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Erste deutsche Olympia-Medaille

Fechterin Britta Heidemann holt Silber

Erste Olympia-Medaille für Deutschland - Fechterin Heidemann holt Silber (picture alliance / dpa / Jonathan Brady)
Erste Olympia-Medaille für Deutschland - Fechterin Heidemann holt Silber (picture alliance / dpa / Jonathan Brady)

Zweieinhalb Tage lang hat es gedauert, bis das deutsche Team bei den olympischen Spielen in London eine Medaille verbuchen konnte. Und auch das war ein Geduldsspiel: eine halbe Stunde lang musste die Fechterin warten, bis sie überhaupt wusste, ob sie das Finale erreicht hatte.

<p>Die 29-jährige Kölnerin unterlag mit 8:9 im Sudden Death. Vorausgegangen war im Halbfinale ein sportliches Drama gegen die Südkoreanerin Shin A Lam: 28 Minuten lang wurde diskutiert, ob der Treffer zum 6:5 von Heidemann im Sudden Death innerhalb der letzten angezeigten Sekunde gesetzt worden war. Funktionäre, Zeitnehmer und Trainer führten aufgeregte Diskussionen. Schließlich leuchtete eine grüne "6" auf der Anzeigetafel auf, Heidemann verließ unter Jubelschreien die Halle.<br /><br />Doch dann legte Südkorea Protest ein. Die Delegation hatte allerdings die erforderliche Gebühr von umgerechnet 416 Euro nicht griffbereit. Ein Funktionär musste einen Bankautomaten aufsuchen. 1:42 Stunden nach Kampfbeginn hatte Heidemann endlich gewonnen. "Es gab nichts zu diskutieren, ich habe einen regulären Treffer gesetzt. Ich hätte mir allerdings einen anderen Finaleinzug gewünscht", sagte Heidemann.<br /><br /></p><p><strong>Eine Sekunde?</strong></p><p><papaya:media src="a4d173e4bcacef7acf2550b050d27d0f" rspace="5" bspace="5" width="144" height="108" align="left" resize="abs" subtitle="Heidemann nach der Beschwerde Südkoreas" popup="yes" />Die Diskussionen waren entstanden, nachdem die Uhr im Sudden Death 00:01 gezeigt hatte. Heidemann hatte für die Verlängerung per Los den "Nachteil" zugelost bekommen, hätte bei Gleichstand demnach verloren. Sie griff an - Doppeltreffer. Die Uhr zeigte weiter 00:01. Heidemann attackierte erneut - Doppeltreffer. Zwei Treffer innerhalb einer Sekunde - das rief die österreichische Kampfrichterin Barbara Csar auf den Plan. Csar befragte beide Fechterinnen, ob sie damit einverstanden seien, die Uhr nochmals auf 00:01 zurückzusetzen und das Gefecht ein letztes Mal freizugeben. Heidemann und Shin A Lam stimmten zu. Csar gab das Startsignal. Heidemann traf nach 0,84 Sekunden. Die Uhr zeigte 00:00. <br /><br />"Es gibt häufiger Diskussionen wegen der Uhr. Aber das ist schon ungewöhnlich, dass das so in einem olympischen Halbfinale passiert", sagte Sportdirektor Manfred Kaspar. Und Michael Vesper, Chef de Mession der deutschen Olympia-Mannschaft, betonte, Heidemann sei "völlig regulär ins Finale eingezogen, sie hat sich sportlich qualifiziert."<br /><br />Bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking hatte Heidemann als erste Deutsche mit dem Degen Einzelgold gewonnen. <br /><br /></p><p><strong>Langes Warten</strong></p><p>Nach dem zweiten Wettkampftag bei den <papaya:link href="http://www.olympic.org/london-2012-summer-olympics" text="Olympischen Spielen in London" title="London 2012 - Offizielle Homepage der Olympischen Sommerspiele" target="_blank" /> hatte Deutschland noch ohne eine einzige Medaille dagestanden. Das gab es zuletzt bei den Spielen vor 44 Jahren in Mexico City. Der entscheidende Unterschied zu 1968: Damals gab es in den ersten zwei Tagen nur sieben Entscheidungen, diesmal 26.<br /><br /></p><p><strong>Die Entscheidungen des Tages</strong></p><p><ul><papaya:media src="cdd51447514079d72095e337638a5b56" rspace="5" bspace="5" width="144" height="108" align="left" resize="abs" subtitle="Das Turnteam um Fabian Hambüchen hat eine Medaille verpasst" popup="yes" /><li>Der Traum von der ersten Team-Medaille bei Olympischen Spielen seit 24 Jahren ist für die deutschen Turner geplatzt. Beim Sieg von China vor Japan und Großbritannien erreichte die deutsche Riege um die starken Fabian Hambüchen und Marcel Nguyen nur Rang sieben. Ausgerechnet Vize-Weltmeister Philipp Boy patzte erneut zweimal schwer. Die Europameister-Mannschaft von 2010 konnte den enormen Rückstand nach einem miserablen Durchgang zum Start am Pauschenpferd vor 20.000 Zuschauern in der North Greenwich Arena nicht mehr aufholen. Mit 268,089 Punkten fehlten Hambüchen (Wetzlar), Nguyen (Unterhaching), Boy (Cottbus), Sebastian Krimmer (Stuttgart) und Andreas Toba (Hannover) mehr als drei Zähler auf die drittplatzierte Riege aus der Großbritannien (271,711). Die letzte Team-Medaille hatte die DDR 1988 in Seoul errungen.<br /><br /><papaya:media src="088e84887b6b37c9596b44a24f2b8429" rspace="5" bspace="5" width="144" height="108" align="left" resize="abs" subtitle="Paul Biedermann geht in London leer aus" popup="yes" /><li>Für Paul Biedermann hat sich der Traum von seiner ersten olympischen Medaille nicht erfüllt. Der 25-Jährige aus Halle/Saale schlug am Abend über 200 Meter Freistil nach 1:45,53 Minuten an und wurde hinter Olympiasieger Yannick Agnel aus Frankreich (1:43,14) Fünfter. Die Silbermedaille gewannen 400-Meter-Olympiasieger Sun Yang aus China und Park Tae Hwan aus Südkorea, die beide eine Zeit von 1:44,93 Minuten schwammen. Vor vier Jahren in Peking hatte Biedermann ebenfalls Platz fünf über die 200 Meter Freistil belegt. Über die doppelte Distanz war Biedermann <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="215176" text="vor zwei Tagen schon im Vorlauf ausgeschieden" alternative_text="vor zwei Tagen schon im Vorlauf ausgeschieden" />. Der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) wartet damit in London weiter auf seine erste Medaille.<br /><br /><li>Alin Moldoveanu hat als erster rumänischer Schütze die Goldmedaille mit dem Luftgewehr gewonnen. Der 29-Jährige, der bei den Spielen vor vier Jahren in Peking als Vierter noch knapp gescheitert war, setzte sich mit 702,1 Ringen vor dem italienischen Weltranglistenersten Niccolo Campriani (701,5) durch. Bronze ging an Gagan Narang aus Indien (701,1).<br /><br /><li>Die Wasserspringer Sascha Klein und Patrick Hausding haben im Synchronwettbewerb vom Turm eine Medaille überraschend deutlich verpasst. Die Olympiazweiten von Peking 2008 kamen auf 446,07 Punkte und mussten sich beim erwarteten Sieg der Chinesen Cao Yuan und Zhang Yanquan (486,78) mit dem enttäuschenden siebten Platz zufrieden geben. Silber gewannen die Mexikaner German Sanchez/Ivan Navarro (468,90) vor den US-Amerikanern Nicholas McCrory/David Boudia (463,47).<br /><br /><li>Der Russe Mansur Issajew ist überraschend Judo-Olympiasieger in der Klasse bis 73 kg geworden. Der frühere WM-Dritte gewann im Finale gegen den japanischen Weltmeister und Topfavoriten Riki Nakaya durch eine kleine Wertung. Die beiden Bronzemedaillen gingen an Ugo Legrand aus Frankreich und den Mongolen Nyam-Ochir Sainjargal, der im Auftaktkampf den deutschen Starter Christopher Völk bezwungen hatte.<br /><br /><li>Kaori Matsumoto hat Gold für das Judo-Mutterland Japan geholt. Am dritten Wettkampftag in London setzte sich die Weltmeisterin von 2010 im Finale der Klasse bis 57 kg gegen die Rumänin Corina Caprioriu durch. Die beiden Bronzemedaillen gingen an die Französin Automne Pavia und die Amerikanerin Marti Malloy. Olympia-Debütantin Miryam Roper aus Leverkusen war in ihrem Auftaktkampf an der brasilianischen Vizeweltmeisterin Rafaela Silva gescheitert.<br /><br /><li>Der russische Judoka Mansur Issajew hat Gold in der Gewichtsklasse bis 73 Kilogramm erkämpft. Issajew besiegte den Japaner Riki Nakaya und machte damit den zweiten Sieg der russischen Mattenkämpfer in London perfekt. Der Mongole Sainjargal Nyam-Ochir und der Franzose Ugo Legrand gewannen jeweils Bronze. Christopher Völk aus Abensberg war schon in seinem ersten Kampf ausgeschieden.<br /><br /><li>Li Xueying aus China ist Olympiasiegerin im Gewichtheben. Die 22 Jahre alte Vizeweltmeisterin schlug die Konkurrenz in der 58-Kilo-Klasse mit 246 Kilogramm im Zweikampf (Reißen 108/Stoßen 138). Silber ging an Pimsiri Sirikaew aus Thailand (236 kg), Bronze gewann die Ukrainerin Julia Kalina (235 kg). Vizeweltmeisterin Christin Ulrich aus Schmalkalden wurde 13. Die 21-Jährige vom ASV Ladenburg hatte in der B-Gruppe drei deutsche Rekorde aufgestellt: Im Zweikampf erreichte sie 207, im Reißen 93 und im Stoßen 114 Kilo. Bei den Männern triumphiert ein Nordkoreaner: Yun Chol Om holte in der Gewichtsklasse bis 73 kg die Goldmedaille vor Oscar Mosquera aus Kolumbien und Irawan Eko Yuli aus Indonesien.<br /><br /><li>Die 17-jährige Missy Franklin düpierte die Konkurrenz über 100 m Rücken. Die US-Amerikanerin verwies die Australierin Emily Seebohm und die Japanerin Aya Terakawa auf die Plätze. Olympische Medaillen gab es auch für zwei männliche Rückenschwimmer aus den USA: Matt Grevers holte Gold, sein Teamkammerad Nick Thoman schlug als Zweiter an. <br /><br />Für die größte Überraschung sorgte die noch zwei Jahre jüngere Litauerin Ruta Meilutyte, die über 100 m Brust in 1:05,47 Minuten Weltmeisterin Rebecca Soni (USA) düpierte.</ul><br /><br />Alle Beiträge rund um die 30. Olympischen Sommerspiele auf unserem <papaya:addon addon="13ce92bc07c8e837729a6ac5022b9a1b" portal="89" text="Portal London 2012" alternative_text="Portal London 2012" />.<br /><br />Diskutieren Sie mit uns auf der <papaya:link href="http://www.facebook.com/questions/446630145368297/" text="Facebook-Seite des Deutschlandfunks" title="" target="_blank" />.</p>

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:56 Uhr