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Exilkubaner bejubeln Castros Erkrankung

Hoffen auf ein Ende des Regimes

Von Siegfried Buschschlüter

Eine Frau schwenkt in Miami eine kubanische Fahne, nachdem sie von der schweren Krankheit  Castros erfahren hat. (AP)
Eine Frau schwenkt in Miami eine kubanische Fahne, nachdem sie von der schweren Krankheit Castros erfahren hat. (AP)

Rund zwei bis drei Millionen Exilkubaner und Nachkommen von ihnen leben in den USA. Zentrum der Exilgemeinde ist Miami. Dort hat die Nachricht von der schweren Erkrankung des kubanischen Staatspräsidenten Fidel Castro die Hoffnung geschürt, dass das Ende eines der letzten kommunistischen Regime der Welt unmittelbar bevorsteht.

Fidel Castros Erkrankung muss ernst und seine Operation überstürzt erfolgt sein, meint Armando Valladares. Sonst wäre nicht zu erklären, dass er sich nicht selber im Fernsehen an das kubanische Volk gewandt habe. Er wolle nicht ausschließen, dass Castro schon tot sei; denn anders als in westlichen Demokratien wäre es in Kuba nur natürlich, dass die Regierung die Bevölkerung zunächst auf das Ereignis vorbereiten wolle, bevor es offiziell bekannt gegeben wird.

Armando Valladares vertritt den rechten Flügel der kubanischen Exilgemeinde in Miami und ist erbitterter Gegner des Castro-Regimes. Er war 22 Jahre als politischer Häftling in Kuba im Gefängnis und wurde 1982 nach persönlicher Intervention des damaligen französischen Staatspräsidenten Francois Mitterrand freigelassen. Vier Jahre lang war der heute 69-Jährige US-Botschafter bei der UN-Menschenrechtskommission in Genf. Ronald Reagan hatte ihn auf diesen Posten berufen, nachdem er Valladares’ Buch über sein Leben in Castros Kerker gelesen hatte.

Aus seinem Hass auf Castro macht er keinen Hehl. Er wünsche sich, so sagte er mir gestern am Telefon aus Miami, dass Castro verschwindet, dass er stirbt. Der Tag, an dem das eintritt, werde für ihn ein Tag der Freude sein, sagt er, dann werde sein Land frei sein und ein seit 47 Jahren dauernder Alptraum zu Ende gehen.

Auch Eloy Gutierrez-Menoyo war 22 Jahre in Kuba inhaftiert und wurde erst nach ausländischer Intervention freigelassen - 1986 durch Vermittlung des spanischen Regierungschefs, Felipe Gonzalez. Doch anders als Valladares plädiert er für eine Politik der Verständigung und Aussöhnung 1959 hatte er noch an der Seite der kubanischen Revolution gegen Batista gekämpft, doch als er sah, dass Castro Freiheit und Menschenrechte unterdrückte, gründete er die Widerstandsorganisation Alpha 66, startete Kommandounternehmen gegen militärische Ziele auf Kuba, unter ihnen ein sowjetischer Stützpunkt mit Atomraketen, und wurde dabei gefangen genommen und verurteilt.

Neun Jahre nach seiner Freilassung traf er sich mit Castro in Havanna, diskutierte drei Stunden mit ihm. Eine Oppositionspartei wollte er gründen. Davon hielt Castro wenig, ließ ihn jedoch vor drei Jahren nach Kuba einreisen, wenn auch ohne seine Familie.

Wie Eloy Gutierrez-Menoyo hat auch Alfredo Duran seine Einstellung zu seiner Heimat grundlegend verändert. 1961 nahm er an der Schweinebucht-Invasion teil, dem kläglich gescheiterten Versuch der CIA, mithilfe von schlecht ausgerüsteten Exilkubanern Castro zu stürzen. Eine Operation des Kalten Krieges, sagt er. Als ich das letzte Mal, vor vier Jahren, mit ihm in Miami sprach, hatte er soeben in Havanna an einem Veteranentreffen beider Seiten teilgenommen. Fidel Castro war auch dabei. Es sei schon bewundernswert, wie es Castro gelungen sei, zu überleben, auch einige seiner Programme seien lobenswert. Er sage immer, so Duran, Vorsitzender des kubanischen Komitees für Demokratie, den Armen in Lateinamerika gehe es in Kuba noch am besten.

Und das sagt er, obwohl einige ihn in Miami dafür am liebsten umbringen möchten. Nicht hinzunehmen, so betont er, sei dagegen, wie Castro den Menschen wichtige Grundrechte vorenthalte.

Ungeduldig warten die Exilkubaner in Miami auf Nachrichten aus Havanna. Bis zu 40 Prozent von ihnen, so wird geschätzt, hätten die Absicht, in ihre Heimat zurückzukehren. Seit Jahren befasst sich Prof. Jaime Suchlicki, Direktor des Instituts für kubanisch-amerikanische Studien an der Universität Miami, mit der Zeit nach Castro, hat Dutzende von Forschungsarbeiten zum Kuba-Übergangsprojekt herausgegeben. Es gebe einen Notstandsplan der US-Regierung für den Tag X, sagt er, einen Plan für die Versorgung Kubas mit Nahrungs- und Arzneimitteln, für den Fall einer größeren Krise auf der Karibikinsel. Außerdem gebe es Einsatzpläne, um zu verhindern, dass Exilkubaner in Massen nach Kuba aufbrechen und Kubaner nach Miami flüchten.

Gutierrez-Menoyo wird wohl nicht zu ihnen gehören. Da er länger als erlaubt auf Kuba geblieben ist und damit gegen US-Sanktionen verstoßen hat, droht die US-Regierung ihm bei seiner Rückkehr nach Miami mit einer zehnjährigen Freiheitsstrafe. So gesehen erhält "Cuba libre” eine ganz neue Bedeutung.



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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:18 Uhr

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