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Eröffnung des Holocaust-Mahnmals

Paul Spiegel kritisiert fehlende Aussage über Schuldige

Das Mahnmal für die ermordeten Juden Europas (AP)
Das Mahnmal für die ermordeten Juden Europas (AP)

In Berlin wird zur Stunde das Holocaust-Mahnmal mit einem Festakt eingeweiht. Es nehmen zirka 1000 Gäste aus aller Welt, darunter Regierungs- und Parlamentsvertreter, Angehörige der jüdischen Gemeinden sowie Holocaust-Überlebende teil. Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, äußerte Vorbehalte. Das Mahnmal selbst entziehe sich der Frage nach dem "Warum".

In Anwesenheit von etwa 1000 Gästen wurde das 19.000 Quadratmeter große Areal nach einem Entwurf des amerikanischen Architekten Peter Eisenman eröffnet. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse bezeichnete die Wirkung der Gedenkstätte als gelungene Mischung aus sinnlicher Erfahrung und Information. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Lehmann, würdigte das gesellschaftliche Engagement, das zum Bau des Mahnmals geführt habe.
Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, äußerte hingegen Vorbehalte. Das Mahnmal selbst entziehe sich der Frage nach dem "Warum" und enthalte sich jeder Aussage über die Schuldigen wie auch über die Ursachen und Hintergründe der Kriegs-Katastrophe.

Das Mahnmal besteht aus einem begehbaren, wellenförmig angelegten Feld aus 2711 Betonstelen und einem unterirdischen "Ort der Information", der vor allem das Schicksal der Opfer und Stationen der Ermordung von Juden dokumentiert.

An dem Stelenfeld in der Nähe des Reichstagsgebäudes und des Brandenburger Tors wurde gut zwei Jahre gebaut. Den ersten Anstoß gab eine private Bürgerinitiative vor 17 Jahren.

Das komplette Areal soll Tag und Nacht offen stehen. Der "Ort der Information" ist täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet.

"Hierarchisierung der Opfer wurde von der Geschichte vorgenommen"


Lea Rosh, Wolfgang Thierse und Peter Eisenman am Holcaust-Mahnmal (AP)Lea Rosh, Wolfgang Thierse und Peter Eisenman am Holcaust-Mahnmal (AP)Die Vorsitzende des Förderkreises, Lea Rosh, sagte im Deutschlandfunk, sie sei froh und dankbar, dass es gelungen sei, in Berlin ein Mahnmal zum Gedenken an die ermordeten Juden zu errichten. Nach vielen Jahren des Streits und mancher Verzögerung sei dies ein wichtiger Tag. Zugleich betonte sie, das Holocaust-Mahnmal bedeute keineswegs eine Abwertung anderer Opfergruppen. Die kritisierte Hierarchisierung der Opfer sei nicht von den Initiatoren des Mahnmals, sondern von der Geschichte vorgenommen worden. Sie finde es richtig, dass für die anderen Opfer eigene Mahnmale geschaffen würden, betonte Rosh. Die Publizistin hatte sich seit Ende der achtziger Jahre gemeinsam mit dem Historiker Eberhard Jäckel für die Gedenkstätte eingesetzt.
Interview mit Lea Rosh

Filmregisseur Levy sieht Mahnmal zwiespältig


Der Filmregisseur Dani Levy hat sich zwiespältig über das neue Holocaust-Mahnmal in Berlin geäußert. Es habe auf ihn sehr bedrückend, schwer und klaustrophobisch gewirkt, sagte Levy. Ihm fehle aber innerhalb des Mahnmals ein Bereich, "wo man auch spürt, was zerstört wurde und nicht nur der Fakt, dass zerstört wurde".
Interview mit Dani Levy

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:10 Uhr