Feilschen um die Erderwärmung

UN-Klimakonferenz in Warschau eröffnet

Der Präsident der Klimakonferenz, Polens Umweltminister Korolec  (AFP / JANEK SKARZYNSKI)
Der Präsident der Klimakonferenz, Polens Umweltminister Korolec (AFP / JANEK SKARZYNSKI)

In der polnischen Hauptstadt Warschau hat die 19. UN-Klimakonferenz begonnen. Experten aus 195 Ländern wollen ein global verbindliches Klimaschutzabkommen vorbereiten, das 2015 in Paris unterzeichnet werden soll. In Kraft treten soll es 2020. Der Erfolg der Konferenz ist allerdings ungewiss.

Wieder einmal versuchen Delegierte aus aller Welt, einem globalen Klimaabkommen näher zu kommen. In den kommenden zwei Wochen beraten Vertreter von Industriestaaten, Schwellenländern und vom Klimawandel unmittelbar gefährdeten Nationen in Polen über die Grundlagen eines neuen weltweiten Vertrags zum Klimaschutz. Das Abkommen soll Ziele für alle Staaten enthalten, auch für die großen Schwellenländer und die USA, die sich bislang international nicht binden wollten.

Die Weltklimakonferenzen der UN sind aus dem Umweltgipfel 1992 im brasilianischen Rio de Janeiro hervorgegangen. Sie finden seit 1995 jährlich statt. Beim Weltklimagipfel in Kyoto/Japan wurden 1997 erstmals völkerrechtlich verbindlich Höchstgrenzen für die Emission umweltschädlicher Treibhausgase festgelegt.

In der Eröffnungszeremonie bezeichnete die Chefin des UN-Klimasekretariats, Christiana Figueres, den Klimawandel als riesige Herausforderung: «Wir werden entweder alle zusammen gewinnen oder verlieren.» Zugleich zeigte sich die Klimadiplomatin aus Costa Rica zuversichtlich, dass in Warschau Fortschritte erzielt werden können. Globaler Klimaschutz habe öffentliche und politische Rückendeckung. Ein neuer globaler Klimavertrag sei in Reichweite. Der Präsident der Konferenz, Polens Umweltminister Marcin Korolec, rief zu gemeinsamem Handeln auf. Er betonte, dass alle Staaten ihren gerechten Beitrag zum Klimaschutz leisten müssten: «Jeder muss einen Bestandteil zu der Arznei beisteuern, die unseren Planeten heilen wird.»

Neue Frist nach dem Scheitern von Kopenhagen

Von der Konferenz werden allerdings keine echten Entscheidungen erwartet. Etwaige Fortschritte könnten jedoch ein Gradmesser für die Chancen sein, dass die Weltgemeinschaft 2015 zu einem Abkommen findet. Jenes Jahr wurde als neue Frist gesetzt, nachdem ein Gipfel unter Führung der UN 2009 in Kopenhagen gescheitert war.

Die Dringlichkeit des Problems unterstrich ein im September veröffentlichter Bericht des Weltklimarats (IPCC). Demnach lässt sich mit immer größerer Gewissheit sagen, dass die Menschheit die Erde erwärmt, vor allem durch den Ausstoß von Kohlendioxid aus der Verbrennung von Öl, Kohle und Gas. Der IPCC hob seine Prognose für den Anstieg des Meeresspiegels an und erklärte, das Polarmeer könne im Sommer noch vor Mitte des Jahrhunderts fast eisfrei sein, wenn der Ausstoß der Emissionen nicht begrenzt werde.

China am Pranger

Blick auf ein chinesisches Kohlekraftwerk in der Nähe von Peking (picture alliance / dpa - How Hwee Young)Am Pranger: chinesische Kohlekraftwerke (picture alliance / dpa - How Hwee Young)Heiß umstritten ist, wie die Lasten der Begrenzung verteilt werden sollen. Seit Beginn der Klimaverhandlungen streiten reiche und arme Staaten über ihren Anteil daran. Lange Zeit galten die USA als größter Bremser: Sie waren der einzige Industriestaat, der dem Kyoto-Protokoll zum Klimaschutz von 1997 nicht beitrat. Erst unter Präsident Barack Obama schlug das Land eine andere Richtung ein. Zwar sind viele Staaten der Ansicht, dass die USA noch deutlich mehr tun könnten, doch steht inzwischen verstärkt China am Pranger, das Land mit dem weltweit größten Ausstoß an Kohlendioxid.

Wichtige Details des angestrebten neuen Vertrags sind noch offen. Dazu zählt, ob er ganz oder teilweise rechtlich verbindlich sein soll. Unklar ist auch, in welcher Form und bis wann die Angebote der einzelnen Nationen über ihre jeweiligen Emissionskürzungen und andere Klimamaßnahmen für die Zeit nach 2020 präsentiert werden sollen. Die Unterhändler stehen vor zahlreichen Hürden. Es geht beispielsweise um Geld, das armen Ländern helfen soll, auf saubere Energiequellen umzusteigen und sich an Klimaveränderungen anzupassen, die Auswirkungen auf Landwirtschaft, Zugang zu Trinkwasser und die Verbreitung von Krankheiten haben könnten.

Streit wird auch um die Forderung kleiner Inselstaaten und anderer bedrohter Länder nach Entschädigung für die Schäden des Klimawandels in Folge von ansteigendem Meeresspiegel und Dürren erwartet. Auf Kritik stieß bei Klimaaktivisten, dass Polen - ein stark von klimaschädlicher Kohle abhängiges Land - Gastgeber der Gespräche ist und dort gleichzeitig eine Kohlekonferenz abgehalten wird. Und bei einer Klimakonferenz in Katar vergangenes Jahr entbrannte ein heftiger Streit über Verfahrensfragen, der noch nicht gelöst ist und der auch die Gespräche in Warschau überschatten könnte.

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Letzte Änderung: 11.11.2013 23:12 Uhr