Erlebnispark statt Protestzug

Kunstschau zum G8-Gipfel will nicht weh tun

Einmal Staatslenker sein: die Powerpuppen alias Angela Merkel und Wladimir Putin von Andreas Liebmann und Verena Stenke (Andreas Liebmann u. Verena Stenke)
Einmal Staatslenker sein: die Powerpuppen alias Angela Merkel und Wladimir Putin von Andreas Liebmann und Verena Stenke (Andreas Liebmann u. Verena Stenke)

Das spektakulärste Objekt der Schau "Art goes Heiligendamm" ist der Nachbau des Tagungsortes, wo sich die Regierungschefs der G8-Staaten an der Ostsee versammeln werden. Die Nachbildung durch das Raumlabor Berlin, einer interdisziplinär arbeitenden Gruppe von Architekten, bietet ein Kongresszentrum, Sauna und Golfplatz.

Hier wird die Schau heute Abend mit einer Vernissage eröffnet und im Unterschied zum Original darf am Schutzzaun demonstriert werden.

Benjamin Förster-Baldenius von "Raumlabor" über das Projekt mit dem Titel "Silver Pearl Congress Center & Spa", das ironisch auf den Tagungsort des Hotels Kempinski anspielt: "An das andere kommt man ja nicht ran im Moment! Also brauch es so'ne Art Ersatz. Wir brauchen ja einen Platz, wo man so ein bisschen unbeschadet von den Sicherheitskräften ist und alles das kann, was man in Heiligendamm im Moment nicht kann wie zum Beispiel am Zaun demonstrieren, relaxen, mal in den Pool springen, einen Cocktail nehmen am Wasser, das kann man hier alles!"

Die Kuratorin des Projekts, die frühere Berliner Kultursenatorin Adrienne Goehler, hat über 100 Künstler aus 21 Ländern und 5 Kontinenten für die große Kunstschau "Art goes Heiligendamm" eingeladen, die in Rostock und Umgebung bis zum 9. Juni, bis einen Tag nach dem Gipfel, zu sehen sein wird.

Goehler: Suche nach einem eigenen Weg

"Art goes Heiligendamm" bietet Installationen, Ausstellungen, Fotografien und Theaterstücke. Zu sehen sind unter anderem die brasilianische Gruppe "Frente" mit politischem Tanztheater sowie Malerei von der Beuys-Schülerin Katharina Sieverding. Fotokünstler zeigen Bilder über Kinderarbeit, Kindersoldaten oder das Leben auf Müllhalden.

Thorbjørn Reuter Christiansen aus Dänemark stellt eine viereinhalb Quadratmeter große Asylbox in der Stadt auf – sie bietet soviel Platz, wie ihn die Bundesregierung einem Asylsuchenden zubilligt. Der Schweizer Künstler Andreas Liebmann hat riesige Schablonen der Staatslenker aufgestellt - so genannte Powerpuppen - durch die man seinen Kopf stecken kann.

Adrienne Goehler bezeichnet die Kunstschau eher als eine diskursive denn eine polarisierende Veranstaltung, mit der man einen eigenen Weg suche. Sie sei eine Schnittstelle zwischen Bevölkerung, Kunst und sozialer Bewegung. Es werde unter anderem Diskussionen und eine Gipfel-Musik geben, sagte sie im Gespräch mit Deutschlandradio Kultur, denn dort, wo gesprochen werde, werde nicht geschossen. (Text, MP3-Audio)

Die Schau, die sich selbst als künstlerische Intervention im Stadtraum Rostock bezeichnet, fasst Christoph Richter in seinem Beitrag für Kultur heute im Deutschlandfunk so zusammen: Konsens statt Auseinandersetzung, Harmonie statt Streit, künstlerische Interventionen müssen mit der Lupe gesucht werden. (MP3-Audio)

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:23 Uhr