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Finanzkrise erhöht Ungleichheit und Armutsrisiko

Studie der OECD analysiert Entwicklung zwischen 2007 und 2010

Armut in Deutschland: Eine deutsche Seniorin kramt in gebrauchter Kleidung an einem Stand auf einem Flohmarkt (picture alliance / dpa / Wolfram Steinberg)
Armut in Deutschland: Eine deutsche Seniorin kramt in gebrauchter Kleidung an einem Stand auf einem Flohmarkt (picture alliance / dpa / Wolfram Steinberg)

Die Finanz- und Wirtschaftskrise sorgt in den meisten Ländern für eine immer ungleichere Verteilung der Einkommen. Das Armutsrisiko steigt. Nur in Deutschland und Österreich ist die Situation leicht besser, wie eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zeigt.

In den Jahren 2007 bis 2010 ist die Ungleichheit bei den Bruttoeinkommen in ihren Mitgliedsländern stärker angestiegen als in den zwölf Jahren zuvor, gab die Organisation in Paris bekannt. Konjunkturprogramme und Steuer- und Transfersysteme hätten die Folgen der Krise zwar gedämpft. Die Arbeitslosigkeit und die Sparpolitik vieler Regierungen ließen aber befürchten, dass sich das Armutsrisiko in den nächsten Jahren noch vergrößern werde.

Besonders stark betroffen waren den Angaben zufolge Island, Griechenland, Mexiko, Spanien und Irland. Dort gingen die Einkommen aus Arbeit und Kapital um fünf Prozent oder mehr pro Jahr zurück - für viele Menschen rückt die Armut damit näher.

Laut OECD erhöhte sich in den Krisenjahren in 15 von 21 Ländern insbesondere das Armutsrisiko für Kinder und junge Menschen, für Ältere sank es hingegen. In Deutschland lebten demnach 2010 knapp neun Prozent der Menschen in relativer Armut, in Österreich acht Prozent, in der Schweiz 9,5 Prozent und im OECD-Durchschnitt 11,3 Prozent. Deutschland verzeichnete zugleich als einziges Land ein erheblich gesunkenes Risiko für 18- bis 25-Jährige.

Einkommensungleichheit: stagnierend nur in Deutschland und Österreich

Zugleich stiegen anders als in den anderen untersuchten Ländern in Deutschland und Österreich sowohl die Markteinkommen aus Arbeit und Kapital als auch die verfügbaren Einkommen nach Steuern und Abgaben leicht an. Die Einkommensungleichheit verharrte laut OECD in beiden Ländern etwa auf Vorkrisenniveau.

Die größte Ungleichheit bei der Einkommensverteilung herrscht innerhalb der OECD in Chile und Mexiko, die geringste in Island, Slowenien, Norwegen und Dänemark. In 21 von 33 Ländern, für die Daten vorlagen, erhöhten sich bei den zehn Prozent Bestverdienern die Einkommen stärker als bei den zehn Prozent der Bevölkerung, die am wenigsten verdienen.

OECD-Generalsekretär: "Schwächste Mitglieder der Gesellschaft unterstützen"

OECD-Generalsekretär Angel Gurria 2012 in Paris (picture alliance / dpa / IP3 press / Vincent Isore)OECD-Generalsekretär Angel Gurría plädiert für mehr Fairness und Effizienz (picture alliance / dpa / IP3 press / Vincent Isore)OECD-Generalsekretär Angel Gurría hob hervor, dass es zwar nötig sei, die öffentlichen Ausgaben zu begrenzen. Gleichzeitig müssten Maßnahmen für Arbeit und Wachstum aber für Fairness und Effizienz sorgen und alle Menschen einer Gesellschaft einbeziehen. "Diese Zahlen unterstreichen, wie wichtig es ist, die schwächsten Mitglieder in unseren Gesellschaften zu unterstützen", sagte er in Paris.

Die OECD berechnet die Ungleichheit auf der Basis von zwei Indikatoren: dem sogenannten Gini-Koeffizienten, der null beträgt, wenn alle Menschen dasselbe Einkommen haben und eins, wenn nur eine Person über das gesamte Einkommen einer Gesellschaft verfügt; hinzu kommt das Verhältnis zwischen den Durchschnittseinkommen der ärmsten und der reichsten zehn Prozent eines Landes. Der Gini-Koeffizient für verfügbare Einkommen lag 2010 im OECD-Schnitt bei 0,31, in Deutschland bei 0,29 und in Österreich bei 0,27.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:11 Uhr