EU-Politiker sehen Zypern-Rettung als Einzelfall

Zypern will verdächtige Überweisungen prüfen

Eine zypriotische Euromünze (picture alliance / dpa / Oliver Berg)
Eine zypriotische Euromünze (picture alliance / dpa / Oliver Berg)

Großanleger müssen die Zypern-Rettung mittragen. Das sei aber ein Einzelfall und kein Modell für Europa, betonen Politiker und Wirtschaftswissenschaftler. Unterdessen verstärkt sich der Verdacht, dass schon vor der Bankenschließung Geld im großen Stil abgezogen worden sein könnte.

Anleger in Zypern haben vor der Bankenschließung möglicherweise im großen Stil Geld abgezogen. Der zyprische Parlamentspräsident Giannakis Omirou will den Verdacht prüfen, wonach es ungewöhnlich hohe Geldüberweisungen ins Ausland sowie größere Bargeld-Abhebungen gegeben haben soll. Nach Informationen der Nachrichtenagentur DPA forderte Omirou eine Liste mit Überweisungen der vergangenen Wochen an. Zudem untersucht die Regierung in Nikosia, ob auch hohe Summen ins Ausland transferiert wurden, als die Banken bereits geschlossen hatten und das Online-Banking gesperrt war.

Der Geldabfluss vor der Bankenschließung soll nach Informationen aus der zyprischen Notenbank bei der Europäischen Zentralbank (EZB) aufgefallen sein: Zyprische Banken forderten demnach viel mehr Geld an, als ihre Kunden sich von Geldautomaten holten.

Der zyprische Parlamentspräsident will auch prüfen, ob hohe Beamte ihr Geld ins Ausland geschafft haben, die in Entscheidungszentren der Notenbank oder im Präsidialgebäude sitzen und von der bevorstehenden Entscheidung zur Schließung der Banken am 16. März wussten. Zyprische Medien berichteten ohne Quellenangabe, es seien "Unmengen" von Geld abgehoben worden.

Kapitalbeschränkungen für einige Wochen?

Bankkunden in Nikosia (picture alliance / dpa)Am Donnerstag sollen die Banken auf Zypern wieder öffnen (picture alliance / dpa)Die Banken sollen morgen nach fast zwei Wochen wieder öffnen. Die Regierung fürchtet Chaos und will ein massenhaftes Plündern der Konten verhindern. Genau das haben viele Zyprer vor, berichtet Selma Üsük im Deutschlandradio Kultur. "Am Donnerstag wird jeder versuchen, sein Konto zu plündern - so gut es geht wenigstens", zitiert sie einen Bankkunden aus Nikosia.

Details zu Kapitalbeschränkungen, mit denen Zypern nach Öffnung der Banken massive Geldabflüsse verhindern will, gab es bisher noch nicht, lediglich Gerüchte. Möglicherweise gelten die Beschränkungen für einige Wochen. Es wird erwartet, dass Bankkunden künftig nur bestimmte Höchstbeträge pro Tag und Monat abheben dürfen. Das Limit für Geldautomaten war am Sonntag je nach Bank auf 100 bis 120 Euro reduziert worden.

Finanzminister Michalis Sarris begründete die längere Sperrung bis Donnerstag mit der Sorge vor massiven Geldabflüssen. Auch habe die Regierung Zeit gebraucht, um Kapitalverkehrskontrollen zu installieren. Ursprünglich sollten die Banken am Dienstag wieder öffnen - nach zehntägiger Schließung. Im Zuge der Banken-Rettung könnten reiche Anleger in Zypern etwa 40 Prozent ihrer Geldanlagen verlieren - als Beitrag zur Sanierung des Bankensektors. Sarris nannte dies im britischen Sender BBC eine realistische Größenordnung.

Die EU-Kommission sieht die Rettung Zyperns unter Einbeziehung von Großsparern und Gläubigern nicht als Modell für die Zukunft. "Der Fall Zypern ist einzigartig", sagte die Sprecherin von Binnenmarktkommissar Michel Barnier. Sie reagierte verhalten auf Äußerungen von Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem, der am Montag erklärt hatte, die Beteiligung von Kontoinhabern an der Bankenrettung Zyperns könne als Modell für künftige Hilfsprogramme gelten - ruderte dann aber wieder zurück: Der Rettungsplan für Zypern sei keine "Blaupause" für andere Länder.

"Das Modell Zypern lässt sich nicht auf ganz Europa übertragen"

Der CDU-Politiker Michael Meister erscheint zur CDU/CSU-Fraktionssitzung im Reichstagsgebäude in Berlin. (picture alliance / dpa - Andreas Altwein)Unionsfraktionsvize Michael Meister (picture alliance / dpa - Andreas Altwein)Führende Unionspolitiker lehnten eine generelle Beteiligung reicher Sparer an der Rettung angeschlagener Banken ab. "Das Modell Zypern lässt sich nicht einfach eins zu eins auf ganz Europa übertragen. Zypern ist ein Spezialfall", sagte etwa Unionsfraktionsvize Michael Meister der "Rheinischen Post". Der haushaltspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Norbert Barthle, sagte derselben Zeitung: "Ich habe größte Bedenken, das Vorgehen in Zypern zum Modell für ganz Europa zu machen." Das könnte das Bankensystem in Europa nicht verkraften, warnte Barthle.

Frankreichs Präsident François Hollande sieht die Einlagengarantie als ein "unbedingtes Prinzip". Was in Zypern geschehe, sei "besonders und einmalig", sagte er. Ähnlich äußerte sich Spaniens Regierungschef Mariano Rajoy.

Kritik kam vom Wirtschaftsweisen Peter Bofinger: "Die Äußerungen von Jeroen Dijsselbloem waren mehr als fahrlässig", sagte Bofinger der "Passauer Neuen Presse". Einlagen bei Banken müssten zu hundert Prozent sicher sein. Sonst funktioniere das Finanzsystem nicht.

FDP-Finanzpolitiker Frank Schäffler fordert einen Ausstieg aus der Rettungslogik. "Es müsste möglich sein, dass ein Land in der Eurozone pleite geht, oder aus dem Euro aussteigt", sagte er im Deutschlandfunk. Dass Zypern systemrelevant sei, hält er für "totalen Quatsch".

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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:08 Uhr