Finanzbedarf Zyperns höher als erwartet

Zyprische Banken beschränken Abhebesumme an Bankautomaten auf 100 Euro

Wie geht es weiter mit Zypern? (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)
Wie geht es weiter mit Zypern? (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)

Ringen um die finanzielle Zukunft Zyperns: Bei ihrer Sondersitzung Treffen in Brüssel beraten die Euro-Finanzminister darüber, wie Zypern den Eigenanteil von 5,8 Milliarden Euro aufbringen kann. Sollte das Land nicht bis morgen einen abgestimmten Sanierungsplan vorlegen, will die EZB den Geldhahn abdrehen.

<p>In Brüssel verzögert sich die Sondersitzung der Euro-Finanzminister zur Zypern-Krise. Grund dafür sind die Gespräche mit der zyprischen Führung, die sich bis in den Abend hineinzogen. Bei dem anschließenden Treffen der Eurogruppe soll es insbesondere um den Eigenanteil von 5,8 Milliarden Euro gehen. Er ist die Voraussetzung dafür, dass das Land einen Not-Kredit von zehn Milliarden Euro erhält. <br /><br />Derzeit deutet alles auf eine Zwangsabgabe auf Bankguthaben hin. Sollte es bei der Sondersitzung keine Einigung geben, gibt es heute kein abgeschlossenes Sanierungskonzept, dann will die Europäische Zentralbank (EZB) kein Geld mehr zur Verfügung stellen.<br /><br />Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble räumte ein, dass Zypern eventuell mehr Geld benötige als bisher geschätzt. Einem <papaya:link href="http://www.welt.de/wirtschaft/article114725796/Zypern-braucht-deutlich-mehr-Geld-als-erwartet.html" text="Bericht der Zeitung Die Wel/" title="Bericht der Zeitung &quot;Die Welt&quot;&quot; target=" target="_blank" /> zufolge könnten rund zwei Milliarden Euro und damit insgesamt 19 Milliarden Euro fehlen, um die Banken und den Staatshaushalt des Landes zu stützen.<br /><br /></p><p><strong>Währungskommmissar Rehn: "Nur noch harte Möglichkeiten"</strong></p><p>Jede Vereinbarung werde schmerzhaft für Zypern, erklärte EU-Währungskommissar Olli Rehn. "Es gibt nur noch harte Möglichkeiten." Doch es müsse endlich eine Lösung für das kriselnde Euro-Land gefunden werden.<br />Auch Zyperns Staatspräsident Nikos Anastasiades nimmt in Brüssel an den Gesprächen teil.<br /><br />Einige Banken des Landes schränkten inzwischen das Abheben von Bargeld an Automaten weiter ein, zum Teil bis auf 100 Euro täglich. <br /><br /></p><p><strong>Kritik am IWF</strong></p><p><papaya:media src="c003bfb7ccf2be60658e089e2212c34b" rspace="5" bspace="5" width="144" height="108" align="left" resize="abs" subtitle="Das Parlament Zyperns bei der Debatte über das Europaket" popup="yes" />Schuld an den Schwierigkeiten bei den Gesprächen mit der Troika trage der Internationale Währungsfonds, berichteten die zyprische Nachrichtenagentur CNA und der Staatsrundfunk unter Berufung auf Regierungskreise. Die IWF-Vertreterin stelle "immer wieder neue Forderungen", hieß es. <br /><br />Zuvor hatte sich Finanzminister Michalis Sarris noch positiv über den Verlauf der Gespräche geäußert: "Es gibt wahrhaftig Fortschritte. Wir haben ein umfassendes Programm vorgelegt." Es gebe aber einige Themen, die noch nicht geklärt seien.<br /><br /></p><p><strong>Die Bank of Cyprus und das Vermögen der russischen Oligarchen</strong></p><p>Bei den Gesprächen mit der Troika (IWF, EZB, EU-Kommission) steht vor allem die Zwangsabgabe auf Geldeinlagen bei der Bank of Cyprus Bank im Mittelpunkt, dem größten zyprischen Geldinstitut. Dort sollen russische Oligarchen Milliarden geparkt haben. Zur geplanten Höhe der Abgabe machten in Nikosia verschiedene Gerüchte die Runde. <br /><br />Ein Regierungsvertreter sagte der Nachrichtenagentur Reuters, es sei vereinbart worden, dass eine Zwangsabgabe von 20 Prozent auf Einlagen von mehr als 100.000 Euro beim größten Geldhaus des Landes, der Bank of Cyprus, erhoben werde. Bei anderen Banken solle sich die Abgabe für Vermögende auf vier Prozent belaufen. Die Rücksichtnahme auf weniger Wohlhabende soll die Parlamentarier offenbar zur Zustimmung bewegen, nachdem sie am vergangenen Dienstag eine <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="241217" text="Zwangsabgabe auf alle Bank-Konten abgelehnt hatten" alternative_text="Zwangsabgabe auf alle Bank-Konten abgelehnt hatten" />.<br /><br /></p><p><strong>Schäuble: Wollen Insolvenz Zyperns vermeiden</strong></p><p><papaya:media src="1c205c7160fca57fb72d1f42430e7ff6" rspace="5" bspace="5" width="144" height="108" align="left" resize="abs" subtitle="Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble" popup="yes" />Auch nach einer Rettung stehen den Zyprern nach Einschätzung von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble harte Zeiten bevor. "Zypern wird einen schweren Weg gehen - so oder so", sagte der CDU-Politiker der <papaya:link href="http://www.welt.de/print/wams/article114716938/Schaeuble-Zypern-ist-selbst-schuld.html" text="Welt am Sonntag" title="Welt am Sonntag" target="_blank" />. "Aber das ist nicht die Folge europäischer Sturheit, sondern eines Geschäftsmodells, das nicht mehr funktioniert." Zypern habe seit Herbst 2011 praktisch keinen Zugang zu den Finanzmärkten, seine Anleihen seien auf Ramschstatus gesunken, die beiden großen Banken seien faktisch insolvent.<br /><br />"Wir wollen möglichst vermeiden, dass Zypern in die Insolvenz rutscht", versicherte der Finanzminister. "Aber die Regeln müssen respektiert werden, die Hilfe muss Sinn ergeben und das Programm muss die Probleme an der Wurzel packen." <br /><br /><br /><em>Mehr zum Thema:</em><br /><br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="241519" text="Der große Knall rückt näher" alternative_text="Der große Knall rückt näher" /> - Zyperns Ehre, die Zwangsabgabe und die wahren Interessen der Politiker<br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="241517" text="Ökonom: Bankenabgabe hat schwere Vertrauenskrise ausgelöst" alternative_text="Ökonom: Bankenabgabe hat schwere Vertrauenskrise ausgelöst" /> - Rudolf Hickel fordert vernünftige Rettungsaktion für Zypern<br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="241394" text="&quot;Warum müssen wir immer die Banken retten?&quot;" alternative_text="&quot;Warum müssen wir immer die Banken retten?&quot;" /><br />Gregor Gysi fordert teilweise Insolvenz zypriotischer Finanzhäuser<br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="241396" text="Zypern muss die Eurozone notfalls verlassen" alternative_text="Zypern muss die Eurozone notfalls verlassen" /> - <br />Ökonom: Der Inselstaat ist nicht systemrelevant<br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="241490" text="Russland hat kein Interesse an Zypern" alternative_text="Russland hat kein Interesse an Zypern" /> - <br> Moskau verwehrt Krisenland neue Finanzhilfen<br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="241354" text="Zypernkrise: Fonds statt Zwangsabgabe" alternative_text="Zypernkrise: Fonds statt Zwangsabgabe" /> - <br />Nikosia will Bankkonten nicht antasten<br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="241219" text="&quot;Wie ein Elefant im Porzellanladen&quot;" alternative_text="&quot;Wie ein Elefant im Porzellanladen&quot;" /> - <br> Zypern, EU und Russland streiten über Lösung der Krise<br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="241536" text="Ökonom kritisiert Zyperns angestrebten Solidaritätsfond als &quot;unsozial&quot;" alternative_text="Ökonom kritisiert Zyperns angestrebten Solidaritätsfond als &quot;unsozial&quot;" /> - Max Otte plädiert für Zwangsabgaben auf hohe Vermögenseinlagen</p>

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:08 Uhr