FDP startet Zweitstimmen-Kampagne

Das Taktieren vor der Bundestagswahl ist in vollem Gange

Wahlkampf: FDP-Plakat (picture alliance / dpa / Maurizio Gambarini)
Wahlkampf: FDP-Plakat (picture alliance / dpa / Maurizio Gambarini)

Keine Woche vor der Bundestagswahl ist sie wieder da, die Diskussion um die Zweitstimme. Um sie werben die Liberalen nach ihrer Niederlage in Bayern mit Nachdruck. Doch die Union will da nicht mitziehen.

"Am Sonntag beide Stimmen für die Union" – das postete bei Twitter Philipp Mißfelder, Mitglied des Präsidiums der CDU, denn die Zweitstimme sei Kanzlerstimme. "Nur die Zweitstimme für die FDP verhindert Rot-Grün", erwiderte in dem sozialen Netzwerk der Generalsekretär der Liberalen, Patrick Döring. Einen Tag nach der Landtagswahl in Bayern sind damit die Fronten klar abgesteckt – und das Taktieren vor der Bundestagswahl ist im vollen Gange.

Die CSU von Ministerpräsident Horst Seehofer hatte am Sonntag die absolute Mehrheit im bayerischen Landtag zurückerobert. Die seit fünf Jahren in München mitregierende FDP dagegen verpasste den Wiedereinzug ins Parlament.

Gezieltes Werben im bürgerlichen Lager

Das Scheitern seiner Partei nannte FDP-Vize-Chef Holger Zastrow im Interview mit dem Deutschlandfunk "unendlich traurig". Mit Blick auf die Bundestagswahl würden die Liberalen daher um die Zweitstimme werben, betonte auch er. Seiner Meinung nach verhalte sich die Union nicht eben schlau, wenn sie diese Kampagne ablehne. Im Bund brauche sie nun mal eine starke FDP, um die Koalition fortsetzen zu können.

Gemeinsam mit FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle hatte auch schon Parteichef Philipp Rösler dazu aufgerufen, in den letzten Tagen vor der Bundestagswahl gezielt um Zweitstimmen aus dem bürgerlichen Lager zu werben.

 Wollen weiter gemeinsam regieren: Rösler, Merkel und Seehofer (Bild: picture alliance, dpa, Maurizio Gambarini)

Wollen weiter gemeinsam regieren: Rösler, Merkel und Seehofer (Bild: picture alliance, dpa, Maurizio Gambarini)

SPD: Debatte schwächt Union

Die CDU brauche die Zweitstimmen, sagte dagegen im Deutschlandfunk CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe. Um die christlich-liberale Koalition fortzusetzen, müssten sowohl Union als auch FDP "in der nächsten Woche noch ein Schippchen drauflegen bei den Stimmen".

Die SPD erwartet durch die Diskussion eine Schwächung der Union. CSU-Chef Horst Seehofer habe sich gegen die Bundesregierung profiliert und mit dieser Strategie "die FDP marginalisiert", erklärte im Deutschlandfunk Generalsekretärin Andrea Nahles. Parteichef Sigmar Gabriel sprach von einer "großen Chance" für ein Regierungsbündnis von SPD und Grünen, wenn nur die Wahlbeteiligung am kommenden Sonntag hoch genug ausfalle. Andere Konstellationen, eine große Koalition etwa, wies er zurück.

Ein Drittel der Wahlberechtigten noch unentschlossen

Der Politikwissenschaftler Wichard Woyke rechnet damit, dass die Zweitstimmen-Kampagne der FDP helfen wird. Gerade vor dem Hintergrund aktueller Umfragen, die der Partei zwischen vier und sechs Prozent der Stimmen voraussagen, könnten sich einige Wähler entsprechend entscheiden. Der Münsteraner Professor wies im Interview mit dem Deutschlandfunk darauf hin, dass noch immer ein Drittel aller Wahlberechtigten als unentschlossen gilt und dass derzeit eine knappe Mehrheit für eine Fortsetzung der schwarz-gelben Regierungskoaltion ist.


Mehr zum Thema auf dradio.de
CSU-Comeback in Bayern - Parteien ziehen Rückschlüsse auf Bundestagswahl
"Die Energiepolitik wird am nächsten Sonntag entschieden" - Grüne Spitzenkandidatin rechnet mit guten Ergebnis bei der Bundestagswahl
Toncar: "Herbe Niederlage für die FDP" - stellvertretender FDP-Fraktionsvorsitzender zur bayrischen Landtagswahl

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:17 Uhr