Erinnern an Srebrenica

Gedenkfeier zu Massaker im Bosnienkrieg vor 17 Jahren

Bosnisch-muslimische Frauen trauern am Friedhof Potocari bei Srebrenica (picture alliance / dpa / Fehiim Demir)
Bosnisch-muslimische Frauen trauern am Friedhof Potocari bei Srebrenica (picture alliance / dpa / Fehiim Demir)

Sie gedenken eines der schlimmsten Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg: Mehrere tausend Menschen nehmen im bosnisch-herzegowinischen Srebrenica an einer Feierstunde teil.

Es ist alljährlich ein schwerer Gang für die Hinterbliebenen des Massakers, heute aber insbesondere für die Angehörigen oder Freunde von 520 erst jüngst zweifelsfrei identifizierten Opfern. Ihre Leichen wurden am Vormittag auf dem Friedhof der Gedenkstätte Potocari beigesetzt – dort liegen bereits 5137 weitere Tote begraben.

520 neuidentifizierte Opfer werden bestattet (picture alliance / dpa / Fehiim Demir)520 jüngst identifizierte Opfer werden bestattet (picture alliance / dpa / Fehiim Demir)Rund 8000 muslimische Jungen und Männer wurden im Juli 1995 während des Bosnienkrieges von bosnisch-serbischen Truppen gefangengenommen und getötet. Das passierte vor den Augen von 500 UN-Blauhelmsoldaten, die in Srebrenica stationiert waren, um den Flüchtlingen einen Zufluchtsort zu bieten. Angesichts der Übermacht von 15.000 Angreifern und einem fehlenden Mandat überließen die Niederländer die Zivilbevölkerung ihrem Schicksal. Der damalige bosnisch-serbische General Ratko Mladic muss sich mittlerweile vor dem Haager UN-Tribunal verantworten, unter anderem wegen des Massakers von Srebrenica.

Traumatisiert, auch heute

Das Ereignis wirke überall in der Region auch 17 Jahre später stark nach, sagte Marie-Janine Carlic, Professorin für Ost- und Südosteuropäische Geschichte an der Universität München im Deutschlandradio Kultur. "Die Angehörigen, aber auch die Gesellschaften insgesamt sind schwer traumatisiert." Allerdings werde Srebrenica in der politischen Debatte instrumentalisiert, etwa bei Reformbestrebungen an der Verfassung von Bosnien-Herzegowina.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:54 Uhr