Erdogan: Syrien hat "rote Linie" der USA längst überschritten

Türkei drängt auf Flugverbotszone in Syrien

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan in Ankara (AP)
Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan in Ankara (AP)

Das syrische Regime soll 200 Raketen auf seine Gegner abgefeuert haben. Davon waren einige auch mit Chemiewaffen ausgestattet, so der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan. Ankara unterstützt in dem Konflikt die syrische Opposition.

"Es ist klar, dass das Regime chemische Waffen und Raketen eingesetzt hat", sagte Erdogan dem US-Sender NBC. Nach Angaben unseres Geheimdienstes haben sie etwa 200 Raketen eingesetzt", so der Regierungschef. Offen ließ Erdogan aber, ob alle 200 Raketen mit Chemiewaffen ausgestattet waren. Einzelheiten oder Zeitpunkt des angeblichen Einsatzes nannte er nicht. Erdogan verwies auf Teile von Raketen, die man gefunden habe und die auf eine Bewaffnung mit Kampfstoffen schließen ließen. Außerdem seien bei verletzten syrischen Flüchtlingen entsprechende Symptome festgestellt worden. "Es wurden Patienten in unsere Krankenhäuser gebracht, die durch diese chemischen Waffen verletzt worden waren", sagte Erdogan.

Erdogan: USA soll mehr Verantwortung übernehmen

Die USA hatten Staatschef Assad wiederholt vor dem Einsatz chemischer Waffen gewarnt: Präsident Barack Obama hatte den Einsatz von chemischen Waffen durch die syrische Regierung als "rote Linie" bezeichnet und dem Assad-Regime mit schwerwiegenden Konsequenzen gedroht. Ihr Einsatz ist weltweit verboten. Auf die Frage, ob diese Line nun überschritten sei, sagte Erdogan: "Sie wurde schon vor langer Zeit überschritten." Zugleich forderte er die US-Regierung auf, in dem Konflikt "mehr Verantwortung zu übernehmen und weitere Schritte zu unternehmen". Darüber wolle er mit Obama bei einem Treffen in der kommenden Woche beraten. Die USA und Russland haben angekündigt, noch diesen Monat eine Syrienkonferenz einzuberufen. Die Türkei würde nach Worten von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan eine Flugverbotszone in Syrien unter Führung der USA unterstützen. Sein Land hätte von Anfang an "Ja" zu einem solchen Einsatz gesagt. Zugleich kündigte er an, die Informationen des türkischen Geheimdienstes dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zur Verfügung zu stellen. Ankara unterstützt in dem Konflikt die syrische Opposition.

Damaskus bestreitet, derartige Waffen benutzt zu haben. Den USA zufolge gibt es aber Hinweise für ihren Einsatz in Syrien. Allerdings sei unklar, welche Seite sie eingesetzt habe.

UNO-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay (picture alliance / dpa / Salvatore Di Nolfi)UNO-Hochkommissarin für Menschenrechte, Navi Pillay (picture alliance / dpa / Salvatore Di Nolfi)

UNO-Menschrechtskommissarin: "Blutvergießen stoppen"

Die Berichte über immer neue Massaker in Syrien haben jetzt die UNO-Menschenrechtskommissarin, Navi Pillay, auf den Plan gerufen. Es müsse endlich eine Lösung für den Konflikt gefunden werden, sagte Pillay am Freitag in Genf. Dabei müsse gewährleistet werden, dass die Verantwortlichen für schwere Menschenrechtsverletzungen bestraft würden. Dabei bezog sie sich ausdrücklich auf beide Konfliktparteien. Der UNO liegen Berichte vor, dass sowohl Rebellen als auch Regierungstruppen Massaker verüben. Besonders entsetzt zeigte sich Pillay über die Ermordung von Frauen und Kindern Anfang Mai in dem Dorf Al-Baidha südlich der Stadt Benias. Dabei sollen regierungsnahe Truppen Hunderte Menschen getötet haben.

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Leben und Sterben in Syrien
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Tag für Tag vom 10.05.2013

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:11 Uhr