Erfolge und Rückschläge in Fukushima

Trinkwasser, Gemüse und Meerwasser belastet

Die zerstörte Hülle des Reaktors 3 in Fukushima (dpa/Foto:/Video: Tepco)
Die zerstörte Hülle des Reaktors 3 in Fukushima (dpa/Foto:/Video: Tepco)

Die Rettungsversuche für das japanische Atomkraftwerk Fukushima gestalten sich weiter schwierig. Doch immerhin gibt es jetzt wieder Strom.

Nach Angaben der Regierung in Tokio ist die Lage im Atomkraftwerk Fukushima weiterhin kritisch. Der für die Atomaufsicht zuständige Industrieminister Kaieda sagte, es sei schwierig, von Fortschritten zu sprechen. Inzwischen wird der Reaktor drei des Kraftwerks wieder mit Wasser besprüht, nachdem dies gestern zum Schutz der Einsatzkräfte unterbrochen worden war.

Das Kernkraftwerk musste teilweise evakuiert werden, nachem Rauch und Dampf aus den Reaktorblöcken 2 und 3 aufgestiegen waren. In den Brennelementen von Block 3 befindet sich hochgefährliches Plutonium. Zugleich gab es aber auch eine Erfolgsmeldung: den Einsatzkräften gelang es, alle sechs Reaktoren wieder an die Stromversorgung anzuschließen.

Schlamperei vor der Katastrophe

Offenbar sind in dem Atomkraftwerk wichtige Sicherheitskontrollen vernachlässigt worden. Wie die Betreiberfirma Tepco mitteilte, hat sie dies Ende Februar in einem Schreiben an die Aufsichtsbehörde eingeräumt. Darin heißt es, dass regelmäßige Überprüfungen an vielen Ausrüstungsgegenständen unterblieben seien. Darunter seien auch Bestandteile der Notstromversorgung gewesen. Die Atomaufsicht habe Korrekturen angemahnt. Ein unmittelbares Risiko für die Sicherheit habe sie aber nicht gesehen.

Trinkwasser und Lebensmittel belastet

In der Region um das Katastrophen-AKW Fukushima steigt die Strahlengefahr für die Menschen zunehmend. Die japanische Regierung rief das Verbot Leitungswasser zu trinken für das Dorf Iitate aus, das innerhalb der 30-Kilometer-Zone um das AKW Fukushima liegt.

Ein Gemüsestand auf einem Wochenmarkt (Jan-Martin Altgeld)Bauern sollen freiwillig auf Verkauf verstrahlter Produkte verzichten. (Jan-Martin Altgeld)Die Radioaktivität wird auch zunehmend zum Problem für die Landwirtschaft in der Umgebung. In der Provinz Fukushima und den angrenzenden Gebieten wurde im Spinat radioaktives Jod gemessen, dessen Menge den Grenzwert um das 27-Fache übersteigt. Auch bei Milch aus der Umgebung wurde eine erhöhte Strahlenbelastung erreicht. Die Weltgesundheitsorganisation WHO in Genf äußerte sich besorgt über die Belastung von Lebensmitteln. Inzwischen gilt für vier Präfekturen ein Lieferverbot für Milch und Gemüse.

Auch das Meerwasser ist belastet. Es seien deutlich höhere Werte an radioaktivem Jod und Cäsium gemessen worden, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo. Der Kraftwerksbetreiber Tepco erklärte, es sei zu früh, um mögliche Folgen der Verseuchung auf die Fischerei zu beurteilen.

IAEA-Chef will neue internationale Richtlinien

Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde, Amano, hat nach der Havarie des japanischen Kernkraftwerks Fukushima neue Sicherheitsrichtlinien gefordert. Das internationale Rahmenwerk zur Reaktion auf Notfälle brauche eine Überarbeitung, sagte Amano auf einer Sondersitzung des Gouverneursrats der IAEA in Wien. Auch die Rolle seiner Organisation müsse geprüft werden. Die UNO-Behörde hat im Bereich der nuklearen Sicherheit nur wenig Kompetenzen.

EU will Sicherheitsstandards angleichen

Die Sicherheitsstandards für Kernkraftwerke sollen als Lehre aus der Atomkatastrophe in Japan europaweit angeglichen werden. Nach einem Sondertreffen der zuständigen Minister in Brüssel sagte Energiekommissar Oettinger, alle EU-Staaten seien bereit, gemeinsame Standards zu entwickeln. Berücksichtigt werden sollten Gefahren durch Erdbeben, Überflutungen, Flugzeugabstürze und Cyberattacken. Ein formeller Beschluss über die Ausarbeitung der neuen Standards soll möglicherweise noch in dieser Woche bei einem Treffen der Regierungschefs fallen. Die Teilnahme an den von Oettinger angeregten sogenannten Stresstests für Atomkraftwerke soll aber für die EU-Staaten auf der Basis einer freiwilligen Selbstverpflichtung geschehen.

Mahnwachen von Kernkraftgegnern

In Deutschland versammelten sich wieder tausende Atomkraftgegner zu Mahnwachen. Sie verlangten die endgültige Abschaltung aller Kernkraftwerke. Nach Angaben der Veranstalter beteiligten sich rund 140.000 Menschen an Mahnwachen in bundesweit rund 670 Kommunen. Für Samstag sind Großdemonstrationen in Berlin, Hamburg, München und Köln geplant.

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Optimistisch äußerte sich auch Sören Kliem, Leiter der Abteilung Störfallanalyse im Helmholtz-Zentrum Dresden. Kliem glaubt, dass in Fukushima das Schlimmste überstanden sein sollte.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:41 Uhr