EU und USA fordern Fortsetzung des Dialogs in Ägypten

Übergangsregierung gibt Muslimbruderschaft Schuld an gescheiterten Verhandlungen

Anhänger des gestürzten Präsidenten Mursi in Kairo (picture alliance / dpa /Mohammed Saber)
Anhänger des gestürzten Präsidenten Mursi in Kairo (picture alliance / dpa /Mohammed Saber)

Ägypten hat die internationalen Vermittlungsversuche für gescheitert erklärt - doch EU und USA wollen sich nicht geschlagen geben. Nun sei der Augenblick für "Führung, Weitblick und Großherzigkeit" gekommen.

"Jetzt ist nicht die Zeit für Schuldzuweisungen, sondern um Schritte zu unternehmen, die helfen können, einen Dialog zu beginnen und den Wandel voranzubringen", mahnten die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton und US-Außenminister John Kerry in einer gemeinsamen Erklärung. Nun sei der "Augenblick für Führung, Weitblick und Großherzigkeit - ein einender Moment, in dem die Ägypter nach vorne schauen sollten auf das, was auf dem Spiel steht und was sie durch aufrichtige Versöhnung gewinnen können", appellierten EU und USA.

"Wir sind weiter bereit zu helfen, wo wir nur können", erklärten Ashton und Kerry weiter. Zusammen wolle man sich für ein "starkes, demokratisches, offenes und wohlhabendes Ägypten" einsetzen. Zugleich forderten die beiden Politiker die Freilassung inhaftierter Politiker, ohne jedoch den Namen des entmachteten Präsidenten Mohammed Mursi zu nennen.

Gestern hatte der ägyptische Interimspräsident Adli Mansur die internationalen Bemühungen zur Beilegung der politischen Krise im Land für gescheitert erklärt - und die Muslimbrüder "in vollem Umfang" dafür verantwortlich gemacht.

Beobachter befürchten neue Welle der Gewalt

Unterdessen rief Ministerpräsident Hazem Beblawi die Islamisten im Fernsehen auf, ihre Protestcamps zu räumen. Ansonsten werde die Regierung mit aller Härte gegen die Demonstranten vorgehen. Beblawi sagte, die Anhänger des gestürzten Präsidenten Mursi hätten mit ihren Aufrufen zu Gewalt, Straßenblockaden und dem Gebrauch von Waffen die Grenzen des friedlichen Protests überschritten. Die Entscheidung der Regierung, die Protestlager der Muslimbrüder aufzulösen, sei endgültig. In Brüssel und in Washington befürchte man, dass dadurch die Gewalt in Ägypten erneut eskalieren könnte, berichtete Korrespondent Leon Stebe im Deutschlandradio Kultur.

Die Lage in Ägypten hat sich seit der Absetzung des islamistischen Präsidenten Mursi vor fünf Wochen verschärft. Die Muslimbruderschaft demonstriert mit Massenkundgebungen und Protestlagern gegen die Entmachtung Mursis. Die neue Übergangsregierung lehnt Mursis Rückkehr an die Macht kategorisch ab.


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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:15 Uhr