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Erklärwerk: Mindestlohn

Von Stephan Beuting

Die Gewerkschaften fordern schon seit Langem den gesetzlichen Mindestlohn. (picture alliance / dpa - Patrick Pleul)
Die Gewerkschaften fordern schon seit Langem den gesetzlichen Mindestlohn. (picture alliance / dpa - Patrick Pleul)

Ob nun gesetzlicher Mindestlohn, oder marktwirtschaftlich organisierte Lohnuntergrenze - die Frage bleibt: Soll sich der Staat in die Lohnfindung einmischen? Es kommt auf die Perspektive an. Alles Wissenswerte zum Mindestlohn in 120 Sekunden, in unserem Erklärwerk.

Die Türkei hat sie, die USA haben sie und 20 der 27 EU-Mitgliedsstaaten auch: eine gesetzlich festgelegte Lohnuntergrenze, englisch: Minimum wage, zu deutsch einen Mindestlohn. In Frankreich gibt es den Mindestlohn bereits seit mehr als 60 Jahren, viele Staaten führten ihn in den 70ern ein, einige in der politischen Wendezeit um 1991. So weit die jeweiligen Zeitpunkte der Einführung, auseinanderliegen, genauso stark unterscheiden sich die Länder in Bezug auf die Höhe des jeweiligen Mindestlohnes. In Bulgarien und Lettland liegt er unterhalb der Zwei-Euro-Marke, in Luxemburg bei 10,16 Euro.

In Deutschland war eine Lohnuntergrenze in der Diskussion, die sich an der der Zeitarbeit ausrichten sollte: 7,01 Euro im Osten, 7,89 Euro im Westen. Nun scheint die Idee eines einheitlichen Mindestlohns vom Tisch. Stattdessen: viele Lohnuntergrenzen, je nach Branche.

Befürworter sehen im Mindestlohn eine Chance auf positive Kaufkraftanreize, menschenwürdigere Arbeitsbedinungen und einen Schutz gegen Lohndumping.

Kritiker befürchten Wettbewerbsnachteile für die Wirtschaft und eine negative Beeinflussung des Arbeitsmarktes.

Frage: Werden durch den Mindestlohn Arbeitsplätze vernichtet?

Deutschlandfunk-Wirtschaftsredakteur Gerhard Schröder: "Das kann im Einzelfall so sein, ich glaube aber nicht, dass das massenhaft geschehen wird. Dafür gibt es auch im europäischen Ausland keine Hinweise, wo Mindestlöhne seit vielen Jahren gelten. Auch in Deutschland finden wir dafür keine Hinweise. Hier gibt es ja Mindestlöhne für über vier Millionen Menschen. Dort hat es ganz im Gegenteil auch zur Stabilisierung jener Unternehmen geführt, die ordentliche Löhne zahlen. Also ich denke, das ist eine unbegründete Angst."

Zahl: 3,6 Millionen

So viele Menschen sind schätzungsweise von einer Neuregelung des Mindestlohns direkt betroffen. Laut dem Ergebnis einer Studie im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung liegt der Stundenlohn von 3,6 Millionen Menschen unter der Grenze von 7,50 Euro.

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:45 Uhr