / picture alliance / Nic Bothma)
Klimakonferenz in Durban (dpa / picture alliance / Nic Bothma)

Opposition und Umweltschützer kritisieren das Ergebnis des Klimagipfels. Zum Abschluss hatte die EU einen Fahrplan zu einem Weltklimavertrag durchgesetzt. Das Abkommen soll bis 2015 erarbeitet werden und 2020 in Kraft treten.

Dies soll auch die Klimaziele von Staaten erfassen, die nicht das Kyoto-Protokoll unterschrieben haben. Dazu zählen die USA, China und Indien. Ob das Abkommen mit dem Kyoto-Prozess zusammengefasst wird, ist offen.

Die Delegierten brauchten einen Tag länger als geplant und das Schlussplenum dauerte bis um fünf Uhr am Sonntagmorgen: Nach zwei Wochen kam der Klimagipfel in Südafrika doch noch zu einer Einigung, berichtet Georg Ehring im Deutschlandfunk.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) wertete dies als "großen, wegweisenden Erfolg für den Klimaschutz". Man hätte jetzt "das Fundament und die Dynamik für ein internationales Klimaschutzabkommen, das erstmalig für alle gilt". Ein Nachfolgeabkommen des Kyoto-Protokolls soll erst bei der nächsten Klimakonferenz in Katar 2012 ausgearbeitet werden. Dort müssen die Reduktionsziele der einzelnen Länder in das Abkommen geschrieben werden.

Die Vereinbarung über die Reduktion von Treibhausgasen könnte dann ab 2013 greifen. Die Delegierten ließen jedoch offen, ob die nächste Verpflichtungsperiode bis 2017 oder bis 2020 andauern soll. Ein "Grüner Klimafonds" soll dazu beitragen, ab 2020 jährlich 74 Milliarden Euro für Entwicklungsländer bereitzustellen, damit sie sich an die Folgen des Klimawandels anpassen können. Zudem werden damit klimafreundliche Projekte unterstützt.

"Enttäuschend, ernüchternd und entlarvend" nannte Grünen-Chefin Claudia Roth die Ergebnisse des Gipfels. Sie forderte Röttgen auf, zu einer Konferenz einzuladen, die die Beschleunigung des Klimaschutzes verbindlich mache. Auch SPD und Linkspartei ließen kaum ein gutes Haar an den Ergebnissen der Konferenz, berichtet Wolfgang Labuhn im Deutschlandradio Kultur

Umweltschützer und Entwicklungsorganisationen reagierten enttäuscht auf die Beschlüsse. Greenpeace kritisierte, die Staatengemeinschaft sei ein weiteres Mal eine Antwort auf die dringende Klimafrage schuldig geblieben. Mit einem solch schwachen Klimavertrag werde das Ziel verfehlt, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen.

Der Naturschutzbund Deutschland nannte das Ergebnis unbefriedigend. Die Verantwortung dafür trügen Blockadestaaten wie die USA und Kanada. Die Hilfsorganisation Oxfam sowie "Brot für die Welt" und der Evangelische Entwicklungsdienst sprachen zwar von Fortschritten, beklagten aber einen Mangel an konkreten Klimaschutzzusagen.

Die Europäer gestatteten einen großzügigen Zeitrahmen und perfekte Schlupflöcher, meint Werner Eckert in seinem Kommentar in Deutschlandradio Kultur. Der Preis für das Abkommen von Durban sei hoch, denn die Folgen seien dramatisch: In diesem Jahrzehnt passiere beim Klimaschutz nichts Konkretes mehr.


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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:46 Uhr